DDR 1989/90Brandenburger Tor


Fr. 13. April 1990


Der ehemalige Ministerpräsident Hans Modrow sowie die Kulturpolitiker Klaus Höpcke und Lothar Bisky übermittelten folgende Erklärung:

Radio DDR II sieht die Erfüllung seines Kulturauftrages und seiner Funktionsfähigkeit durch bevorstehende Umgestaltungen in der regionalen Rundfunkstruktur gefährdet. Vierzig namhafte Künstler und Wissenschaftler haben in einer Pressemitteilung auf Entscheidungsängste der Rundfunkleitung aufmerksam gemacht. Sie weisen die Öffentlichkeit darauf hin, dass eine Erweiterung der Regionalprogramme nicht auf Kosten der einzigen Kultur- und Bildungsalternative des DDR-Rundfunks gehen kann. Audi wir treten für die Erhaltung von Radio DDR II ein, um die kulturelle Vielfalt zu fördern und für Künstler und Kulturschaffende Wirkungsmöglichkeiten sowie für kulturinteressierte Hörer Angebote zu erhalten und zu entwickeln. Wir werden alle diesbezüglichen Aktivitäten unterstützen.
(Neues Deutschland, Sa. 14.04.1990)

Der Hamburger Zeitschriftenverlag Heinrich Bauer kooperiert jetzt mit vier Tageszeitungen in der DDR. Wie der Verlag auf Anfrage bestätigte, wurden mit der "Magdeburger Volksstimme" und der "Märkischen Oderzeitung" (Frankfurt/Oder) geschlossen. Bereits im März waren mit der "Schweriner Volkszeitung" und dem Verlag "Freie Erde/Nordkurier" (Neubrandenburg) entsprechende Vereinbarungen getroffen worden.
(Neues Deutschland, Sa. 14.04.1990)

Mitglieder des DDR-Behindertenverbandes kamen am Freitag in Berlin zu ihrem Gründungskongress zusammen. An den zweitägigen Beratungen nehmen Delegierte aus allen fünf Länderverbänden teil.

In seinem Rechenschaftsbericht verwies der amtierende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Ilja Seifert, darauf, dass es bereits in den ersten Tagen der breiten öffentlichkeitswirksamen Volksbewegung Menschen mit Behinderung waren, die auf jahrzehntelange Missstände lautstark aufmerksam machten. Spontan hätten sich damals Initiativgruppen zur Bildung eines Behindertenverbandes gebildet.

Für den Verband stellt sich als wichtigste Aufgabe die sozialpolitische Interessenvertretung seiner Mitglieder, nach außen - der Regierung, dem Parlament und anderen gegenüber. Mindestens jeder zehnte Bürger der DDR lebt mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung.
(Neues Deutschland, Sa. 14.04.1990)

Wenig Verständnis hat der CDU/CSU-Fraktionschef Alfred Dregger für den Wunsch der neuen DDR-Regierung gezeigt, bei der Einführung der Marktwirtschaft bisherige soziale Errungenschaften zu bewahren. Es gebe "keine sozialen Errungenschaften" des "maroden sozialistischen Systems", teilte er in einer am Freitag in Bonn veröffentlichten Erklärung mit. Entsprechende Bemühungen der DDR-Regierung bezeichnete er als Zeitverschwendung. Die amerikanische Nachrichtenagentur AJP schrieb über die Erklärung Dreggers, er weise die neue DDR-Regierung zurecht.
(Neues Deutschland, Sa. 14.04.1990)

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher hat seine Amtskollegen in den Ländern der Europäischen Gemeinschaften schriftlich gebeten, die Sichtvermerkspflicht für DDR-Bürger so schnell wie möglich aufzuheben. Das bestätigte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Hanns Schumacher, am Freitag gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP. Angesichts der anlaufenden Reisezeit sehe der Minister "dringenden Handlungsbedarf".
(Neues Deutschland, Sa. 14.04.1990)