DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Fr. 20. April 1990


71 volkseigene DDR-Betriebe sind bisher in Kapitalgesellschaften umgewandelt worden. Damit seien ein Prozent aller VEB in neue Rechtsformen überführt. Darüber informierte der Vorsitzende des Direktoriums der Treuhandanstalt der DDR, Dr. Peter Moreth. Die Treuhandanstalt nimmt in den Aktiengesellschaften und GmbH die Gesellschafterrechte wahr und hält 100 Prozent des Stammkapitals. Die Treuhandschaft über das gesamte Volksvermögen hatte die Institution bereits mit ihrer Gründung am 1. März 1990 übernommen.

Moreth zufolge haben mehrere westliche Unternehmen Interesse an Beteiligungen bekundet. Der Verkauf von Volkseigentum an Dritte beispielsweise über Aktien - sei jedoch derzeit nicht möglich. Dazu wären Beschlüsse von Volkskammer und Regierung nötig.

In den Aufsichtsräten der Kapitalgesellschaften sitzen jeweils vier Vertreter der Belegschaft, einschließlich eines leitenden Mitarbeiters, vier durch die Treuhandstelle bestimmte Personen und ein durch die anderen acht gewähltes Aufsichtsratsmitglied.

"Wir haben das große unteilbare Volksvermögen in marktgerechte Formen zu bringen", charakterisierte Moreth die Aufgabe der Treuhandanstalt. Dabei sei sie der Volkskammer rechenschaftspflichtig. Wenn das Parlament die Möglichkeit schaffe, Volkseigentum zu veräußern, wolle man an die Börse gehen. Dort sollen dann je nach Kapitalbedarf eines Unternehmens Aktien verkauft werden.
(Neue Zeit, Sa. 21.04.1990)

Für einen Zusammenschluss der DDR-CDU mit ihrer BRD-Schwesterpartei noch in diesem Jahr sprachen sich am Freitag in Wiesbaden der thüringische CDU-Landesvorsitzende Uwe Ehrich und der hessische CDU-Generalsekretär Franz Josef Jung aus. Dieser Schritt auf Parteiebene solle der politischen deutschen Einheit vorangehen.

Ehrich und Jung vereinbarten in diesem Sinne, unter dem Motto "Hessen - Thüringen - das Herz Deutschlands in Europa" am 28. April in Eisenach die erste gemeinsame Landeskonferenz zu veranstalten, zu der Ehrich auch die Landesverbände von DA und DSU eingeladen hat.
(Neue Zeit, Mo. 23.04.1990)

Ein Bundesverband der Deutschen Sozialen Union (DSU) ist als "konservative Alternative zum bestehenden Parteienspektrum" in Kiel gegr√ľndet worden. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichtet, werde die Partei mit Blick auf eine m√∂gliche gesamtdeutsche Wahl 1991 in den kommenden Monaten den Organisationsaufbau vorantreiben und eine Zusammenarbeit mit der DSU in der DDR anstreben.
(Neues Deutschland, Fr. 20.04.1990)