DDR 1989/90Brandenburger Tor


Do. 07. Juni 1990


Nichts geht mehr! hieß es am vergangenen Donnerstag auf der Fernverkehrsstraße F 1 zwischen Potsdam und Berlin. Der Grund: Gewerkschafter des Industriegebietes Teltow- Stahnsdorf-Kleinmachnow hatten mit Fahrzeugen die Straße blockiert. Aus Protest gegen die zu befürchtende Entlassung von 4 000 bis 5 000 Beschäftigten des Geräte- und Reglerwerkes Teltow, des "Carl von Ossietzky"-Werkes und Mikroelektronik Stahnsdorf. Forderungen, die sie, ergänzt durch eigene Vorstellungen und Vorschläge, schon vor Wochen der Regierung übermittelt hatten, blieben bis dahin ohne Echo.
(Neues Deutschland, Mo. 11.06.1990)

Die in der BRD steckbrieflich gesuchte mutmaßliche RAF-Terroristin Susanne Albrecht ist am Donnerstagmorgen in der DDR verhaftet und in ein Ostberliner Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Das Bundeskriminalamt prüfe zur Stunde die bilateralen Rechtsprobleme dieses Falles, teilte die Illustrierte "Quick" in München mit. Susanne Albrecht wird vorgeworfen, sich im Juli 1977 an dem RAF-Mordanschlag gegen den Frankfurter Bankier Jürgen Ponto beteiligt zu haben.
(Neues Deutschland, Fr. 08.06.1990)

DDR-Bürger brauchen vom heutigen Donnerstag an für Reisen nach Großbritannien kein Einreisevisum mehr, gab das Londoner Innenministerium bekannt und bezog sich dabei auf entsprechende EG-Beschlüsse.
(Neues Deutschland, Do. 07.06.1990)

In einem Schreiben des Ministerpräsidenten der Sowjetunion, Nikolai Ryshkow, bringt dieser die Erwartung zum Ausdruck, dass der Umtausch der bei sowjetischen Bürgern vorhandenen Geldmittel in Mark der DDR zu Bedingungen erfolgt wird, die nicht schlechter sind als für Bürger der DDR.

Die sowjetische Regierung ist der Auffassung, dass für das zweite Halbjahr 1990 zu den ehemaligen Bedingungen die Ordnung für die Konvertierung trasferabler Rubel in die auf dem Territorium der DDR geltende Geldeinheit beibehalten werden muss, da auf Bitte der DDR vorgesehen war, die Verrechnungen der kommerziellen Beziehungen bis zum Jahresende in transferablen Rubeln durchzuführen.

Sonst werde ab dem 01.07.1990 zu Verrechnungen in frei konvertierbarer Währung zu laufenden Weltmarktpreisen für den gesamten Komplex der handesökonomischen Beziehungen überzugehen.

In dem Antwortschreiben vom 15.06. führt Lothar de Maizière aus: "Ihr Vorschlag, die Ordnung der Umwandlung von transferablen Rubeln in die ab 01. Juli 1990 auf den Territorium der DDR geltende Währung wie auch in sowjetische Rubel zu den gegenwärtig geltenden Bedingungen bis zum Jahresende beizubehalten, ist schwerlich realisierbar.

Die fortgesetzte Praktizierung der bestehenden Modalitäten der Geldschöpfung in transferablen Rubeln sowie der unzureichenden Geldregulierung der an den Verrechnungen zwischen unseren Ländern beteiligten Institutionen würde die Stabilität der auf dem Territorium der DDR einzuführenden Währung ernsthaft gefährden."

Er bittet erst ab dem 01.01.1991 denn Handel auf eine konvertierbare Währung zu Weltmarktbedingungen umzustellen.

"Hinsichtlich der vorgesehenen Modalitäten der Währungsumstellung möchte ich betonen, dass die Guthaben sowjetischer Bürger in Mark der DDR ausgehend von ihrem in der DDR eingenommenen Status umgetauscht werden. Damit werden die Geldmittel einer bedeutenden Zahl von Bürgern der UdSSR analog wie die von Bürgern der DDR umgestellt. Für alle anderen sich auf dem Territorium der DDR aufhaltenden Bürger wird faktisch ein Umstellungsverhältnis von 2:1 zur Anwendung kommen."