Fr. 29. Dezember 1989


Fragen der weiteren Entwicklung von Kunst und Kultur in der DDR waren am Freitag in Berlin Gegenstand einer Plenartagung der Akademie der Künste. Kulturminister Dr. Dietmar Keller, der als Gast geladen war, nahm zu Gerüchten, Unsicherheiten und der Besorgnis vieler Künstler in der gegenwärtigen Umbruchsituation Stellung.

Wie Dr. Keller anschließend vor der Presse erklärte, wende sich das Kulturministerium gegen eine Kommerzialisierung von Kunst und Kultur. Auch weiterhin werden Subventionen notwendig sein. Dennoch müsse akzeptiert werden, dass im Rahmen der angestrebten Vertragsgemeinschaft mit der BRD Marktmechanismen auch in diesem Bereich wirksam werden. Das Ministerium befürworte Initiativen wie die Bildung von privaten Verlagen. Marktmechanismen dürften aber die Kultur nicht töten. Die stärkere Berücksichtigung ökonomischer Gesichtspunkte dürfe auch nicht auf dem Rücken der Rezipienten ausgetragen werden.

Akademiepräsident Prof. Dr. Manfred Wekwerth betonte den autonomen Status der Akademie der Künste. Die Akademie habe sich bereit erklärt, bei der Erarbeitung eines neuen kulturpolitischen Konzepts der Regierung mitzuarbeiten. Dieses Angebot sei akzeptiert worden. Künftig werde ein Beirat von drei Akademiemitgliedern beim Kulturministerium tätig sein. Ein ähnliches Gremium werde auch beim Fernsehen angestrebt. Der Kulturminister und die Akademiemitglieder wollen sich dafür einsetzen, die und kulturelle Identität der DDR zu verteidigen und eine echte eigene Alternative zur BRD zu entwickeln. Wichtige menschliche Werte, wie Humanismus, Antifaschismus, demokratische Grundpositionen, aber auch Toleranz und Freundlichkeit gelte es zu bewahren. Mit Empörung werde die Zunahme rechtsradikaler und neofaschistischer Tendenzen in der DDR aufgenommen.
(Neues Deutschland, Sa. 30.12.1989)

Die erste Ausgabe der DAZ Eisenach erscheint.

Letzter Tag, an dem das "Begrüßungsgeld" an DDR-Bürger ausbezahlt wird. Manche bezahlen das zum zweiten Mal empfangene "Begrüßungsgeld" zurück.

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