Di. 6. März 1990


Es wächst schnell zusammen, auch in Berlin. Da treffen sich die Parlamente von Köpenick und Charlottenburg, Hellersdorf und Tiergarten - Gemeinsamkeiten überall.

Mitunter ist es aber rasch vorbei mit eitel Freud und Gastlichkeit. Spätestens, wenn es um die eigene Macht geht. Das haben Vertreter von Parteien und Rundem Tisch aus Prenzlauer Berg während eines Besuchs bei Kreuzberger Kollegen erfahren müssen. Am Vormittag noch durchaus freundlich begrüßt, gab es die Überraschung am Abend in der Bezirksverordnetenversammlung. Dort hörten die verstörten Gäste einen Antrag der CDU, wonach die "Kontakte mit den Verantwortlichen des Stadtbezirks Prenzlauer Berg bis zu den Wahlen auf das Nötigste zu beschränken" seien - ausgenommen "in der Vergangenheit unbelastete Gruppen".

"Eine Frechheit!", erwiderte der Sprecher der regierenden SPD, "zumal sich Ost- und West-CDU schon im Schöneberger Rathaus treffen." "Ein Tritt vor das Schienbein der Prenzlauer", meinte die AL.

Der CDU-Antrag wurde schließlich abgelehnt, und man entschuldigte sich bei den Gästen aus Ostberlin.

Für die war es sicher kein schönes Gefühl, für parteipolitische Machtkampfe missbraucht zu werden. Und ein Vorgeschmack auf fairen Umgang in einer Demokratie eben sowenig.
(Berliner Zeitung, Di. 06.03.1990)

Ein Deutscher Bühnenverband der DDR konstituiert sich in Berlin. Als Verbandspräsident wird Gero Hammer gewählt.

Zwischen dem Berliner Oberbürgermeister, Christian Hartenhauer und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, werden gemeinsame Verwaltungseinrichtungen vereinbart.

Der Bund der Vertriebenen (BdV) hat eine Volksabstimmung unter internationaler Aufsicht zur verbindlichen Festlegung der deutschen Ostgrenze gefordert. Dabei sollten die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten lebenden Polen und Deutschen sowie alle Vertriebenen, auch die in Übersee, über einen Verbleib der Gebiete bei Polen, den Zutritt zu Deutschland oder eine Europäisierung abstimmen, sagte der BdV Generalsekretär Hartmut Koschyk in München.

Darüber hinaus müssten die Forderungen der Vertriebenen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Mark "auf den Tisch", sagte Koschyk. Sie könnten gegen angebliche Forderungen Polens von 537 Milliarden Mark "aufgerechnet" werden. Der BdV verwahre sich gegen eine "Annexionspolitik" und ein "Grenzanerkennungsdiktat" Polens und lehne eine "ersatzlose Preisgabe der deutschen Ostgebiete ab". Der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien und frühere Bundestagsabgeordnete Herbert Hupka verlangte in Hannover sogar eine Revision der polnischen Westgrenze.
(Süddeutsche Zeitung, Mi. 07.03.1990)

Während seines Wahlkampfbesuchs in Chemnitz besucht der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt den Roten Turm, in dem einst August Bebel einsaß.
(Plattform in der fp, Freie Presse, Fr. 09.03.1990)

Ein Magdeburger ist das erste männliche Mitglied im Demokratischen Frauenbund Deutschlands.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper (SPD), tritt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Fürstenwalde auf.

Auf dem Arnstädter Markt findet eine Wahlkundgebung der Parteien CDU, DA und DSU der "Allianz für Deutschland" statt.

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