Do. 17. Mai 1990


Die Volkssolidarität will auch unter marktwirtschaftlichen Bedingungen weiter bestehen. Darüber informierte Liane Henze, Mitglied des Arbeitssekretariats beim Zentralausschuss der Volkssolidarität, am Donnerstag. Diese Klubs sollen zu Sozialstationen ausgebaut werden, die über Essenversorgung und kulturelle Veranstaltungen hinaus älteren Bürgern Dienstleistungen vermitteln können. Mahlzeitendienste der Volkssolidarität, wie sie bisher von ca. 210 000 Rentnern in Anspruch genommen wurden, stünden in Zukunft jedem älteren oder behinderten Bürger zur Verfügung. Bisher hatte der Rentner entweder unentgeltlich oder für 70 Pfennig eine Mittagsmahlzeit erhalten, die Kosten habe der Staat übernommen. Da sich die Volkssolidarität inzwischen weitgehend selbst zu tragen habe, sei dieser Preis allerdings nicht mehr zu halten.
(Berliner Zeitung, Fr. 18.05.1990)

Eine "Gesellschaft der Freunde Bulgariens" wurde jetzt in Berlin gegründet.
(Berliner Zeitung, Fr. 18.05.1990)

Bei einem Gespräch zwischen dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Kohl, und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, George Bush, erklärte sich Kohl bereit einen Kredit an die Sowjetunion in Höhe von 5 Milliarden D-Mark zu verbürgen. Für Kohl sei klar und das habe er in Moskau deutlich gemacht, "dass dieses Angebot Teil des Gesamtpaketes zur Lösung der deutschen Frage sei".

Bush erklärte, "dass er angesichts der Ereignisse in Litauen große Probleme habe, Gorbatschow wirtschaftlich und finanziell zu unterstützen". Kohl meinte, "die Litauer hätten seine Sympathie, aber sie dürfen nicht die Politik des Westens bestimmen. Bush stimmt zu, dass Litauen nicht zum Stolperstein werden dürfe".
(Horst Teltschick, 329 Tage)

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