DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Sa. 21. April


Auf dem Gebiet der heutigen DDR werde die Nationale Volksarmee so lange bestehen, wie in Europa zwei Militärbündnisse, die NATO und der Warschauer Vertrag, existieren. Das erklärte der Minister für Abrüstung und Verteidigung der DDR, Rainer Eppelmann, am Sonnabend in einem TASS-Interview. Die sowjetischen Truppen in der DDR würden so lange hier verbleiben, wie auf dem Territorium der BRD NATO-Truppen stationiert sind. Eppelmann äußerte seine Anerkennung für die zurückhaltende, ruhige Haltung der NVA-Führung, die einen würdigen Beitrag bei den demokratischen Umgestaltungen im Land geleistet habe.

Durch Fortschritte bei den Wiener Verhandlungen könnten rasch die Kürzung des Militärbudgets und weitergehende Reduzierungen der Truppen und Rüstungen in Mitteleuropa in Angriff genommen werden. Eppelmann kündigte kühne Schritte bei der Konversion der militärischen Produktion an.
(Neues Deutschland, Mo. 23.04.1990)

Für die Beibehaltung der allgemeinen zwölfmonatigen Wehrpflicht in der DDR als "ein Stück Demokratie" sprach sich Rainer Eppelmann am Sonntag im Südwestfunk aus. Truppen der Alliierten könnten "in stark verdünnten Kontingenten" stationiert bleiben. Darüber hinaus kündigte er "einseitige und vernünftige Schritte" auf dem Gebiet der Abrüstung an. Sein Ziel sei eine "nicht mehr kriegsverwendungsfähige Nationale Volksarmee". Die DDR werde sich jedoch an geltende Verträge und Bündnisverpflichtungen gegenüber dem Warschauer Vertrag halten.
(Neues Deutschland, Mo. 23.04.1990)

Auf dem Sonderparteitag des Demokratischen Aufbruchs wurde Rainer Eppelmann zum Vorsitzenden gewählt. Die Delegierten von rund 10 000 Mitgliedern beschlossen, aus dem Parteistatut alle Passagen zu streichen, die sich auf die DDR und ihre Verfassung beziehen.
(Neues Deutschland, Mo. 23.04.1990)

Der Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer in Potsdam hat eine Initiative für ein dem "unbekannten Deserteur" gewidmetes Denkmal ins Leben gerufen. Wie die evangelische Wochenzeitung "Potsdamer Kirche" in ihrer Wochenendausgabe schreibt, wollen die Initiatoren dem Vergessen von toten wie lebenden Deserteuren entgegentreten.

Es wird daran erinnert, dass schon im 18. Jahrhundert in Potsdam Rekruten kaserniert wurden und eine Flucht aus der Stadt bestraft wurde.
(Neue Zeit, Do. 26.04.1990)

I. Konferenz des INTERFORUM

Vom 21.-23.4.1990 findet in Berlin, in den Räumen der Akademie der Künste, eine internationale Konferenz verschiedener Bürgerbewegungen statt.

Eingeladen dazu haben dazu die chinesische Oppositionsbewegung FDC (Föderation für ein demokratisches China), das Neue Forum sowie Demokratie Jetzt und die Initiative Frieden und Menschenrechte. Schwerpunktthemen werden der Erfahrungsaustausch auf dem Weg zur Demokratie, die verschiedenen Wirtschaftskonzepte, die Rolle der Religion und der Umgang mit separatistischen und Vereinigungsforderungen sein.

Die Veranstaltungen im Plenarsaal (R.-Koch-Pl.) und das Abschlusstreffen mit chinesischer und europäischer Musik am 22.4. um 19.30 Uhr im Hotel Stadt Berlin sind öffentlich (Eintritt frei).

Arbeitsausschuss NEUES FORUM
(Berliner Zeitung, Sa. 21.04.1990)

An diesem Wochenende wird sich in der Pfarrei Corpus Christi der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) konstituieren. Am Beginn der Gründungsversammlung wird ein grundlegendes Referat des Erfurter Moraltheologen Msgr. Prof. Dr. Wilhelm Ernst zu den Prinzipien der katholischen Soziallehre und der Wirtschaftsethik stehen. Prof. Ernst hat sich darüber hinaus bereit erklärt, die Arbeit des BKU als geistlicher Berater zu begleiten.

Auf der Tagung soll das Programm des neuen Verbandes, das sich ethisch-moralisch an den Grundlagen der katholischen Soziallehre orientiert, bestätigt und ein Vorstand gewählt werden.
(Neue Zeit, Sa. 21.04.1990)

Die letzte Nummer der "originären ddr-taz" erscheint. Die ddr-taz erscheint als Regionalausgabe der gesamt-taz weiter.

In Berlin-Mitte wird der Unabhängige Historiker-Verband gegründet.