DDR 1989/90Brandenburger Tor


Demonstrationen, Kundgebungen und Dialogveranstaltungen Dezember 1989


Fr. 01.12.

Auf dem oberen Hauptmarkt in Gotha findet eine Kundgebung statt. Aufgerufen dazu hat die SDP.

Sa. 02.12.
Von Kavelstorfer Bürgern wird die sofortige Auflösung der IMES-GmbH und den Stopp aller Waffenlieferungen gefordert.

Das Neue Forum ruft zu Demonstrationen in Magdeburg und Potsdam auf. Demonstrationen gab es in weiteren Städten, so in Rostock, wo auf der Kundgebung vom Waffenhandel der IMES-GmbH berichtet wurde.

Vor dem Haus des Zentralkomitees der SED in Berlin demonstrieren Mitglieder der Partei gegen ihre Führung. Der Rücktritt des Politbüros wird gefordert. Gegen Egon Krenz, der ans Mikrophon trat, gibt es Pfiffe und Buhrufe.

Ab sofort den Fünf-Tage-Unterricht einzuführen, haben am Sonnabendmorgen Schüler der 22. Oberschule Hellersdorf und der 38. Oberschule Lichtenberg gefordert. Dies steht im Gegensatz zu den vom Bildungsministerium getroffenen Festlegungen, den unterrichtsfreien Sonnabend nach den Winterferien 1990 einzuführen.

So. 03.12.
Am Sonntagnachmittag folgen Tausende SED-Mitglieder in Berlin dem Aufruf der SED-Kreisdelegiertenkonferenz der Akademie der Wissenschaften zu einer Kundgebung vor dem ZK-Gebäude. Wie schon am Vorabend auf einer Kundgebung der Berliner SED-Bezirksorganisation manifestieren sie ihren Willen nach völliger Erneuerung der SED. Unter ihnen befinden sich auch Berliner Kunst- und Kulturschaffende, die von ihrer im Friedrichstadtpalast anberaumten Diskussion zu Ökonomie- und Gesellschaftsstrategien unmittelbar zur Kundgebung vor dem SED-ZK-Gebäude eilten, um dort ihren Protest und ihre Forderungen einzubringen.

Zu tumultartigen Szenen kommt es, als Ex-SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die Demonstranten über Ergebnisse der ZK-Tagung informieren will. Seine Mitteilung vom Rücktritt des ZK und Politbüros wird mit Beifall aufgenommen, weitere Äußerungen über Beschlüsse der ZK-Tagung gehen in Pfiffen, Buhrufen und Sprechchören unter.

Demonstranten erzwingen den Zugang zum Brockengipfel. Aufgerufen haben mehrere Bürgerinitiativen. Der Brockengipfel ist bis dahin militärisches Sperrgebiet.

Mo. 04.12.
Zu einer erneuten Demonstration treffen sich in Leipzig 150 000 BürgerInnen. Zuvor fanden in fünf Kirchen der Stadt Friedensgebete statt. Hauptforderung der Demonstranten ist die nach konsequenter Abrechnung mit den Schuldigen an der Staatskrise in der DDR und "Deutschland einig Vaterland!"

"Keine Gewalt" - am 4. November bekam diese Forderung eine besondere, ganz auf unsere politische Situation bezogene Bedeutung. "Keine Gewalt" - nur so können die Demonstrationen landauf, landab ihre Legitimation nachweisen, ihre Redlichkeit. Das ist von Zehntausenden begriffen worden. Um so mehr machen die Ausnahmen betroffen, die entweder nicht fähig sind, die Brisanz unserer Lage einzuschätzen oder die ganz bewusst das Feuerchen schüren, das auch friedliche Demonstrationen ins Gegenteil verkehren kann.

In den letzten Wochen war die Montagsstadt Leipzig positiv in den Schlagzeilen. Da gab es Forderungen, die dem Willen des Volkes entsprachen und die der Realismus prägt. Doch seit der vergangenen Demo ist das anders. Hier ein subjektiv geprägter Ablauf dieses Abends:

17.30. Die Friedensgebete haben in den Kirchen begonnen. Auf dem Innenhof der Karl-Marx-Uni im Stadtzentrum sammelt sich eine kleine Gruppe von Studenten, um mit Plakaten gegen Wiedervereinigung und Rechtsradikalismus zu demonstrieren.

