Bonn (ADN). Bei ihrer zweiten Arbeitsrunde hat am Montag die gemeinsame deutsch-deutsche Expertenkommission zur Vorbereitung einer Wirtschafts- und Währungsunion im Finanzministerium in Bonn weitere Fortschritte erzielt. Das teilte die Pressestelle. des Ministeriums nach Abschluss der Beratung mit. Auf der Grundlage der bisherigen Ergebnisse der Arbeitsgruppen für Währung, Wirtschaftsreform, Finanzen und soziale Sicherheit seien offene Fragen vertieft erörtert worden. Es bestehe Einvernehmen, die Gespräche fortzusetzen und weiterhin vertraulich zu behandeln.
Vor Beginn der Verhandlungen hatte der Leiter der DDR-Delegation, Minister Dr. Walter Romberg, die Arbeit der Kommission mit einer schwierigen Bergbesteigung verglichen, auf die man sich gut vorbereitet habe. "Uns liegt daran, zu einem guten Vertrag zu kommen, der vor allem auch die Fragen des sozialen Netzes so realisiert, wie das die Menschen in meinem Lande erwarten", sagte der Minister. Nachdrücklich verurteilte er die Verbreitung von Gerüchten über Einzelheiten einer Währungsunion, die nicht zu einer guten Atmosphäre beitrügen. Auch Bundesbank-Vizepräsident Dr. Helmut Schlesinger wies Behauptungen, die Bundesbank habe bereits ein Konzept für eine Währungsunion vorliegen, zurück.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat indes vor übereilten Schritten in eine Währungsunion mit der DDR gewarnt. Wenn die Mark der DDR durch die D-Mark ersetzt werde, noch bevor dort "umfassende Wirtschaftsreformen" verwirklicht seien, werde das in der DDR vor allem die Nachfrage nach Konsumgütern aus der Bundesrepublik steigern. Entsprechend ginge die Nachfrage nach Gütern der DDR zurück. Es entstünde Arbeitslosigkeit: die Abwanderung würde noch größer werden.
Im Zusammenhang mit der Währungsunion werden auch Fragen des Kaufkraftüberhanges diskutiert werden müssen. Ob allerdings der Vorschlag des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, den DDR-Bürgern gefallen dürfte, bleibt fraglich. Er schlug vor, die große Zahl staatlicher Wohnungen an ihre Bewohner zu verkaufen. Bei einem Verkauf von 2,8 Millionen Wohnungen zu einem Preis von durchschnittlich 30 000 DDR-Mark könnten 84 Milliarden Mark abgeschöpft werden. Wenn dieses Geld bei der Bank stillgelegt werde, könnten die Spareinlagen von rund 180 Milliarden DDR-Mark auf etwa die Hälfte verringert und der Geldüberhang auf ein stabilitätspolitisch gewünschtes Maß reduziert werden, meinte Wissmann.
Die Gespräche der Expertenkommission sollen am 13. März in Berlin fortgesetzt werden.
(Neues Deutschland, Di. 06.03.1990)
Bonn (ADN-Korr.) Ihre zweite Arbeitsrunde hat am Montag die gemeinsame deutsch-deutsche Expertenkommission zur Vorbereitung einer Wirtschafts- und Währungsunion im Finanzministerium in Bonn begonnen. Der Leiter der BRD-Delegation. Staatssekretär Dr. Horst Köhler, erklärte, es handele sich um ein schwieriges und vertrauensvolles Gespräch, man sei jedoch "auf einem guten Weg". Er sprach die Hoffnung au, dass man wie bisher auch weiter gut vorankomme. Die erste Runde der Gespräche in Berlin war "sehr effektiv".
Die DDR-Seite legt ein "Konzept der Voraussetzungen, Bedingungen und Maßnahmen zur Bildung einer Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft" vor.
Der Leiter der DDR-Delegation, Minister Dr. Walter Romberg: "Uns liegt daran, zu einem guten Vertrag zu kommen, der uns die Währungs- und Wirtschaftsgemeinschaft ermöglicht und vor allem auch die Fragen des sozialen Netzes so realisiert, wie das die Menschen in meinem Lande erwarten." Nachdrücklich verurteilte er die Verbreitung von Gerüchten über Einzelheiten einer Währungsunion, die nicht zu einer guten Atmosphäre beitrugen. BRD-Staatssekretär Bernhard Jagoda sagte: "Wir hoffen auf ein gutes Ergebnis."
(Tribüne, Di. 06.03.1990)
2. deutsch-deutsches Expertengespräch zur Vorbereitung der Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft. Die DDR übergibt ein "Konzept der Voraussetzungen, Bedingungen und Maßnahmen zur Bildung einer Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft zwischen der DDR und der BRD sowie der Einführung der D-Mark als einheitliche Währung zu einem Stichtag".
Das 1. Gespräch fand am 20.02. und das Abschlussgespräch am 13.03.1990 statt.