Di. 23. Januar 1990


Leipzig. Mit einem Warnstreik machten Mitglieder der Leipziger Taxi-Genossenschaft am Dienstagmorgen auf Kalamitäten ihrer Branche aufmerksam. Sie gaben ihrer Forderung nach zeitgemäßer Pkw- und Funktechnik Ausdruck.

Dresden. In einen zweistündigen Warnstreik trat die Belegschaft des Dresdner Cosid-Kautasit-Werkes 4. Die Arbeiter und Angestellten forderten u.a. die Beseitigung "der mittelalterlichen Arbeitsbedingungen in ihrem Betrieb".

Ueckermünde. Für drei Stunden legten Mitarbeiter des Bezirksfachkrankenhauses für Neurologie und Psychiatrie Ueckermünde die Arbeit nieder, machten auf die Misere in ihrer Einrichtung aufmerksam. Eine Notversorgung war gesichert.

Quedlinburg. Eine Stunde länger als üblich hielten die Angestellten der Kreissparkasse sowie ihre 21 Zweigstellen im Kreis Quedlinburg geschlossen.
(Berliner Zeitung, Mi. 24.01.1990)

In einen nicht angekündigten mehrstündigen Warnstreik traten in der Nachtschicht zum Dienstag Warenbegleiter und Kraftfahrer des Milchhofes Cottbus. Wie ein Sprecher der Streikenden ADN mitteilte, forderten sie von herbeigerufenen Verantwortlichen der Betriebsleitung höheren Schichtlohn und Zusatzurlaub, den Abbau von Überstunden und eine bessere Nachtschichtversorgung. Sie wurden von der Betriebsleitung darüber informiert, dass die Zustimmung zum Zusatz­urlaub bereits vorliege und ab 1. März für die gesamte Belegschaft neue Produktivlöhne eingeführt werden.
(Neue Zeit, Mi. 24.01.1990)

Die Mitarbeiter des Hinstorff Verlages Rostock haben mit großer Mehrheit einen Betriebsrat an die Seite der Verlagsleitung gewählt. Hinstorff habe einen guten Ruf zu verteidigen. Dem wollten sich die Verlagsmitarbeiter stellen, um unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen fachlich und marktwirtschaftlich erfolgreich bestehen zu können, heißt es in einer Mitteilung.
(Neues Deutschland, Mi. 24.01.1990)

So mancher private Handwerksbetrieb in Berlin blieb gestern Nachmittag zu, weil es Meister und Angestellte zum Roten Rathaus zog. Dort ging es auf einer Protestdemonstration um die berechtigten Forderungen der Handwerker und Einzelhändler nach echter Gewerbefreiheit, leistungs- stimulierender Besteuerung und gerechter Entlohnung. Mit Vehemenz setzten sich die Redner für kurzfristige Entscheidungen der Regierung ein, die dem privaten Handwerk günstigere Entwicklungsmöglichkeiten bieten und eine am Markt orientierte Gewerbepolitik fördern. Viel Beifall gab's für die Mitteilung, dass nach dem 1990 zu erwartenden neuen Steuergesetz auch mithelfende Familienmitglieder nach einem festen Tarifsystem entlohnt werden.
(Berliner Zeitung, Mi. 24.01.1990)

Naturschutzbeauftragte aus Kreisen und Bezirken der DDR entlang der Staatsgrenze zur BRD erörterten gestern im Ministerium für Naturschutz, Umweltschutz und Wasserwirtschaft dringend zu verwirklichende Vorhaben zum Schutz von Flora und Fauna in diesem Gebiet.
(Berliner Zeitung, Mi. 24.01.1990)

Haftbefehl gegen den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Dr. Bernd Seidel hat der Bezirksstaatsanwalt gestern beim Kreisgericht Leipzig beantragt. Seidel steht im Verdacht der Wahlfälschung und der Untreue zum Nachteil sozialistischen Eigentums in schwerem Fall.
(Berliner Zeitung, Mi. 24.01.1990)

Demonstriert wird in Calau auf dem Marktplatz.

Zum ersten Runden Tisch Gespräch kommt es im VEB Kraftverkehr Frankfurt (Oder).

Die erste Ausgabe der "Hallische Reformzeitung" erscheint.

Die Gemeinsame Wirtschaftskommission DDR - BRD kommt in Berlin zu ihrer ersten Beratung zusammen.

Treffens zwischen der CDU (BRD) mit Vertretern von CDU (DDR) und anderen oppositionellen Parteien im Reichstag in Berlin. Die CDU (BRD) drängt auf ein Wahlbündnis in der DDR, welche die Parteien CDU, Demokratischer Aufbruch, Deutsche Soziale Union und Deutsche Forumpartei umfassen könnte.

In der Freiheitshalle in Hof findet eine Kundgebung der CSU unter dem Motto "Freiheit statt Sozialismus" statt. Gäste sind Vertreter der DSU. Der DSU-Vorsitzende, Hans-Wilhelm Ebeling, sagt dort unter Beifall: "Ich habe meine Heimat dort drüben gehabt. In Brandenburg lange Zeit, jetzt in Sachsen. Mein Vaterland ist aber immer hier gewesen. Es war immer Westdeutschland und ich denke, dass ich damit meinen Freunden, die hier heute aus dem östlichen Teil Deutschlands unter uns sind einig bin, das war unser Vaterland über 40 Jahre unseres Lebens."

In Washington finden Gespräche zwischen der DDR-Staatsbank, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank statt.

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