DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 25. März 1990


Das Tauziehen um die künftige DDR-Regierung hält an, wobei das Wochenende keine grundsätzlichen Änderungen der Positionen brachte. Wichtigstes Gesprächsthema in Ost und West war erneut eine Beteiligung der SPD an der Regierung.

SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine steht, so erklärte er, einer Regierungsbeteiligung der DDR-SPD nicht im Wege. Eine künftige Regierung der DDR werde auch mit Beteiligung der SPD die Versprechen einklagen, die Bundeskanzler Helmut Kohl abgegeben habe. Er riet seinen Parteifreunden allerdings, bei der Koalitionsabsage an die DSU zu bleiben.

Für ernsthafte Sondierungsgespräche mit der CDU sprach sich das Vorstandsmitglied der DDR-SPD, Konrad Elmer, aus. Demgegenüber befürchtet Präsidiumsmitglied Christoph Matschie, seine Partei könne in einer Großen Koalition das "fünfte Rad am Wagen" sein. Aus der Pressestelle der DDR-SPD war bisher verlautet worden, die Informationsgespräche mit der CDU könnten frühestens nach Bildung der CDU-Fraktion am Dienstag beginnen. Heute wollen Präsidium und Fraktion der Sozialdemokraten die Gesprächsgruppe der Partei bestimmen sowie sich über inhaltliche und andere Fragen einigen.
(Berliner Zeitung, Mo. 26.03.1990)

Eine Vereinigung der Wirtschaftsjuristen und Justitiare wurde in Potsdam-Babelsberg gegründet. Justitiare aus Kombinaten, Betrieben und Organisationen diskutierten über Ziele und Aufgaben des parteiunabhängigen Berufsverbandes, der konsequent für einen demokratisch legitimierten Rechtsstaat, für Gesetzlichkeit und Rechtssicherheit eintreten will.
(Neue Zeit, Mo. 26.03.1990)

Am Sonntag begannen - obwohl mancher Zweifel hegte - für etwa 150 000 Vierzehnjährige die Jugendweihefeiern. (Zum Vergleich: 178 000 Schüler besuchen die 8. Klassen.) Die Jugendlichen und ihre Eltern wollen auf diese Weise den Lebensabschnitt Kindheit festlich beenden. Die Wende 1989 befreite auch die Jugendweihe von ihrem bisherigen Korsett. Frei von ideologischen Überhöhungen, ganz nach den Wünschen der Mädchen und Jungen und ihrer Eltern, sollen die Feiern 1990 stattfinden.

Was die Schüler in den Wochen und Monaten vor ihrem Festtag erlebten, haben sie sich selbst zusammengestellt und organisiert. Losgelöst von der Schule, gibt es dennoch viele freiwillige Helfer, auch Pädagogen, die den Jugendlichen zur Seite stehen. Das Jugendweihegeschenk wird ein Bücherscheck oder eine kleine Aufmerksamkeit nach Wahl der jungen Leute sein. Das lebensfremde Gelöbnis ist Vergangenheit.
(Neues Deutschland, Mo. 26.03.1990)

Während vielerorts, auch im Bezirk Halle, in Erwartung der sozialen Marktwirtschaft Betriebsdirektoren ihre Finanzen "zusammenhalten" und verkünden, dass vor allem Gelder für kulturelle Zwecke nicht mehr wie gewohnt fließen werden, veranstaltete das Chemiekombinat Bitterfeld am Wochenende gemeinsam mit dem Kulturbund das "2. Bitterfelder Kolloquium". Zugleich wurde eine Ausstellung mit Ergebnissen des 1. Bitterfelder Grafik-Pleinairs eröffnet.
(Neues Deutschland, Di. 27.03.1990)

Nach ihrem Erstflug von Frankfurt (Main) nach Dresden landete am Sonntag eine Boeing 737 der Deutschen Lufthansa auf dem Flughafen der Elbestadt. Die Route ist eine der planmäßigen Verbindungen, die von der BRD-Fluggesellschaft mit Beginn des Sommerflugplanes eröffnet werden. Ebenfalls am Sonntag traf die Premieren-Linienmaschine aus München in Dresden ein. Wöchentlich bestehen jetzt 31 Verbindungen zwischen Dresden und Leipzig sowie Städten der Bundesrepublik.
(Neues Deutschland, Mo. 26.03.1990)

Ein Camping- und Caravan-Verband (CCV) der DDR wurde am Wochenende in Berlin gegründet Als Ziel setzt sich der CCV, Campern schöne Erlebnisse im In- und Ausland zu verschaffen. Dazu sollen eigene Campingplätze entstehen beziehungsweise schon vorhandene nach internationalem Standard ausgebaut werden.
(Neues Deutschland, Di. 27.03.1990)

Δ nach oben