DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


So. 15. April


Der zurückgetretene Vorsitzende der DDR-SPD, Ibrahim Böhme, trägt die Beteiligung seiner Partei an der neuen DDR-Regierung nicht mit. Böhme begründete seine Haltung in einem Gespräch mit "Bild am Sonntag" mit den Worten: "Für mich ist eine Beteiligung an einer Regierung zusammen mit der DSU jenseits der Schmerzgrenze. Das kann ich nicht mittragen." Die Zeitung hatte den Politiker bei Freunden in der italienischen Toscana aufgespürt.

Was seine angebliche Stasi-Mitarbeit angehe, werfe sich Böhme als einziges "eine zu große Offenheit bei Gesprächen" vor, durch die er "vielleicht Freunde unwissentlich gefährdet" habe. "Es gab niemals eine Verpflichtungserklärung", und nie habe er Geld oder geldwerte Vorteile empfangen.

Seine Parteiämter habe er niedergelegt, "weil durch ständige Angriffe gegen mich die SPD belastet worden wäre". Er sei jetzt "unendlich müde und kaputt". Den angeblichen Selbstmordversuch dementierte Böhme energisch: "In keinem Moment in den letzten Monaten habe ich die Absicht gehabt, aus dem Leben zu scheiden." Mitte dieser Woche wolle er wieder nach Berlin zurückkehren und sein Volkskammer-Mandat antreten. Er strebe allerdings "vorläufig" keine Ämter an.
(Neues Deutschland, Di. 17.04.1990)

Morgen wird im Deutschen Fernsehfunk eine Kirchenredaktion die Arbeit aufnehmen. Leiter ist der bisherige Referent des DDR-Kirchenbundes für die Rundfunk- und Fernseharbeit, Volker von der Heydt. Neben zehn Gottesdienstübertragungen sind sechs religiöse Sendungen, drei Magazine sowie aktuelle Beiträge vorgesehen.
(Neue Zeit, Sa. 14.04.1990)