17.45. Der Platz vor der Oper beginnt sich zu füllen. Dutzende Deutschlandfahnen werden geschwenkt.

Transparente mit Sprüchen wie: "Deutschland - einig Vaterland" oder "44 Jahre Teilung ist eine lange Zeit, zur Wiedervereinigung sind wir bereit" dominieren. Die Anti-Wiedervereinigungs-Gruppe wird mit Buh-Rufen und Sprechchören: "SED - das tut weh" oder "Rote aus der Demo raus" empfangen. Die Stimmung droht zu eskalieren. Vereinzelte Handgreiflichkeiten können geschlichtet werden.

18.00. Auf der Demo sprechen erstmals keine Vertreter von Parteien. Bürger aus Leipzig stehen vor dem Mikro. Sie haben von ihren abgesetzten Vorrednern, die von Kampfmanifestationen allerorten bekannt sind, gelernt. Eine leere Worthülse wird an die nächste gereiht. Jubel und Pfeifkonzerte wechseln ab. Dazwischen immer wieder Sprechchöre: "Wir sind Deutsch" und "Deutschland - einig Vaterland". Verschiedene Studenten und die auf dieser Demo kaum zu findenden Anhänger des NEUEN FORUMS versuchen die teilweise durch Alkohol aufgeputschte Menge zur Vernunft zu bringen. Ohne Erfolg. Wie in Ekstase werden Gegenstimmen niedergebrüllt und ausgepfiffen.

18.30. Der Zug setzt sich in Bewegung zum Hauptbahnhof. Unter wildem Freudengeheul wird ein metergroßer Galgen hin und her geschwenkt. Am Strick eine Tafel mit den Namen Honecker, Mittag und Tisch. Obwohl Jochen Läßig vom NEUEN FORUM vor der Menge bat, keine rivalisierenden Blöcke entstehen zu lassen, ist das eingetreten.

19.15. Die Menge ist am Staatssicherheitsgebäude angekommen. Die lebende Kette des NEUEN FORUMS kann die Massen kaum zurückhalten. Über Lautsprecher wird bekanntgegeben, dass seit 30 Minuten fünf Mitglieder von Oppositionsgruppen das Gebäude besetzt haben. Frenetischer Jubel. Der Menge ist das nicht genug. Alle wollen ins Stasigebäude. Dazwischen immer wieder die beruhigenden Worte des NEUEN FORUM. Eine Stunde später lassen die ersten Demonstranten von ihrem Vorhaben ab, während im Gebäude Fotografen und 30 Bürger die Versiegelung der Räume beaufsichtigen.

20.30. Auf dem Karl-Marx-Platz formiert sich eine Gegendemo mit DDR-Fahnen. Die wenigen Hundert finden kaum Beachtung. Einige ganz Mutige brüllen:

"Kommunistenschweine" oder "Euch hätte man bei Hitler vergast". So tolerant ist Leipzig in diesen Tagen. Sind die Angstdemos bis zum 9. Oktober schon in Vergessenheit geraten?

Weitere Demonstrationen finden in Karl-Marx-Stadt, Schwerin, Cottbus, Halle, Neubrandenburg, Magdeburg und Potsdam statt.

Demonstranten ziehen in Neubrandenburg vor das Redaktionsgebäude der SED-Bezirkszeitung "Freie Erde". Die Forderung ist, die Zeitung als Zeitung der Bürgerbewegung zu übernehmen. Es wurde schließlich vereinbart künftig eine Seite pro Woche für die Bürgerbewegung zur Verfügung zu stellen.

Mi. 06.12.
Rund 2 000 Gewerkschafter demonstrierten am Mittwochabend vor dem Gebäude des FDGB-Bundesvorstandes in Berlin gegen Korruption und Amtsmissbrauch, für eine konsequente Erneuerung der Gewerkschaft von unten nach oben. Sie forderten unter anderem Teilnahme der Gewerkschaft an den Gesprächen am "Runden Tisch".

Die Gewerkschaftsvorsitzende Annelis Kimmel nahm unter Pfiffen Stellung und akzeptierte ihre Mitverantwortung für frühere Entscheidungen. Der Bundesvorstand werde am Sonnabend zusammentreten. Sowohl sie als auch das Arbeitssekretariat werden ihren Rücktritt vorschlagen. Mehrere Redner, so von Bako und von einem Transportbetrieb, versicherten, dass ihre Kollegen gerade unter den jetzigen Bedingungen hart arbeiten. Auf Transparenten war zu lesen: Generalstreik bedeutet leere Regale, wer will das?

Do. 07.12.
Zu Demonstrationen kommt es in Berlin, Erfurt, Neukalen und Neustrelitz.

