DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Do. 21. September


ADN berichtet:

"Der Minister des Innern der DDR teilt mit, dass ein von zwei Personen unterzeichneter Antrag zur Bildung einer Vereinigung 'Neues Forum' eingegangen ist, geprüft und abgelehnt wurde. Ziele und Anliegen der beantragten Vereinigung widersprechen der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik und stellen eine staatsfeindliche Plattform dar. Die Unterschriftensammlung zur Unterstützung der Gründung der Vereinigung war nicht genehmigt und folglich illegal. Sie ist ein Versuch, Bürger der Deutschen Demokratischen Republik über die wahren Absichten der Verfasser zu täuschen."
(ND, 22.9.1989)

Den Aufruf des Neuen Forum haben bis dahin 3 000 Menschen unterschrieben.

In der von dem SED-Politbüromitglied und für Medienpolitik verantwortlichen ZK-Sekretär Joachim Herrmann angewiesenen agitatorischen Erwiderungen auf den Massenexodus von DDR-Bürgern über Ungarn hebt sich der Bericht des 39jährigen Berliner Mitropa-Kochs Hartmut Ferworn (SED) über den "Menschenhandel mit DDR-Bürgern" besonders hervor:

"(...) Am 11. September kam ich mit dem Corvina-Express in Budapest an. Bis zur Rückfahrt hatte ich rund sechs Stunden Zeit, wollte etwas essen, ein bißchen bummeln, was man eben so macht. In einem Bistro (...) setzt sich plötzlich ein junger Mann zu mir. (...) Er sprach Leipziger Dialekt und sagte mir auf den Kopf zu: Sie sind doch der Mitropa-Koch aus dem 'Corvina'. (...) Als wir dann ins Gespräch kamen, bot er sich an, mir interessante Ecken der Stadt zu zeigen, die ich noch nicht kannte. Er müsse vorher nur noch Gepäck bei seiner Gastgeberin abstellen und bat mich mitzukommen. In der ganz normalen Altbauwohnung bot mir eine gut deutsch sprechende Ungarin zunächst einen Kaffee und dann eine Menthol-Zigarette an. Sie schmeckte irgendwie komisch, und nach wenigen Minuten fielen mir die Augen zu, schwanden mir die Sinne. (...)" Derart betäubt sei er in einen Reisebus nach Wien verfrachtet worden. "(...) Offensichtlich hat man mir ein Betäubungsmittel gegeben, wie ich jetzt erfahren habe, eine beliebte Methode westlicher Geheimdienste und ihrer Handlanger. (...) Ich sagte dem 'Fremdenführer': Ich will doch gar nicht in die BRD. Er feixte nur: 'Mitgefangen, mitgehangen. Jetzt geht's erst mal in die BRD-Botschaft nach Wien.' Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und überlegte krampfhaft, wie ich da herauskomme. (...)" Nach Aufenthalt in der BRD-Botschaft in Wien, einer Einweisung ins Hotel Aquila zur Übernachtung konnte er "diesen professionellen Menschenhändlern" schließlich wieder entkommen: "ich nutzte die erstbeste Gelegenheit, um telefonisch Kontakt mit der DDR-Botschaft in Wien aufzunehmen. Dort sagte man: 'Selbstverständlich helfen wir Ihnen, wieder nach Hause zu kommen.' Man schenkte mir Vertrauen. Am Donnerstag, dem 14. September, war ich wieder in der Heimat. (...) Ich habe am eigenen Leibe erfahren, wie der Menschenhandel funktioniert, wie Bürger unseres Landes in die BRD geschleust werden - wenn es sein muss, auch gegen ihren Willen, auf verbrecherische Weise."
(ND, 21.9.1989)

Diese Story löst in weiten Kreisen der DDR-Bevölkerung herzhafte Lacher aus.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 1. Folge, 2. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0582-4

Grundlegende Bedingung für den Frieden sei die Unverletzlichkeit der Grenzen, die Achtung der territorialen Integrität und der Souveränität aller Staaten in Europa, wie es auch die Vorsitzenden von DGB und FDGB, Ernst Breit und Harry Tisch, vergangene Woche bekräftigt hatten. Das betonten der FDGB-Bezirksvorsitzende von Gera, Günter Müller, und der bayerische DGB-Landesvorsitzende, Jakob Deffner, am Donnerstag in München. In einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss des Besuchs einer Delegation des FDGB-Bezirksvorstandes Gera beim bayerischen DGB sprachen sich beide Seiten für die Fortführung des Abrüstungs- und Entspannungsprozesses aus. Zugleich brachten sie ihre tiefe Besorgnis über das Erstarken rechtsextremistischer und neonazistischer Kräfte in der BRD zum Ausdruck.
(Neues Deutschland, Fr. 22.09.1989)

Der stellvertretende Kulturminister, Klaus Höpcke, sprach in einem Vortag in der Kunsthochschule in Berlin darüber, nachzudenken, welche Umstände des Lebens bei uns in diesem oder jenem den Wunsch entstehen zu lassen, das Land zu verlassen.

Durch eine zielgerichte Einflussnahme sei die Gründung des Neuen Forum in Erfurt verhindert worden, meldete das MfS. Es sei gelungen die Diskussion so zu lenken, dass statt über die Gründung über die zu erwartenden strafrechtlichen Sanktionen gesprochen wurde.

Gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Verkehrskombinat Potsdam und dem ADAC der BRD wird die Anzahl der auf den Transitstrecken eingesetzten Pannenhilfsfahzeuge von bisher 12 um 15 Fahrzeuge erhöht.

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