DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 5. Dezember 1989


Nachdem Busfahrer die Stasizentrale in Suhl blockiert haben, stürmen Bürger das Gebäude. Es kommt zu geringem Sachschaden. Mitglieder des Neuen Forum setzen alles daran, dass die einen Tag zuvor versiegelten Räume nicht aufgebrochen werden. Was gelingt.

Am Nachmittag betreten eine Abordnung von Bürgern, Medien, Polizei und Staatsanwaltschaft das Bezirksamt für Nationale Sicherheit in Halle. Räume und Panzerschränke werden versiegelt. Gefordert wird die Reißwölfe in einen separaten Raum wegzuschließen. Die Anlage zum abhören von Telefongesprächen außer betrieb zu setzen und jegliche Bespitzelung der Bevölkerung einzustellen.

Die ehemalige Kreisdienststelle des MfS wird in Güstrow von Bürgerinnen und Bürgern besichtigt und anschließend versiegelt.

In Ueckermünde werden außer dem Zimmer des Leiters die Räume des Kreisamtes für Nationale Sicherheit versiegelt. Im Kreisamt für Nationale Sicherheit in Waren werden alle Räume durch den Kreisstaatsanwalt versiegelt. Das Objekt wird durch Angehörige des Kreisamtes für Nationale Sicherheit bewacht. Von der Bürgerinitiative in Templin wird ein Raum im Kreisamt für Nationale Sicherheit zur Überwachung der Dienststelle gefordert.

Vor dem Kreisamt für Nationale Sicherheit in Gotha versammelt sich eine Menschenmenge, um die Vernichtung von Akten zu verhindern. Dem Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit wird der Zutritt verweigert. Vor dem Gebäude war die ganze Nacht über Wache gehalten worden. Waffen und Munition wurde durch die Volkspolizei abtransportiert.

In Herzberg wird das Gebäude der Staatssicherheit von einem Bürgerkomitee und Staatsanwaltschaft besichtigt.

Versiegelungen finden in der MfS-Kreisdienststelle in Hoyerswerda statt.

Bei der Volkspolizei in Dresden wird am Vormittag wegen des Verdachts der Vernichtung von Beweismitteln Anzeige erstattet. Diensträume und Panzerschränke des Bezirksamtes für Nationale Sicherheit werden versiegelt. Es wird ein Bürgerkomitee gebildet.

An das Gebäude des Amtes für Nationale Sicherheit in Suhl wird das Graffito "Stasi raus es ist aus!" gesprüht.

Im Sitzungssaal des Stadthauses in Potsdam wird die Gründung eines Rat der Volkskontrolle beschlossen. Die Gründungsversammlung findet einen Tag später statt.

Link zu einem Bericht aus Potsdam.

In Erfurt bildet sich im Rathaus ein Bürgerkomitee aus Parteien und Bürgerinitiativen mit einem Bürgerrat.

In Rostock konstituiert sich ein unabhängiger Untersuchungsausschuss.

Militärstrafgefangene in Schwedt legen die Arbeit nieder. Sie veröffentlichen einen Forderungskatalog. Sie wählten 5 Vertreter für Verhandlungen.

Das Innenministerium teilt mit, die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" werden entwaffnet. Bewaffnung, Technik und spezielle Ausrüstung der Kampfgruppen werden vollständig in die Dienststellen der Organe des Ministeriums für Innere Angelegenheiten zurückgeführt.

Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands und die Liberaldemokratische Partei Deutschlands beendet ihre Mitarbeit im "Demokratischen Block".

Rudi Mittig und Gerhard Neiber vom Amt für Nationale Sicherheit werden von ihren Amt entbunden. Außerdem 17 Leiter von größeren Dienstbereichen Das Kollegium des Amtes für Nationale Sicherheit tritt geschlossen zurück.

Im Gebäude des Ministerrats in Berlin kommt es zu einem Gespräch zwischen Vertretern der DDR mit Hans Modrow an der Spitze und Bundesminister Rudolf Seiters. Anschließend wurde eine Presseerklärung abgegeben.

In Berlin kommt es zu einem Treffen zwischen dem Berliner Oberbürgermeister, Erhard Krack und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Walter Momper.

Nach dem Rücktritt des Politbüros und des Zentralkomitees der SED zwei Tage zuvor, wird von einem Angehöriger des Wachregiments Egon Krenz der Zutritt zum ZK-Gebäude nicht gestattet. Als er seinen Ausweis als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates vorzeigt, darf er passieren.

In Mühlhausen wird die örtliche SDP gegründet.

Als Einheit wird der SDP-Orts- und -Kreisverband Quedlinburg gegründet. Auf der 1. Kreisdelegiertenkonferenz am 30.01.1990 erfolgt die Trennung in Orts- und Kreisverband.

In der HO-Gaststätte "Glück Auf" in Pirna-Sonnenstein findet die erste Informationsveranstaltung der SDP statt.

Der Rat des Kreises Rostock tritt zurück.

In Greifswald und in Rostock konstituieren sich Untersuchausschüsse.

In Magdeburg bildet sich ein Bürgerkomitee.

Die Bürgerinitiative "Kinderbewegung in der DDR" bildet sich.

Der Rat der Stadt Gotha tritt zurück.

Das Gebäude der SED-Kreisleitung Finsterwalde wird wegen Verdachts auf Aktenvernichtung kontrolliert. Pikanterweise gehören zu den Kontrolleuren auch Vertreter von CDU und NDPD, die selber kontrolliert gehören.

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