Die rund 700 Teilnehmer einer Kundgebung von Mitarbeitern des Ministeriums für Nationale Verteidigung verabschiedeten am Donnerstag einen Appell. Er enthält u. a. die Aufforderung an alle Angehörigen und Zivilbeschäftigten der NVA und der Grenztruppen, den Verfassungsauftrag zum militärischen Schutz unserer souveränen DDR besonnen und zuverlässig zu erfüllen, sich dabei von alten verkrusteten Ansichten und Handlungen sowie deren Vertretern zu trennen und auch unter schwierigsten Bedingungen mit den Bruderarmeen den Frieden im Zentrum Europas unablässig zu sichern. Im Sinne der antifaschistischen Traditionen dürfe Neonazismus, Rassismus und Ausländerhass nicht zugelassen werden.

Fr. 08.12.
Nach einer Demonstration vor der SED-Kreisleitung in Wismar wird das Haus symbolisch besetzt.

Sa. 09.12.
Nach einer Demonstration besichtigen Bürger das Zentrales Aufnahmeheim Röntgental. Das Zentrales Aufnahmeheim Röntgental dient der Erstaufnahme von Bürgerinnen und Bürger, die in die DDR übersiedeln wollten. Darunter auch solche, die in der DDR gelebt hatten und zurück wollen. Link zu einem Bericht im telegraph Nr. 1, 08.01.1990.

So. 10.12.
Demonstrationen finden in Cottbus (Choésebuz), Dresden, Erfurt, Ilmenau, Kronskamp, Magdeburg, Plauen, Rostock und Suhl statt. In Erfurt wird gegen geplante Abrisse im Andreasviertel und für den Erhalt von alter Bausubstanz demonstriert. Das Neue Forum ruft in Berlin zu einer Demonstration für die Solidarität mit dem rumänischen Volk und gegen Rassismus in der DDR auf. Außerdem wird eine umfassende Strafrechtsrechtsreform gefordert.

Die Überführung des in der Nähe von Laage gelegen Militärflugplatzes Kronskamp in eine zivile Nutzung wird von Demonstranten gefordert.

Mo. 11.12.
In mehreren DDR-Bezirksstädten fanden am Montagabend Demonstrationen statt. Die 10. Montags-Demonstration Leipziger Bürger zur demokratischen Erneuerung der Republik nach dem 7. Oktober vereinte über 100 000 Menschen. Wegen der in den vergangenen Tagen durch neu aufgedeckte Fälle von Amtsmissbrauch und Bereicherung angewachsenen Spannung und Empörung der Bevölkerung warnten zahlreiche Demonstranten vor Selbstjustiz und ausufernden Übergriffen. Viele riefen zu Besonnenheit und demokratischem Verhalten auf. Auf Flugblättern wurde der Sinn eines vereinigten Deutschlands angezweifelt Sprechchöre entgegneten: "Deutschland, einig Vaterland!" Diesen Slogan trugen auch zahlreiche Transparente. Bürger unterschiedlicher Herkunft meldeten sich mit verschiedenen Zielen zu Wort. Einig waren sie sich, dass die begonnene Revolution friedlich weitergeführt werden solle. In Dresden beteiligten sich 90 000 und in Karl-Marx-Stadt rund 40 000 Bürger an Demonstrationen.

In Luckau wird nach der Demonstration eine Kundgebung auf dem Marktplatz abgehalten. Gefordert werden u.a. allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen. Es wird sich gegen eine Verschleppung des gesellschaftlichen Erneuerungsprozesses ausgesprochen.

In Leipzig fordert ein größerer Teil "Deutschland einig Vaterland" und eine Minderheit setzt sich für den Fortbestand einer reformierten DDR ein. Als Vera Lengsfeld auf der Kundgebung die Ängste die in Großbritannien gegen eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten bestehen erwähnt, wird sie ausgepfiffen.

Auch in Wismar wird die Forderung nach einem einigen Deutschland erhoben.

Ein Schweigemarsch endet in Hennigsdorf bei Berlin an der katholischen Kirche. Dort findet eine Dialogveranstaltung statt.

Demonstrationen gibt es auch in Berlin, Frankfurt, Halle, Neubrandenburg, Potsdam und Schwerin.

Di. 12.12.
In Schwerin demonstrieren Menschen mit Behinderung unter der Losung, auch wir sind das Volk. Auch wir wollen sagen was wir zu sagen haben. Wir stehen im Abseits, das muss sich ändern.

