DDR 1989/90Brandenburger Tor

09.06. Sonderparteitag der SPD in Halle

09.-10.06. Gründungskongress der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr der DDR

17.06. Das Treuhandgesetz wird verabschiedet

18.06. Bergarbeitergewerkschaften der DDR und der BRD eine Gewerkschaft

22.06. 2. Runde der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen auf Außenministerebene in Berlin

22.-24.06. 4. Vertreterkonferenz von Demokratie Jetzt

25.06. Der Parteivorstand der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands schlägt den Beitritt zur CDU vor

30.06. 2. Parteitag der Deutschen Sozialen Union

30.06. Der Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (1. Staatsvertrag), einschließlich des Gemeinsamen Protokolls, der Anlagen I bis IX und der bei der Unterzeichnung des Vertrages abgegebenen Protokollerklärungen, tritt in Kraft.


Di. 05. Juni 1990


Brote wurden am Dienstagvormittag für die Futterküche des VEG Tierproduktion in Berlin-Buchholz zusammengeschoben. Die neun Tonnen wertvolle Fracht stammt aus dem Berliner Backwarenkombinat (bako). Von dort hatte man am Sonnabendvormittag den Stadtwirtschaftsbetrieb von Berlin-Mitte angerufen, um das Brot abzuholen. Die damit beauftragten Männer glaubten, es handele sich um Altbackenes. Was auf ihr Fahrzeug geladen wurde - war ofenfrisch.

Der Kraftfahrer Michael Kreuzaner hatte wie andere vor Pfingsten in seiner Kaufhalle in Marzahn kein Brot mehr bekommen. "Was hier geschieht, ist unverantwortlich", war sein Kommentar. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte uns Frank Beutelspacher, Abteilungsleiter im VEG. Auch seine Kollegen waren empört über das, was vor dem Futterhaus abgekippt wurde.

Das Brot war vom Handel bestellt und wurde nicht abgenommen, was sollten wir anderes tun, antwortete Christian Müller, amtierender Direktor für Absatz bei bako. Wie kann man sich gegen Überproduktion schützen? Der Direktor hat da wenig Hoffnung. Bis zum 30. 6. seien zwei Handelsspannen für den Einzelhandel gültig: 20 Prozent betrage sie für Erzeugnisse aus der BRD und nur 7 bis 14 Prozent für landeseigene. Eine Ungereimtheit die Brot in den Schweinetrog befördert.
(Neues Deutschland, Mi. 06.06.1990)

Suhl (ND-Oberländer). "So nicht, Frau Minister Schubert" - "Wir wollen, dass die demokratischen Rechte nicht mit Füßen getreten werden", das war auf Plakaten zu lesen, die Jugendliche bei ihrer Protestaktion gegen den FDJ-Enteignungsfeldzug am Dienstag am Rathauseingang von Suhl bei sich führten. In einem Brief forderten sie u.  a. eine transparentere Politik des Ministeriums für Jugend und Sport, die auf Interessenausgleich und nicht auf Konfrontation gerichtet ist.

Halle (ND-Brockhaus). Auch, die halleschen Rathausstufen waren am Dienstag gefragt. Neben Müllbergen, die dort aufgetürmt waren, um auf die prekäre SERO-Lage aufmerksam zu machen, protestierten Mitglieder der FDJ gegen die Beschlüsse des Ministeriums. "Wir müssen uns gemeinsam wehren", sagte Henry Leuschner, ein 25jähriger Christ, Kellner in Merseburg. Dass wir hier sitzen, soll ein Zeichen sein, dass wir nicht stillhalten werden.

Gera (ND-Albig). "Wir sind gegen die Verfahrensweise, eine Stiftung per Anordnung zu gründen. Wir denken, dass künftig fachliche Kompetenz und nicht Zugehörigkeit zu politischen Vereinigungen darüber entscheiden sollte, wer im Interesse der Jugend tätig wird", forderten die Teilnehmer der Kundgebung auf dem Marktplatz der Bezirksstadt.

Cottbus (ND-Krönert). Gegen die von der Ministerin Schubert verlautbarte Zunahme des Linksradikalismus - als zu einseitige Sicht - wandten sich die Teilnehmer der Cottbuser Protestkundgebung in einem Brief an die Volkskammerabgeordneten. Auf Grund der sachlich guten Zusammenarbeit mit dem Cottbuser OB nahmen sie von weiteren Protestaktionen vorerst Abstand. Briefe wurden ebenfalls in Erfurt und Frankfurt an die Oberbürgermeister übergeben. Darin wurde der Rücktritt der Ministerin gefordert.
(Neues Deutschland, Mi. 06.06.1990)

Eine Gruppe von Türken wartet am Grenzkontrollpunkt Zinnwald auf ihre Rückweisung in die ČSFR. Jeden Tag verweigern DDR-Grenzer Hunderten Türken, Rumänen, Syrern und Libanesen die Einreise in die DDR, aber auch die Durchreise gen BRD und Skandinavien.
(Berliner Zeitung, Di. 05.06.1990)

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