Sa. 30. Dezember 1989


Aufruf zur Demonstration am 03.01.1990 am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow

(Neues Deutschland 30.12.1989)

Mehr als 2 000 Berliner protestierten am Samstagnachmittag im Vorhof zum sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow gegen antisowjetische und nationalistische Schmierereien. Die Verunglimpfung des Ehrenmals sei nicht identisch mit dem Denken und Fühlen gegenüber den Völkern der Sowjetunion, heißt es in einem Telegramm an Michail Gorbatschow, auf das sich die Teilnehmer der Veranstaltung einigten.

Mehrfach wurden Forderungen nach einer Solidar- oder Sicherheitsgemeinschaft gegen Ausländerfeindlichkeit, Faschismus und nationale Überheblichkeit sowie nach handlungsfähigen Schutzorganen laut. An die Regierung, Volkskammer, den Runden Tisch und an alle Bürger erging der Aufruf, dafür zu sorgen, dass neofaschistische Umtriebe im Keim erstickt werden. Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR brauchten Sicherheit.

Betroffenheit und Empörung über die Schändung des sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow bekundeten Frauen aus Berlin, Westberlin sowie aus den Bezirken Frankfurt (Oder) und Potsdam bei einer Kundgebung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden. In ihrer aller Namen forderte DFD-Vorsitzende Eva Rohmann von der Regierung der DDR, dieses Verbrechen aufzuklären und eine Ausbreitung des Neonazismus im Lande zu verhindern.
(Berliner Zeitung, Di. 02.01.1990)

Die "neuen oppositionellen Kräfte" beteiligten sich zum größten Teil nicht an der Demonstration, da sie vermuteten, "alte Kräfte" wollten sie einbinden und benutzen für ihre Politik.

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