Rund 2 000 Volkspolizisten waren gestern Abend dem Aufruf einer Initiativgruppe Gewerkschaften der Berliner Volkspolizei gefolgt. Vor dem Gebäude des Innenministeriums begründeten Sprecher unter Beifall die Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung.

Vor allem soll ein normales Arbeitsrechtsverhältnis für VP-Angehörige durchgesetzt werden, das Willkürentscheidungen im Rahmen des gegenwärtig noch bestehenden militanten Dienstverhältnisses und der damit verbundenen bedingungslosen Unterordnung unter Befehle der Polizeiführung ausschließt. Die Kundgebungsteilnehmer - unter ihnen auch Polizisten aus anderen Bezirken der Republik - verwiesen auf zahlreiche Ordnungseinsätze in jüngster Zeit. Sie richteten sich gegen demonstrierende Bürger, die für die Erneuerung der sozialistischen Gesellschaft eintreten.

Diese Vorgänge, insbesondere auch um den 7. und 8. Oktober, hätten die Polizeiangehörigen in einen tiefen Konflikt mit dem Volk gebracht, was sie als großes Unrecht empfinden. Man sei auf die falsche Seite der Barrikade befohlen worden. Nach wie vor werde die Aufklärung der Vorgänge durch Stäbe des Innenministeriums zögernd und halbherzig betrieben. Gegenüber diesen Führungsorganen bestehe tiefes Misstrauen.

Die angestrebte Polizeigewerkschaft möchte sich unter einem gewerkschaftlichen Dachverband aller Werktätigen für die umfassende Sicherung von Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen. Unter starkem Beifall sprachen sich die Versammelten für eine sozialistische DDR aus.

Mi. 13.12.
In verschiedenen Städten, so u.a. in Berlin und Stralsund finden Demonstrationen von Schülern, Eltern und Lehrern für konkrete Veränderungen im Bildungswesen statt. Unter anderem werden eine neue Bildungskonzeption und fakultativer Russischunterricht gefordert.

Mehrere tausend Schüler, Eltern und Lehrer forderten am Mittwoch auf einer Kundgebung in Stralsund zu konkreten Schritten für die Erneuerung des Bildungswesens auf. Initiator des Treffens war der neugegründete Schülerrat in der Stadt. Wie dessen Vorsitzender, Jan Westphal, Schüler an der Hermann-Matern-Oberschule, erklärte: wenden sich die Schüler entschieden gegen Meinungen, Lehrer, die SED-Mitglieder sind, sollten die Schulen verlassen. "Das kann nicht die Wende sein!" hieß es in einem Aufruf. Aus dem Schuldienst dürften nur Lehrer gehen, die nicht fähig sind, Schüler fachlich und pädagogisch zu bilden.

Für ein besseres Schulsystem demonstrierten rund tausend Berliner Schüler, Pädagogen und Eltern gestern vor dem Haus des Lehrers. Redner von 5 bis 50 Jahren kamen auf der von der Pädagogikgruppe des Neuen Forums und einer Initiativgruppe Neue Schule" organisierten Veranstaltung zu Wort. Sie forderten übereinstimmend einen fakultativen Russisch-Unterricht und eine neue Bildungskonzeption. Ziel müsse eine von Bevormundung freie, kindgerechte Schule sein, sagte der Kinderpsychologe Berndt Schemmel.

Do. 14.12.
Demonstrationen finden in Dresden, Erfurt, Magdeburg und Rostock statt.

Fr. 15.12.
Rund 300 Menschen hatten sich gestern vor der Pankower Kirche versammelt, um gegen Menschenrechtsverletzungen in Rumänien zu protestieren. Die Veranstaltung war vom Berliner Verband der Bildenden Künstler und weiteren Gruppierungen organisiert worden. Die Demonstranten forderten die verstärkte Einflussnahme der DDR auf die Geschehnisse in dem Land.

Sa. 16.12.
In Plauen findet die inzwischen obligatorische Samstagsdemonstration statt.

So. 17.12.
In Saßnitz demonstrieren Angehörige der Volksmarine und der Grenzbrigade Küste gegen die schleppende Reform in den bewaffneten Organen.

Mo. 18.12.
Demonstrationen finden in Berlin, Dresden, Halle, Leipzig, Potsdam und Schwerin statt. In Leipzig die letzte Montagsdemo vor dem Jahreswechsel.

