Fr. 15. Dezember 1989


Die SED lädt Vertreter aller demokratischen Parteien und Organisationen der DDR zu Gesprächen am Grünen Tisch ein. Sie will mit dieser Initiative alle politischen Kräfte ansprechen, die sich für die dringliche Lösung der Umweltprobleme im Lande engagieren. Der Grüne Tisch, für den die Einladungen in den nächsten Tagen verschickt werden, soll schon Anfang Januar zu einer ersten Beratung zusammentreten. Dem neuen, an Bürgernähe orientierten Selbstverständnis der SED entspricht auch die für Mitte Januar geplante Einrichtung eines ständigen Grünen Treffs im Haus der Partei (Gebäude des ehemaligen Zentralkomitees). Er soll als Konsultations- und Informationspunkt Ansprechpartner für die Bürger sein, Fragen und Probleme in Sachen Umwelt mit ihnen erörtern und Initiativen anregen. Naturbewahrung muss ein Anliegen aller sein. Die SED wolle sich dafür erheblich stärker und konstruktiver einsetzen als früher, betonte Prof. Dr. Helmar Hegewald, Leiter der Kommission Umweltpolitik des Parteivorstandes, in einem Pressegespräch am Freitag.
(Neues Deutschland, Sa. 16.12.1989)

Erstmalig soll mit dem Pädagogen und Dozenten der Berliner Ingenieurhochschule Volker Abend als Stellvertreter des Ministers für Bildung ein Vertreter des Neuen Forum in Regierungsverantwortung gerufen werden. Für dieses Amt habe ihn die CDU vorgeschlagen, bestätigte er gegenüber Journalisten. Der Katholik ist seit 20 Jahren als Pädagoge tätig, war unter anderem Physik- und Mathematiklehrer an der katholischen Berliner Theresien-Oberschule.
(Berliner Zeitung, Sa. 16.12.1989)

Treffen von Vertretern der neuen Gruppen und Parteien in Berlin. Das Treffen dient der Vorbereitung auf die zweite Sitzung des Runden Tisches am 18.12.

Von Selbständigen aus Berlin und Umgebung wird der Bund der Selbständigen der DDR "Deutscher Gewerbeverband" gegründet.

In einem Interview mit der Aktuellen Kamera am 15.12. sagt Bundeskanzler Helmut Kohl, der 10-Punkte-Plan sei nicht nach Tagen, Wochen oder Jahren bemessen. Scharfmacher und radikale Äußerungen werden nur stören oder gar bremsen.

In einem Gespräch mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Miklos Németh am 16.12. sagt Kohl, in der DDR liegt der Geruch von Rache in der Luft. Dies ziele nicht nur auf die Spitze, sondern auch auf die lokale Ebene. Deshalb habe er soeben im Fernsehen zur Ruhe gemahnt.

Der Münchner Oberbürgermeister gibt bekannt, ab morgen wird das zusätzliche Begrüßungsgeld von 50 Mark, das alle DDR-Bürger bisher erhielten, nicht mehr ausbezahlt. München hat durch das zusätzliche Begrüßungsgeld einen besonders großen Besucherandrang zu verzeichnen.

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