DDR 1989/90Brandenburger Tor

12.01. Verzicht auf Nachfolgeeinrichtungen der Staatssicherheit vor der Volkskammerwahl

14.01. Deutsch-Deutsche Wirtschaftskonferenz

15.01. Sturm auf die Stasizentrale

17.01. Die erste Ausgabe der Anderen Zeitung in Magdeburg erscheint

18.01. Die Bundesregierung stellt klar, die vereinbarte Vertragsgemeinschaft vor der Volkskammerwahl wird es nicht geben.

28.01. Die Volkskammerwahl wird auf den 18.03. vorgezogen


03.01. Erklärung zum Wahlbündnis 90

06.-07.01. Landesdelegiertenkonferenz des Neuen Forum

12.-14.01. Erste Delegiertenkonferenz der SDP

13.01. Gründung DIE NELKEN

18.01. Gründung der Deutsche Volkspolizei Gewerkschaft

19.-21.01. Erstes Landesvertretertreffen der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt

20.01. Gründung der Gewerkschaft der Volkspolizei

20.01. Gründung der Deutschen Sozialen Union

20.-21.02. Parteitag der NDPD

27.-28.01. Gründungskongress des Neuen Forum

27.01. Gründungsparteitag der Deutschen Forumpartei

30.01. Gründung der Organisation Vereinigte Linke


29.01. Außerordentlichen Delegiertenkonferenz der Gewerkschaft Gesundheitswesen

31.01.-01.02. Außerordentlicher FDGB-Kongress


Sa. 20. Januar 1990


Das Wort der Bauern bei der Erneuerung des Landes mehr zu beachten, forderten am Sonnabend die etwa 10 000 Teilnehmer einer Bauerndemonstration in Neubrandenburg. Die auf dem Karl-Marx-Platz im Zentrum der Bezirksstadt versammelten Vertreter dieses Berufszweiges aus den Dörfern zwischen Haff und Plauer See sowie Neubrandenburger Einwohner waren dem Aufruf der Genossenschaftsbauern aus der LPG Blankensee im Kreis Neustrelitz zu dieser Kundgebung gefolgt. Unterstützung kam von etablierten und neuen Parteien sowie dem "Neuen Forum" und anderen Gruppierungen. Die Teilnehmer führten Transparente mit sich, auf denen unter anderem zu lesen war: "Die Demokratisierung geht nicht ohne uns Bauern", "Wir fordern reale Preise für unsere Produkte" oder "Wo bleibt das Bauernwort am Runden Tisch?".
(Neues Deutschland, Mo. 22.01.1990)

Für starke und unabhängige Gewerkschaften demonstrierten am Sonnabendvormittag auf dem Platz der Akademie einige hundert Gewerkschafter. Sie waren einem Aufruf des Komitees für Selbstbestimmung "Aufbruch `90" gefolgt, zu dem sich Gewerkschafter aus 17 Berliner Betrieben zusammengeschlossen haben. Unter den Teilnehmern und Rednern der Kundgebung waren neben Vertretern von Gewerkschaftsorganisationen aus Betrieben der Hauptstadt und anderen Orten der DDR auch ausländische Gäste. Ruth Martin, einer der drei Sprecher von "Aufbruch '90", bekräftigte die Forderung, das Recht auf Arbeit und soziale Sicherheit in der DDR auch weiterhin zu garantieren. Geplante Reformen dürften nicht hinter dem Rücken der Gewerkschaften, sondern müssten mit ihnen unter Wahrung der sozialen Errungenschaften durchgeführt werden. Dazu müsse eine kampffähige gewerkschaftliche Dachorganisation geschaffen werden. Nur starke und vereinte Gewerkschaften seien in der Lage, die Interessen und Rechte der Werktätigen durchzusetzen.
(Berliner Zeitung, Mo. 22.01.1990)

Mit Forderungen nach Abtreten und Auflösen der SED-PDS zogen unter schwarzrotgoldenen Fahnen am Sonnabendnachmittag rund 35 000 Bürger zum Plauener Rathaus.
(Neues Deutschland, Mo. 22.01.1990)

Die erste Müll-Demo erlebte [Berlin-]Marzahn am Sonnabendvormittag. 200 Bürger setzten sich für eine umweltfreundliche Müllbeseitigung ein.
(Junge Welt, Mo. 22.01.1990)

In Dresden und Halle gingen am Wochenende Zehntausende Sportler und Sportanhänger auf die Straße, um für den Erhalt und die weitere Förderung des DDR-Sports zu demonstrieren.
(Junge Welt, Mo. 22.01.1990)

Im Gothaer "Tivoli", Ort des Gothaer Vereinigungsparteitages vom Mai 1875, findet die Gründung des Gothaer Kreisverbandes der SPD statt.

In Fischbach (Bezirk Suhl) wird der Thüringer Landesverband des Demokratischen Aufbruch gegründet.

Die SED-PDS trennt sich von ihren Bezirkszeitungen.

Beiderseits der Grenze am Berliner Ortsteil Zehlendorf kommt es zu Protesten. Die Proteste richten sich gegen einen möglichen Übergang, der auch von Autos benutzt werden kann. Die Beschaulichkeit im Schatten der dichten Grenze sollte nicht durch möglichen Durchgangsverkehr gestört werden.

Demonstriert wird in Finsterwalde.

Gründungsparteitag des Thüringer Landesverbandes der CDU.

Der Ostsee-Zeitung liegt als Beilage die erste Ausgabe des Wismarer Wochenblattes bei. Das Wochenblatt geht auf einen Beschluss des Runden Tisches Wismar zurück.

Wolfgang Berghofer schreibt einen Brief an den PDS Parteivorsitzenden Gregor Gysi, indem er seinen Parteiaustritt begründet.

Während eines Gesprächs zwischen dem Außenminister der Sowjetunion, Eduard Schewardnadse, und DDR-Außenminister, Oskar Fischer, in Moskau betont Eduard Schewardnadse, für die Sowjetunion sei die NATO-Mitgliedschaft eines einen Deutschland nicht hinnehmbar. Es sei auch nicht zu erkennen, wie eine staatliche Einheit beim Verbleib der DDR im Warschauer Vertrag und der BRD in der NATO möglich sei. Eine Neutralität werde vielerorts abgelehnt und sei nicht real.

Die Koalitionsregierung der DDR strebe eine Vertragsgemeinschaft mit der BRD an. Sie geht vom Bestehen einer Nation in einer eng miteinander zusammenwirkenden Staaten aus, bis hin zu einer Konföderation, sagte Oskar Fischer. Eine Konföderation setze zwei souveräne Staaten voraus. Der BRD geht es aber nicht mehr um eine Konföderation, wie in Dresden zugestimmt, sondern um eine Föderation.

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