Jede politische Gruppe solle in Zukunft eigene Demonstrationen machen. Das wurde auf der Demonstration in Dresden vom Neuen Forum vorgeschlagen. Damit solle Gewaltlosigkeit gesichert werden. Hintergrund ist die zunehmenden Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern einer Einheit der DDR mit der Deutschen Bundesrepublik.

Di. 19.12.
In Dresden findet das deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen den von Bundeskanzler Helmut Kohl bzw. Ministerpräsident Hans Modrow geleiteten Delegationen der Regierungen der BRD und der DDR statt.

Nach der offiziellen Verabschiedung wendet sich Bundeskanzler Kohl an Zehntausende DDR-Bürger, die sich in Dresden versammelt haben. Der Bundeskanzler beschwor dabei die "Einheit der Nation", die für ihn politisches Ziel bleibe. Das Bild auf dem Platz an der Ruine der Frauenkirche war von Fahnen der Bundesrepublik bestimmt, die Atmosphäre vom Vereinigungsgedanken beherrscht.

Während in Dresden Bundeskanzler Kohl umjubelt wird, demonstrieren mehrere tausend Bürger in Berlin für eine souveräne DDR, gegen Wiedervereinigung und Ausverkauf des Landes.

Demonstration in Berlin zum Kohlbesuch in Dresden

Anlässlich des Kohlbesuchs in Dresden wird in Rostock gegen die Wiederbelebung kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse in der DDR demonstriert. Befürwortet wird eine Vertragsgemeinschaft zwischen der DDR und der BRD und sich gegen eine Vereinigung ausgesprochen.

Mi. 20.12.
Auf einer Kundgebung in Halberstadt tritt auch der Wolfsburger Oberbürgermeister auf. Halberstadt und Wolfsburg sind seit Herbst 1989 Partnerstädte.

Do. 21.12.
Demonstriert wird in Erfurt und Gera. In Erfurt wird dazu aufgerufen, das Bürgerkomitee bei der Sicherung des Aktenbestandes und der Gebäude des MfS zu unterstützen. Vor der rumänischen Botschaft in Berlin-Pankow findet eine Demonstration gegen das Ceauşescu-Regime statt.

Sa. 23.12.
In Berlin findet eine Solidaritätsdemonstration mit dem rumänischen Volk statt. Die Festnahme des rumänischen Staatschef Ceauşescu wird begrüßt und den vielen, die bisher während des Umsturzes getöteten, gedacht.

Mo. 25.12.
Rund 700 Karl-Marx-Städter waren am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages dem Aufruf der Sozialdemokratischen Partei zu einer Kundgebung im Zentrum der Stadt mit anschließender Demonstration gefolgt. Redner der SDP sprachen sich für soziale Marktwirtschaft aus und erklärten sich sowohl von extrem links als auch von extrem rechts zu distanzieren.

Di. 26.12.
Für eine souveräne DDR wird in Schwerin demonstriert. Aufgerufen dazu hat die Initiativgruppe "Für unser Land".

Sa. 30.12.
Mehr als 2 000 Berliner protestierten am Samstagnachmittag im Vorhof zum sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow gegen antisowjetische und nationalistische Schmierereien. Die Verunglimpfung des Ehrenmals sei nicht identisch mit dem Denken und Fühlen gegenüber den Völkern der Sowjetunion, heißt es in einem Telegramm an Michail Gorbatschow, auf das sich die Teilnehmer der Veranstaltung einigten.

Mehrfach wurden Forderungen nach einer Solidar- oder Sicherheitsgemeinschaft gegen Ausländerfeindlichkeit, Faschismus und nationale Überheblichkeit sowie nach handlungsfähigen Schutzorganen laut. An die Regierung, Volkskammer, den Runden Tisch und an alle Bürger erging der Aufruf, dafür zu sorgen, dass neofaschistische Umtriebe im Keim erstickt werden. Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR brauchten Sicherheit.

Betroffenheit und Empörung über die Schändung des sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow bekundeten Frauen aus Berlin, Westberlin sowie aus den Bezirken Frankfurt (Oder) und Potsdam bei einer Kundgebung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden. In ihrer aller Namen forderte DFD-Vorsitzende Eva Rohmann von der Regierung der DDR, dieses Verbrechen aufzuklären und eine Ausbreitung des Neonazismus im Lande zu verhindern.

Die "neuen oppositionellen Kräfte" beteiligten sich nicht an der Demonstration, da sie vermuteten, "alte Kräfte" wollten sie einbinden und benutzen für ihre Politik.


Alle Angaben sind Auszüge aus den Chronikseiten Dezember 1989 www.ddr89.de. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.

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