DDR 1989/90Brandenburger Tor

01.12. Der Führungsanspruch der SED wird aus der Verfassung entfernt

03.12. Das Politbüro und das Zentralkomitee der SED treten zurück

04.12. Beginn der Besetzung der Dienststellen der Staatssicherheit

06.12. Egon Krenz tritt als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zurück

06.12. Innenminister Lothar Arendt verfügt die Entwaffnung der Kampfgruppen der Arbeiterklasse.

07.12. Erste Sitzung des Zentralen Runden Tisch in Berlin

08.12. Der Vorsitzende des Ministerrates hat in allen Bezirken Regierungsbeauftragte eingesetzt teilt der Presse- und Informationsdienst der Regierung mit.

14.12. Demokratie Jetzt stellt den Dreistufenplan der nationalen Einheit vor

14.12. Der Ministerrat beschließt die Auflösung der Kampfgruppen und des Amts für Nationale Sicherheit. Gleichzeitig die Bildung eines Nachrichtendienstes und eines Verfassungsschutzes der DDR.

19.12. Treffen Modrow Kohl in Dresden

29.12. Die erste Ausgabe der Anderen Zeitung erscheint in Eisenach

Im Laufe des Monats lösen sich die Parteiorganisationen der SED in der NVA auf.


Fr. 29. Dezember 1989


Fragen der weiteren Entwicklung von Kunst und Kultur in der DDR waren am Freitag in Berlin Gegenstand einer Plenartagung der Akademie der Künste. Kulturminister Dr. Dietmar Keller, der als Gast geladen war, nahm zu Gerüchten, Unsicherheiten und der Besorgnis vieler Künstler in der gegenwärtigen Umbruchsituation Stellung.

Wie Dr. Keller anschließend vor der Presse erklärte, wende sich das Kulturministerium gegen eine Kommerzialisierung von Kunst und Kultur. Auch weiterhin werden Subventionen notwendig sein. Dennoch müsse akzeptiert werden, dass im Rahmen der angestrebten Vertragsgemeinschaft mit der BRD Marktmechanismen auch in diesem Bereich wirksam werden. Das Ministerium befürworte Initiativen wie die Bildung von privaten Verlagen. Marktmechanismen dürften aber die Kultur nicht töten. Die stärkere Berücksichtigung ökonomischer Gesichtspunkte dürfe auch nicht auf dem Rücken der Rezipienten ausgetragen werden.

Akademiepräsident Prof. Dr. Manfred Wekwerth betonte den autonomen Status der Akademie der Künste. Die Akademie habe sich bereit erklärt, bei der Erarbeitung eines neuen kulturpolitischen Konzepts der Regierung mitzuarbeiten. Dieses Angebot sei akzeptiert worden. Künftig werde ein Beirat von drei Akademiemitgliedern beim Kulturministerium tätig sein. Ein ähnliches Gremium werde auch beim Fernsehen angestrebt. Der Kulturminister und die Akademiemitglieder wollen sich dafür einsetzen, die und kulturelle Identität der DDR zu verteidigen und eine echte eigene Alternative zur BRD zu entwickeln. Wichtige menschliche Werte, wie Humanismus, Antifaschismus, demokratische Grundpositionen, aber auch Toleranz und Freundlichkeit gelte es zu bewahren. Mit Empörung werde die Zunahme rechtsradikaler und neofaschistischer Tendenzen in der DDR aufgenommen.
(Neues Deutschland, Sa. 30.12.1989)

Im Auftrag der Regierung der DDR traf der Staatssekretär und Erste Stellvertreter des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten, Dr. Herbert Krolikowski, mit dem sowjetischen Botschafter, Wjatscheslaw Kotschemassow, zusammen. Er brachte das Bedauern und die Betroffenheit der Regierung im Zusammenhang mit der am 28. Dezember erfolgten Schändung des Ehrenmals in Berlin-Treptow zum Ausdruck und bat die Bürger der UdSSR um Entschuldigung. Er sei überzeugt, dass alle demokratisch gesinnten Menschen in der DDR den verabscheuungswürdigen Akt des Vandalismus zutiefst verurteilen. Er bekräftigte, dass das Bündnis mit der UdSSR auch künftig erstrangige Aufgabe der DDR bleibe.
(Neues Deutschland, Sa. 30.12.1989)

Die erste Ausgabe der DAZ Eisenach erscheint.

Letzter Tag, an dem das "Begrüßungsgeld" an DDR-Bürger ausbezahlt wird. Manche bezahlen das zum zweiten Mal empfangene "Begrüßungsgeld" zurück.

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