DDR 1989/90Brandenburger Tor

09.06. Sonderparteitag der SPD in Halle

09.-10.06. Gründungskongress der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr der DDR

17.06. Das Treuhandgesetz wird verabschiedet

18.06. Bergarbeitergewerkschaften der DDR und der BRD eine Gewerkschaft

22.06. 2. Runde der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen auf Außenministerebene in Berlin

22.-24.06. 4. Vertreterkonferenz von Demokratie Jetzt

25.06. Der Parteivorstand der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands schlägt den Beitritt zur CDU vor

30.06. 2. Parteitag der Deutschen Sozialen Union

30.06. Der Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (1. Staatsvertrag), einschließlich des Gemeinsamen Protokolls, der Anlagen I bis IX und der bei der Unterzeichnung des Vertrages abgegebenen Protokollerklärungen, tritt in Kraft.


So. 10. Juni 1990


Auf dem Gründungskongress der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) der DDR in Magdeburg wurde am Sonntag der 42jährige Rettungswagenfahrer aus der Elbestadt Robert Knauth zum Vorsitzenden gewählt. Er wird die Gewerkschaft mit dem Vorstand bis zum vorgesehenen Zusammenschluss mit der BRD-ÖTV leiten.

An zwei Tagen hatten die 127 Delegierten ein Aktionsprogramm diskutiert und angenommen. Bereits am Sonnabend war von den Delegierten aus ÖTV-Initiativen aller Bezirke eine Satzung verabschiedet worden. Die ÖTV in der DDR, der Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, des Transport- und Verkehrswesens, der Energie- und Wasserversorgung, des Gesundheits- und Sozialwesens, der Sparkassen sowie der wissenschaftlichen Einrichtungen beitreten können, hält eine starke und einheitliche Interessenvertretung in ganz Deutschland für unabdingbar.

Ein Zusammenschluss mit der ÖTV in der BRD solle bis zum 1. November 1990 erfolgen, hatte die Vorsitzende der ÖTV der BRD, Monika Wulf-Mathies, erklärt. Sie verwies in einer Rede darauf, dass der Ausbau öffentlicher Dienste und Einrichtungen ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung von Beschäftigung in der DDR sei.
(Neues Deutschland, Mo. 11.06.1990)

"Das Leben hat uns geprüft und nicht zu leicht befunden." Diese Einschätzung der PDS im Norden der Republik griff Ehrenvorsitzender Hans Modrow am Sonntag beim 1. Landesparteitag Mecklenburg-Vorpommern in Rostock auf. Mit der Entscheidung für die PDS, die als drittstärkste Partei aus den Wahlen hervorging, hätten Tausende und aber Tausende Bürger Anliegen und Gewicht der Partei verstanden.

Energisch wandten sich die Parteitagsdelegierten gegen Berufsverbot und Ausgrenzungstaktiken - 15 Rostocker Pädagogen erhielten allein am 31. Mai die Kündigung. Es wurde eine landesweite Kasse Roter Hilfe vorgeschlagen.
(Neues Deutschland, Mo. 11.06.1990)

In Borkheide (Kreis Beizig) ist am Wochenende der Bund Deutscher Senioren in der DDR gegründet worden. Der Bund will sich vor allem für "höhere und gerechtere Renten" nach der deutsch-deutschen Währungsunion und die Einstellung von überhöhten Rentenzahlungen an die ehemaligen Offiziere des aufgelösten Staatssicherheitsdienstes einsetzen.
(Neue Zeit, Mo. 11.06.1990)

Ein "Caritasverband für den Ostteil des Bistums Berlin e. V." ist am Wochenende von Priestern, Ordensleuten und Laien gegründet worden. Dem von ihnen verabschiedeten Statut zufolge will der Verband die Entwicklungen auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, insbesondere der Sozialhilfe, Jugendhilfe, Familienhilfe und Gesundheitshilfe, anregen und mittragen. Wie es in einer Presseinformation der katholischen Kirche heißt, habe mit der Gründung als Verband die Caritas im Ostteil des Bistums ihren Status der Rechtsfähigkeit und Gemeinnützigkeit zurückerhalten, der ihr seit 1961 verwehrt wurde.
(Neues Deutschland, Di. 12.06.1990)

Für eine deutsch-polnische Wirtschaftszone an der Oder-Neiße-Grenze im Rahmen einer neuen europäischen Dimension der deutschen Einigung hat sich DDR-Finanzminister Walter Romberg ausgesprochen. Ein solcher Schritt läge im Interesse der DDR. Da die "sensible Grenze" mit einem "starken Wirtschafts- und Sozialgefälle" verbunden sein werde, solle man sie durch deutsch-polnische Wirtschaftskooperation in eine "europäische Wirtschaftszone" verwandeln. Das dazu benötigte Geld könnte auch aus Frankreich kommen, das bereits grundsätzliche Bereitschaft signalisiert habe. In der Wirtschaftszone müsste gleichzeitig eine "kulturelle Vielfalt" geschaffen werden, schlug Romberg vor.
(Berliner Zeitung, Mo. 11.06.1990)