Mo. 29. Januar 1990


10. Sitzung des Zentralen Runden Tisch in Berlin. Link zu Berichten über die Sitzung.

15. Sitzung der Volkskammer in Berlin. Link zu Berichten über die Sitzung.

Erneut sind in Leipzig rund 100 000 Messestädter zur traditionellen Montagsdemonstration auf dem Karl-Marx-Platz zusammengekommen.

"Keiner wählt die SED" und "Deutschland einig Vaterland" waren die bestimmenden Akzente in Sprechchören sowie auf Transparenten. Eine einmütige Absage gab es auf der Kundgebung an jeglichen Rechts- und Linksradikalismus.

Zur Berliner Montagsdemo kamen mehrere hundert Menschen auf den Alex. Auf Plakaten wurde von der SED-PDS gefordert, alle Machtpositionen aufzugeben Einige Bürger fanden sich in der Nähe zu einer Gegendemonstration zusammen, um ihrer Meinung gegen die Bestrebungen nach Wiedervereinigung Ausdruck zu verleihen.

In Plauen nahmen Zehntausende an einer LDPD-Kundgebung teil, auf der der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Mischnick, sprach. Die Volkskammerwahl, sagte er, sei eine reale Chance, um den Sozialismus endgültig abzuwählen.
(Berliner Zeitung, Di. 30.01.1990)

Leipzig. "Keiner wählt die SED" und "Deutschland einig Vaterland" waren bei der Leipziger Montagsdemonstration die bestimmenden Akzente in Sprechchören sowie auf Transparenten. Schwarz-rot-goldene Fahnen verliehen auf dem Karl-Marx-Platz der Forderung Nachdruck, die beiden deutschen Staaten so bald wie möglich zu vereinigen. Auf der Kundgebung mit rund 100 000 Teilnehmern wurde die deutliche Distanzierung von jeglichem Rechts- und Linksradikalismus bekundet.

Karl-Marx-Stadt. Schwarz-rot-goldene und weiß-grüne Fahnen beherrschten am Montag das Bild der Kundgebung in Karl-Marx-Stadt, der sich eine Demonstration durch die Innenstadt anschloß. Daran nahmen nach Angaben des Veranstalters, der Demokratischen Oppositionellen Plattform, etwa 85 000 Bürger aus der Bezirksstadt und Umgebung teil. Zahlreiche von ihnen mitgeführte Transparente und Plakate trugen die Aufschrift "Wählt die SED nie mehr, sonst ist Sachsen menschenleer" oder "Wer die SED wählt, wählt die Massenflucht".

Dresden. Fast 100 000 Menschen haben sich in Dresden an der Montagabend-Demonstration beteiligt. Zwei Forderungen wurden auf Transparenten und in Sprechchören tausendfach gestellt: ein vereinigtes Deutschland sowie die Achtung der SED-PDS und des ehemaligen SED-Machtapparates, deren Machenschaften mit denen des Nationalsozialismus verglichen wurden.

Auch in Halle, Schwerin, Cottbus, Neubrandenburg, Potsdam und Magdeburg forderten Tausende ein geeintes Deutschland.
(Neue Zeit, Mi. 31.01.1990)

Zur ersten Berliner Montagsdemo dieses Jahres - die bereits vor einer Woche geplante Kundgebung war wegen technischer Störungen ausgefallen - haben sich mehrere hundert Berliner auf dem Alexanderplatz versammelt. Zu Beginn der Kundgebung appellierte ein Sprecher des veranstaltenden Bürgerkomitees "Berliner Montagsdemo", keine Provokationen zuzulassen. Redner verschiedener Parteien und Bewegungen informierten Ober Ziele und Programme ihrer Organisationen. Auf Plakaten wurde von der SED/PDS gefordert, alle Machtpositionen aufzugeben.

Einige Bürger fanden sich unweit zu einer Gegendemonstration zusammen, um ihrer Meinung gegen die Bestrebungen nach Wiedervereinigung zu verleihen.
(Neues Deutschland, Di. 30.01.1990)

Demonstrationen finden in Berlin, Cottbus (Choésebuz), Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Magdeburg statt.

Jugend in die Volkskammer. 29.01.1990 Berlin Lustgarten

(Junge Welt 23.01.1990)

Der Verband Mecklenburger Kaufleute wird in Rostock gegründet.

Ein Aufruf zur Gründung einer Partei CDU/CSU mit Datum vom 29.01. erscheint.

In Brüssel verhandelt eine DDR-Delegation mit der Kommission der Europäischen Gemeinschaft über ein Handels- und Kooperationsabkommen.

Als Reaktion auf das Vorziehen der Volkskammerwahl einen Tag zuvor, auf den 18.03., sagt Bundeskanzler Kohl seine geplante Reise nach Chile und Brasilien ab. Im Fokus steht jetzt die Bildung eines der Bundes-CDU nahestehendes Wahlbündnisses. Damit verbunden ist der Entschluss Wahlkampfveranstaltungen mit Kohl in der DDR durchzuführen. Auch Oskar Lafontaine (SPD) kündigt Wahlkampfauftritte in der DDR an.

Der Ministerialrat im Bundesfinanzministerium, Thilo Sarrazin, legt das Papier, "Gedanken zu einer unverzüglichen Einbeziehung der DDR in den D-Mark-Währungsraum", vor.

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