DDR 1989/90Brandenburger Tor

09.06. Sonderparteitag der SPD in Halle

09.-10.06. Gründungskongress der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr der DDR

17.06. Das Treuhandgesetz wird verabschiedet

18.06. Bergarbeitergewerkschaften der DDR und der BRD eine Gewerkschaft

22.06. 2. Runde der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen auf Außenministerebene in Berlin

22.-24.06. 4. Vertreterkonferenz von Demokratie Jetzt

25.06. Der Parteivorstand der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands schlägt den Beitritt zur CDU vor

30.06. 2. Parteitag der Deutschen Sozialen Union

30.06. Der Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (1. Staatsvertrag), einschließlich des Gemeinsamen Protokolls, der Anlagen I bis IX und der bei der Unterzeichnung des Vertrages abgegebenen Protokollerklärungen, tritt in Kraft.


Sa. 02. Juni 1990


Karl-Marx-Stadt heißt wieder offiziell Chemnitz. Für eine Übergangszeit von einem Jahr können noch beide Namen verwendet werden. Der Beschluss wurde von der neuen Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von 65 der 76 anwesenden Abgeordneten am Wochenende gefasst. Den Antrag auf Umbenennung hatte die Koalition von CDU/DA, SPD, DSU und Liberalen/Behindertenverband eingebracht.

Der Beschluss beruft sich auf die neue Kommunalverfassung der DDR, wonach die Kommunen nach vorausgegangener Bürgerbefragung eigenverantwortlich über eine Namensänderung entscheiden können. Mitte April hatte ein Bürgerentscheid stattgefunden, bei dem sich drei Viertel der teilnehmenden Einwohner für die Rückbenennung aussprachen.

Der Name Chemnitz kommt vom slawischen "Kaminizi" und' deutet auf eine frühe Besiedlung hin. Im Jahre 1127 war auf dem Schlossberg ein Kloster gegründet worden. Um 1165 erfolgte die Stadtanlage.
(Neue Zeit, Di. 05.06.1990)

So nahe beieinander wie an diesem Pfingstsonnabend im Berliner Lustgarten waren Linke verschiedener Parteien und Bewegungen in der DDR lange nicht. Die PDS hatte Mitglieder und Sympathisanten, Demokraten in Ost und West aufgerufen zu einer Protestkundgebung gegen die drohende Enteignung und Liquidierung sowie das Verbot der Partei. Viele Zehntausende waren gekommen, empört über die handstreichartigen, undemokratischen Beschlüsse der Volkskammermehrheit zu den Parteivermögen.

Wer auch das Wort nahm, wie sehr sich auch die Meinungen in bestimmten Fragen unterschieden, eins machten alle Redner deutlich: Gegen die erneute Zerstückelung der Demokratie in Deutschland werden sich Linke gemeinsam zur Wehr setzen. Allein ein Blick in die Rednerliste spricht Bände: die Schriftsteller Stephan Hermlin, Helga Königsdorf und Jürgen Rennert, FDJ-Vorsitzende Birgit Schröder, Liedermacher Reinhold Ändert, Schauspieler Ekkehard Schall, namhafte Vertreter des Neuen der Vereinigten Linken, der Grünen Partei in der DDR, der KPD (DDR), der Spartakist-Arbeiterpartei ergriffen das Wort. Grüße der Solidarität überbrachten Demokraten aus der BRD, aus Westberlin, aus der ČSFR und aus den Niederlanden. PDS-Vorsitzender Gregor Gysi beschrieb den Grund des Protestes so: Die PDS sei natürlich für die Offenlegung der Vermögen und dafür, dass sich Parteien von unrechtmäßig Erworbenem trennen, das war ja eines der Ziele der Erneuerung. Aber: "Es ist wohl ein einmaliger und mit dem Grundgesetz der BRD und der Verfassung der DDR völlig unvereinbarer Vorgang, dass die Regierung alleine entscheidet, welche finanziellen Mittel eine Partei einsetzen darf und welche nicht", sagte er. Es sei besorgniserregend, wenn man versucht, einer sich demokratisch Partei so undemokratisch wie möglich zu begegnen. "Das ist es aber genau, was mit dem Herbst 1989 ein für allemal in diesem Land beseitigt werden sollte." Jetzt seien die Ziele dieses Herbstes in Gefahr.

"Es geht nicht nur um uns, es geht um demokratische Chancen für das geeinte Deutschland. Es geht darum, wie sich dieses Deutschland in Europa einordnen wird: bescheiden und gleichberechtigt oder großmachtsherrlich und expansionistisch. Letzteres dürfen wir nicht zulassen!" forderte Gysi. "Niemand in Europa, und schon gar nicht die Deutschen, hat das Recht, mit dem Feuer zu spielen!"
(Neues Deutschland, Di. 05.06.1990)

Über besorgte Anfragen von Verfolgten des Naziregimes informierte der Sprecherrat des Jüdischen Kulturvereins Berlin e. V. am Sonnabend in einer Pressemitteilung. Es nehme die Ungewissheit darüber zu, ob die Ehrenpensionen weitergezahlt werden. PDS-Chef Gregor Gysi bezeichnete es am selben Tag als "ungeheuerlich", würde sich bestätigen, dass die Rente für die Kämpfer gegen den Faschismus gestrichen werden soll.
(Berliner Zeitung, Di. 05.06.1990)

Die italienische Fluggesellschaft ist im Berlin-Geschäft: Rechtzeitig vor der deutsch-deutschen Währungsunion und dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in zwölf italienischen Städten eröffnete Alitalia am Wochenende den Linienverkehr von Berlin-Schönefeld nach Mailand und Rom. Alitalia fliegt mit DC 9 Berlin-Mailand Mittwoch und Sonnabend 12.15 Uhr, Berlin-Rom ebenfalls mittwochs und sonnabends um 17.35 Uhr.
(Neues Deutschland, Di. 05.06.1990)

DDR-Handelstouristen haben am Sonnabend zum wiederholten Male die polnische Stadt Szczecin heimgesucht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP nutzten viele DDR-Bürger den in Erwartung der Währungsunion hochgeschnellten Kurs der DDR-Mark zum Zloty, um günstig Zahlungsmittel zu erwerben und in der grenznahen Stadt einzukaufen. Die Palette reiche von Brot über Frischobst und -gemüse bis zu Konfektion. Besonders begehrt seien Waren, die durch polnische oder DDR-Händler aus Westberlin ins Land gebracht wurden. Neuester Schlager sind laut PAP alte "Trabant"- und "Wartburg"-Modelle, die zur Ersatzteilgewinnung angeboten werden.
(Berliner Zeitung, Di. 05.06.1990)

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