DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 7. Januar 1990


Mit der Bitte, die Empfangsmöglichkeiten für die BRD-Fernsehprogramme ARD 1 und ZDF auf dem Territorium der DDR zu erweitern, haben sich zahlreiche Bürger an den Minister für Post- und Fernmeldewesen gewandt. Dazu äußerte sich Minister Dr. Klaus Wolf in einer ADN übergebenen Erklärung. Dieses Problem sei auch Gegenstand des Gesprächs mit Bundespostminister Schwarz-Schilling am 12. Dezember 1989 in Berlin gewesen, heißt es darin. Im Interesse der optimalen Nutzung der Medienfreiheit für die Bevölkerung beider Staaten wurde vereinbart, eine gemeinsame Expertengruppe zu bilden, deren Auftrag es ist, technische Lösungsvorschläge dafür zu erarbeiten, die Fernsehprogramme der DDR als auch die der BRD in beiden deutschen Staaten qualitätsgerecht zu empfangen.
(Berliner Zeitung, Mo. 08.01.1990)

In mehreren Städten der DDR kam es am Wochenende erneut zu neonazistischen und rechtsradikalen Schmierereien und Drohungen. Wie die Pressestelle des Ministeriums für Innere Angelegenheiten mitteilt, wurden in Frankfurt (Oder) in einem Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn Hakenkreuze und entsprechende Inschriften festgestellt. In einem Berliner S-Bahn-Wagen brachten unbekannte Täter auf einer 1 Meter mal 1,50 Meter großen Fläche die Schriften "Türken raus", "Russen raus", "REPs kommen" sowie Hakenkreuze an. In einem Haus in Bautzen angebrachte Aufrufe forderten auf, alle Roten aufzuhängen und den REPs beizutreten. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
(Berliner Zeitung, Di. 09.01.1990)

Ein von jungen Wissenschaftlerinnen aus Forschungs- und Lehreinrichtungen sowie aus der Industrie initiierter Verband demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (VdWi) der DDR ist in Leipzig ins Leben gerufen worden.
(Berliner Zeitung, Mo. 08.01.1990)

Zu einer Menschenkette wird zwischen 14.30 und 14.45 Uhr aufgerufen. In dem Aufruf heißt es: "Die Bürgerinitiativen des Eichsfelds haben zur Bildung einer Menschenkette von Hessen (Witzenhausen) durch das Eichsfeld nach Niedersachsen (Duderstadt) aufgerufen.

'Wir wollen Zeichen setzen' - diese Kette soll unseren festen Willen dokumentieren, dass wir für weitere Veränderungen auf friedlicher Basis diesseits der Grenze eintreten und unsere Zukunft nur zusammen mit unseren wiedergewonnen Nachbarn sehen. Deshalb sollten sich möglichst alle Bürger guten Willens, auch aus den angrenzenden Regionen Hessens und Niedersachsens, daran beteiligen."

Auf der Landesdelegiertenkonferenz des Neuen Forum im Kulturhaus "Adolf Frank" in Leipzig, wird am zweiten Tag von Delegierten aus Dresden die Frage zur Einheit der beiden deutschen Staaten aufgeworfen. Es sollte die Möglichkeit eines Weges zur Einheit ausgelotet werden.

Auf dem Treffen zur Vorbereitung der Gründung der Deutschen Forumpartei in Karl-Marx-Stadt wird die Erarbeitung eines Programms und Statut beschlossen.

Die SDP im Bezirk Cottbus hält in Finsterwalde eine Bezirksdelegiertenversammlung ab.

Standesgemäß zum ersten Aktions- und Informationstag der Grünen Liga in Berlin im Haus der Jungen Talente, findet eine Fahrraddemo statt.

In Neubrandenburg ruft die SED-PDS zu einer Demonstration auf.

Der erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Henning Voscherau, trifft an der Spitze einer Delegation aus der Hansestadt zu Gesprächen in Dresden ein. Dresden und Hamburg verbindet seit 1987 eine Städtepartnerschaft.

In Eisenach bildet die NDPD ihren Landesverband Thüringen.

Der Botschafter der Sowjetunion, Julij A. Kwizinskij, fragt bei der Bundesregierung nach, ob die BRD bereit sei durch Lieferungen den herrschen Engpass von Lebensmitteln in der UdSSR zu überwinden helfe.

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