DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Mo. 11. September


Die Partei- und Staatsführung der DDR nimmt offiziell zur Öffnung der ungarischen Grenze nach Österreich und dem Massenexodus von DDR-Bürgern nicht Stellung. Lediglich die Nachrichtenagentur verbreitet eine agitatorische aufgeheizte Stellungnahme unter der Überschrift "Der 'große Coup' aus der BRD". Darin heißt es u. a.:

"(...) Es ist bedauerlich, dass sich Vertreter der Ungarischen Volksrepublik zur Verletzung von Abkommen und Vereinbarungen verleiten ließen. Völkerrecht und internationale Vereinbarungen können in keiner Weise als Rechtfertigung für diese Entscheidung angerufen werden (...). Die Vertreter aus Bonn nutzten die ungarische Haltung für ihre antisozialistischen und revanchistischen Ziele weidlich aus. Dieser Coup aus der BRD ist weder eine zufällige noch vereinzelte Aktion. Er ist Bestandteil des Kreuzzuges des Imperialismus gegen den Sozialismus insgesamt, wobei für die einzelnen sozialistischen Bruderstaaten von Berlin bis Peking jeweils spezielle Rezepte verordnet werden. (...) Der Sieg des Sozialismus auf deutschem Boden, die 40jährige erfolgreiche Entwicklung des sozialistischen deutschen Staates - das ist doch zugleich die historische Niederlage des deutschen Imperialismus. (...)"
(ND, 12.9. 1989)

Aus der BRD-Stadt Passau berichtet ADN-Korrespondent Horst Schäfer aus Auffanglagern des bayerischen Grenzgebietes für DDR-Übersiedler. "Neues Deutschland" (12. 9. 1989) versieht den Beitrag mit der, Überschrift: "Provokation gegen die DDR stabsmäßig organisiert. Eiskaltes Geschäft mit DDR-Bürgern - Silberlinge für Ungarn".

aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 1. Folge 2. Auflage Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0582-4