Mo. 11. Juni 1990


Rund 160 sowjetische Juden befinden sich derzeit im "Zentralen Aufnahmeheim" in Berlin-Ahrensfelde. Bis vorige Woche waren in dem ehemaligen Stasi-Objekt noch rumänische Flüchtlinge einquartiert, die dann verlegt wurden. Als Ursache für den Entschluss vieler Juden zur Auswanderung nennt ein junges Ehepaar aus der West-Ukraine neben der desolaten wirtschaftlichen Lage den "neuen, auch antisemitisch auftretenden Nationalismus seiner Landsleute". Die DDR-Regierung und die Jüdische Gemeinde in Ost-Berlin haben vereinbart, sich gemeinsam um die Juden aus Odessa, Riga oder Kiew zu kümmern.
(Berliner Zeitung, Mo. 11.06.1990)

In der vergangenen Woche wechselten 1 447 DDR-Bürger in die Bundesrepublik. Nach Angaben des Bonner Innenministeriums vom Montag sei dies die niedrigste Übersiedlerzahl seit der Volkskammerwahl am 18. März.
(Neues Deutschland, Di. 12.06.1990)

Die BRD und die UdSSR sind sich in der Frage der künftigen militärpolitischen Einbindung des vereinigten Deutschlands offensichtlich nähergekommen.

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und sein sowjetischer Amtskollege Eduard Schewardnadse, die am Montag in Brest fast sieben Stunden in Vorbereitung der nächsten „Zwei-plus-vier"-Ministerrunde am 22. Juni in Berlin konferierten, halten übereinstimmend eine Abstimmung zwischen NATO und Warschauer Vertrag für möglich. Das würde - wie Schewardnadse erläuterte - dann eine größere Freiheit bieten, um einen Kompromiss in der Frage der militärpolitischen Struktur Deutschlands zu erreichen. Wie er auf einer abschließenden Pressekonferenz unter Zustimmung seines Gastes erklärte, müsse ein vereintes Deutschland zu einem Faktor des Friedens und der Stabilität in Europa werden. Auf dem bilateralen Treffen, das in wenigen Tagen wahrscheinlich in Bonn seine Fortsetzung findet, wurden neben den vier äußeren Aspekten der deutschen Einigung auch die künftigen Beziehungen der Sowjetunion zu Deutschland erörtert. Beide Minister bezeichneten ihre Gespräche als nützlich, seht ernsthaft und vertrauensvoll.
(Neues Deutschland, Di. 12.06.1990)

Pariser COCOM-Tagung strich die Verbotsliste von bisher 116 Positionen auf gut ein Drittel zusammen. Es bleibt aber bei der Embargopolitik gegenüber der UdSSR.
(Berliner Zeitung, Di. 12.06.1990)

Δ nach oben