Mo. 11. Dezember 1989


Entsprechend einer Anfrage auf der 13. Volkskammertagung zum Besitz von Pistolen durch leitende Funktionäre hat der Innenminister Maßnahmen zur sofortigen Einziehung der auf der Grundlage der Schusswaffenverordnung vom 26.3.1987 ehemals ausgegebenen Waffen festgelegt. Gestern konnte die Abgabe der Waffen einschließlich der für ihren legalen Besitz erteilten Erlaubnisse bis auf Einzelfälle beendet werden.
(Berliner Zeitung, Di. 12.12.1989)

Seit Jahresanfang sind 317 548 Übersiedler aus der DDR in die BRD gekommen. Das teilte der Sprecher des Innenministeriums am Montag in Bonn mit. Für Dezember wurde die Zahl der, Übersiedler mit etwa 17 000 beziffert. Von Januar bis einschließlich November habe die BRD außerdem 339 024 deutschstämmige Umsiedler aus der Sowjetunion und anderen Staaten aufgenommen.
(Neues Deutschland, Di. 12.12.1989)

Zu ihrer ersten Beratung kommen die Mitglieder des Belegschaftskomitee des VEB Zementanlagenbau Dessau zusammen.

Nach Angaben des Gesundheitsministers, Klaus Thielmann, haben 1989 rund 1 500 Ärzte und Zahnärzte sowie weitere 4 000 medizinische Fachkräfte die DDR verlassen.

Der 1976 erfolgte Ausschluss Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband wird vom Geraer Bezirksvorstand aufgehoben.

Alle Kreisämter des Amtes für Nationale Sicherheit werden auf Anweisung der Regierung ab diesem Tag aufgelöst. In Neubrandenburg und Suhl wird die Tätigkeit der dortigen Außenstellen bereits einen Tag früher eingestellt.

Zeitungen aus der DDR werden auch an den Kiosken in Westberlin verkauft.

DDR-Besucher, die zu einem Wochenend-Besuch nach Westberlin kommen, erhalten künftig keine Gratisunterkunft mehr. Wohlfahrtsverbände, Sozial- und Verkehrsverwaltung der Stadt können nach Mitteilung der Sprecherin der Sozialverwaltung, Rita Hermanns, die Vermittlung von Gratisplätzen nicht mehr weiterführen. Man könne einen Ausnahmezustand nicht zum Normalzustand machen, beschrieb die Politikerin im "Tagesspiegel" die Situation.

Auf Dauer sei es der Bevölkerung auch nicht klarzumachen, warum zum Beispiel arme Schüler aus der BRD für ihre Übernachtung bezahlen müssten, Familien aus der DDR aber nicht. Auch der Sprecher des Diakonischen Werkes, Kotnik, erklärte: "Bei uns läuft praktisch nichts mehr." Das Fremdenverkehrsamt von Westberlin, das Gratisbetten vermittelt hat, lässt diese Aktion nun auslaufen.
(Berliner Zeitung, Di. 12.12.1989)

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