DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 17. Juni 1990


Vertreter von Basisgruppen der Vereinigten Linken aus allen Teilen der Republik berieten am Wochenende in Dresden über die Rolle der Linken im künftigen Deutschland. Möglichkeiten, Ziele der Linken zu verwirklichen, wurden insbesondere in der außerparlamentarischen Arbeit dem Zusammenwirken mit sozialen Bewegungen und der Entwicklung alternativer Projekte gesehen. Dazu werden künftig überregionale Arbeitsgruppen gebildet.
(Neues Deutschland, Mo. 18.06.1990)

Auf seinem ersten Landesparteitag konstituierte sich am Sonntag der PDS-Landesverband Brandenburg. In der mehrstündigen Diskussion wurden vor allem Fragen der Erneuerung der Partei erörtert. Ziel für die nächsten Monate ist es, die PDS als wichtige linke Kraft in Brandenburg zu etablieren und eine starke Landtagsfraktion zu erreichen. Vorsitzender des Landesverbandes wurde Heinz Vietze.
(Neues Deutschland, Mo. 18.06.1990)

In den Mittagsstunden des gestrigen Sonntags kam es am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus zu einem Vorfall, den zahlreiche Berliner und Gäste der DDR-Hauptstadt mit Empörung zur Kenntnis nahmen: Eine Abordnung des Landesverbandes der in der DDR verbotenen "Republikaner" legte in aller Öffentlichkeit einen Kranz nieder. Die Volkspolizei, die nach verschiedenen Aussagen von dem Vorhaben informiert war, hatte bewusst nicht eingegriffen. Soldaten des NVA-Wachregimentes weigerten sich daraufhin, weiter ihren Dienst als Ehrenposten zu versehen. Wie der Stadtkommandant dem ND mitteilte, werden die Posten nicht wieder aufziehen, solange sich der Kranz im Mahnmal befindet. Er werde sich am heutigen Montagmorgen selbst davon überzeugen, welche Maßnahmen von den. Verantwortlichen des Berliner Magistrats getroffen worden sind.
(Neues Deutschland, Mo. 18.06.1990)

Die Ehrenwache vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden ist am Montagmorgen wieder aufgezogen. Die Soldaten hatten am Sonntag aus Protest gegen eine Kranzniederlegung des Westberliner Landesverbandes der Republikaner an dieser Erinnerungsstätte ihre Posten verlassen. Der Ostberliner Stadtkommandant hat das Verhalten der Wachposten und des Wachhabenden ausdrücklich gebilligt. Mit der Entfernung des Kranzes, dessen Schleifen die Inschrift "Den Opfern des Stalinismus" und "Landesverband der Republikaner Berlin" trugen, hat der Magistrat als Rechtsträger für dieses Objekt in der Nacht zum Montag die Bedingung der Stadtkommandantur erfüllt. Für die Ostberliner Polizei habe es keinen Grund gegeben, eine Kranzniederlegung der Republikaner am Mahnmal Unter den Linden zu verhindern, erklärte die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums, Hauptkommissar Cornelia-Petra Bellin. Als eine "politische Geschmacklosigkeit" hat der Pressesprecher des Referats Inneres des Magistrats, Thorsten Schilling, die Kranzniederlegung bezeichnet. Es sei jedoch kein rechtliches Vergehen, erklärte er.
(Berliner Zeitung, Di. 19.06.1990)

Über 200 NPD-Anhänger - zumeist aus der BRD - versuchten am Sonntagvormittag in Eisenach, die Abschlussveranstaltung der Deutschen Burschenschaften zum Tag der deutschen Einheit für eigene Zwecke zu missbrauchen. Die bereits von bundesdeutschen Kollegen vorgewarnte Polizei sicherte Rathaus und Markt mit verstärkten Kräften und Hundestaffeln und versperrte den NPD-Demonstranten den Weg. Das Polizeiaufgebot veranlasste die Neonazis, nach vergeblichen Versuchen ihr Vorhaben aufzugeben.
(Neues Deutschland, Mo. 18.06.1990)

Die Vorstände der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (BRD) und der Gesellschaft zur Geschwulstbekämpfung (DDR) wollen ab sofort gemeinsame Beschlüsse fassen. Das erklärte am Sonntag zum Abschluss des 1. Deutschen Ärztekongresses im Deutschen Hygiene-Museum Dresden Prof. Dr. Gerhard Nagel, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Künftig könne jedes Mitglied der DDR-Vereinigung auch Mitglied der bundesdeutschen Krebsgesellschaft werden und umgekehrt. Auf diese Weise sollten in Kürze beide Organisationen zusammengeführt werden. Demnächst wollten beide Krebsgesellschaften Wissenschaftler, technisches Personal und Fürsorger austauschen.
(Neues Deutschland, Mo. 18.06.1990)

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