DDR 1989/90Brandenburger Tor


Mi. 13. Dezember 1989


Wie der Sprecher des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der DDR am Mittwoch ADN mitteilte, hat der Minister dem am Vortage vom Berliner VP-Präsidenten, Generalleutnant Friedhelm Rausch, eingereichten Rücktritt stattgegeben. Mit der Führung der Dienstgeschäfte wurde VP-Oberst Joachim Griebel beauftragt. General Rausch war in den vergangenen Wochen insbesondere vor der Untersuchungskommission des Berliner Stadtparlaments um eine rückhaltlose Aufklärung der Übergriffe von Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane an den Tagen um den 7. Oktober bemüht.
(Neues Deutschland, Do. 14.12.1989)

Die ersten Tatra-Lastzüge mit Munitionskisten aus dem Lager der IMES-GmbH Kavelstorf bei Rostock traten gestern in der NVA-Dienststelle Seltz im Kreis Altentreptow ein. Sie werden dort in Munitionsbunkern gelagert, bis der Ministerrat über ihre weitere Verwendung entscheidet. Insgesamt waren in Kavelstorf etwa 1 200 Tonnen Munition und rund 300 Tonnen Waffen abzufahren, darunter Maschinenpistolen vom Typ Kalaschnikow und leichte Maschinengewehre. Bis Sonntag soll das Lager geräumt sein. Zum Bestand zählen auch Bereifung für Flugzeug-Fahrwerke. Jagdgewehr-Munition sowie Handfeuerwaffen mit Sammlerwert aus Importen. Für die Einbunkerung der Handfeuerwaffen ist der Armee-Dienstort Warenhof vorgesehen.
(Berliner Zeitung, Do. 14.12.1989)

19 100 Armeeangehörige und Grenzsoldaten seien gegenwärtig in Betrieben und Kombinaten zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Aufgaben für die Versorgung der Bevölkerung sowie in Einrichtungen des Gesundheitswesens eingesetzt. Das teilte das Ministerium für Nationale Verteidigung mit. Weitere 2 000 Angehörige der NVA und Grenzer, vor allem Offiziersschüler, würden im Dezember in Bereichen der Kohle- und Energiewirtschaft arbeiten.
(Neues Deutschland, Do. 14.12.1989)

Der Verband deutscher Rentenversicherungsträger der BRD hat eine Änderung des sogenannten Fremdrentenrechts zur Diskussion gestellt. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Rudolf Kolb, bezweifelte gegenüber der Mainzer "Allgemeinen Zeitung", ob es weiterhin Aufgabe des bundesdeutschen Rentensystems sein könne, Rentenansprüche aus DDR-Zeiten ohne entsprechende Gegenleistungen zu befriedigen, „und zwar in einer Höhe, von der der Durchschnittsrentner in der DDR nur träumen kann". Kolb schlug bilaterale Vereinbarungen mit der DDR über die Lastenverteilung vor, wenn Rentner in das Gebiet des jeweils anderen Staates umziehen.
(Neues Deutschland, Do. 14.12.1989)

Das bundesdeutsche Geschehen des Jahres 1990 werde nicht von wehenden Fahnen der Wiedervereinigung bestimmt sein, sondern vom Druck fast einer Million Aus- und Übersiedler auf den Arbeits- und Wohnungsmarkt des Landes, prognostiziert der Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes (SPD). Die Übersiedlung von DDR-Bürgern in die BRD müsse deshalb gestoppt werden.
(Neues Deutschland, Do. 14.12.1989)

Im HO-Gartenklubhaus "Fritz Reuter" in Rostock bildet sich eine Ortsgruppe des Demokratischen Aufbruch.

Im Rostocker Rathaus konstituiert sich ein Bürgerrat.

Der Rat des Bezirks Rostock tritt zurück. Es wird ein neuer Rat gewählt. Es wird der Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Opfer des Stalinismus" beschlossen.

Das Autonome Frauenzentrum Berlin konstituiert sich.

Im VEB Elektroprojekt und Anlagenbau Berlin konstituiert sich ein Aktionskomitee "Neues EAB".

In der Markus-Gemeinde in Leipzig-Reudnitz findet eine Versammlung der SDP statt.

Durch Beschluss der Berliner Stadtverordnetenversammlung wird Erich Honecker die 1982 verliehenen Ehrenbürgerschaft von Berlin aberkannt.

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