Fr. 30. März 1990


NVA-Soldaten des mot. Schützen-Regiments Oranienburg haben am Freitag mit umfassenden Grabungen im Schmachtenhagner Forst bei Oranienburg begonnen, Es wird vermutet, dass dort zwischen 200 und 1 000 Opfer des sowjetischen NKWD-Speziallagers Nr. 7 in Sachsenhausen nach 1945 heimlich verscharrt wurden. Mehrere Skelett- und Knochenfunde sowie Verwitterte Identitätsmarken schon kurz nach Grabungsbeginn lassen auf ein größeres Gräberfeld schließen. Die für das Territorium zuständigen Staatsanwälte empfahlen die Bildung einer Regierungskommission.

Bereits am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass in Fünfeichen am Stadtrand von Neubrandenburg Massengräber mit schätzungsweise 2 000 Opfern stalinistischer Internierungs- lager gefunden worden waren.

Zu den jüngsten Ermittlungen über die Verbrechen in der Zeit des Stalinismus erklärte Hans Jacobus, Mitglied des DDR-Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer, am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin, sie seien nicht gleichbedeutend mit einem Ende des Antifaschismus. Gerade in der Gegenwart gelte es, antifaschistisches Gedankengut zu wahren und weiterzugeben.

Im April wird in der DDR wie alljährlich der deutschen und ausländischen Häftlinge gedacht, die in faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern eingekerkert waren. So sollen in Brandenburg, Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück Kranzniederlegungen stattfinden.

Jacobus erinnerte daran, dass zahlreiche Verfolgte des Naziregimes - Gläubige verschiedener Konfessionen, Bibelforscher, Homosexuelle, Zwangssterilisierte in der Vergangenheit nicht als solche anerkannt wurden. Das müsse endlich geschehen.
(Berliner Zeitung, Sa. 31.03.1990)

Der ehemalige 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Hans-Joachim Böhme, der auch dem einstigen Politbüro angehörte, wurde am Freitag auf Anordnung des Staatsanwaltes des Bezirkes Halle aus der Untersuchungshaft entlassen. Unter Berücksichtigung des bisherigen Untersuchungsergebnisses ist die Fortdauer der Haft nicht mehr unumgänglich. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Gegen Böhme war im Januar dieses Jahres Haftbefehl erlassen worden. Ihm wurde vorgeworfen, "zum eigenen Vorteil untreue Handlungen auf Kosten des sozialistischen und Parteieigentums in Höhe von 170 000 Mark begangen oder bewirkt zu haben".
(Berliner Zeitung, Sa. 31.03.1990)

Die NATO-Zugehörigkeit ganz Deutschlands sei für ihn unabdingbar, erklärt Kohl.

Zunächst sei nur daran gedacht pro Kopf 2 000.- Mark im Verhältnis 1:1 umzutauschen. Alle anderen Konten würden 2:1 umgetauscht. Ein entscheidendes Problem seien die Schulden der Betriebe.

Er ist sich sicher, dass die Einführung der DM in der DDR einen großen Boom zur Folge haben werde.

Es werde keine Steuererhöhung geben, aber Umschichtungen im Finanzsystem.

Im Herbst werde in der DDR Landtagswahlen durchgeführt und gesamtdeutsche Wahlen in der zweiten Hälfte 1991.

Sein Interesse sei es nicht, von der Europäischen Gemeinschaft mehr Geld zu erhalten. Ängste von Griechenland und Irland habe er bereits in Brüssel besänftigt.

In London trifft sich die britische Premierministerin Margaret Thatcher mit Bundeskanzler Helmut Kohl zu einem Gespräch.

Margaret Thatcher kündigte an, ihre Regierung beabsichtige Englischlehrer in die DDR zu schicken.

Sie bericht, dass Tadeusz Mazowiecki bei einem Besuch in London vom 12.-14.02. sich bereit erklärt, sowjetische Truppen in Polen zu behalten, damit diese ihrerseits die sowjetische Truppen in der DDR versorgen.

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