DDR 1989/90Brandenburger Tor

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So. 3. September


In Leipzig wird die Herbstmesse eröffnet. Die Rundgangzeremonie der DDR-Staatsführung erfolgt unter Leitung des Vorsitzenden des Ministerrates und Politbüromitglieds Willi Stoph. Die SED-Zeitung "Neues Deutschland" berichtet auf vier Zeitungsseiten, die sie mit 30 Fotos illustriert, auf denen Stoph und andere SED-Führer posieren.

In Ungarn teilt Innenminister Horvath mit, die Lösung des Problems der DDR-Flüchtlinge werde noch ein bis zwei Monate Zeit in Anspruch nehmen, da zwischen DDR und BRD erst eine Lösung ausgehandelt werden müsse. Wie die BRD-Nachrichtenagentur dpa berichtet, sagte Horvath gegenüber dem Hamburger Magazin "Stern":

"Eine Nacht- und Nebelaktion können wir und werden wir nicht zulassen. Die Erwartungen in der Bundesrepublik, dass in den nächsten Tagen 15 000 bis 20 000 Flüchtlinge auf einen Schlag Ungarn verlassen dürften, bezeichnet der Minister als falsch. Auf die Frage, ob die DDR-Bürger dann geordnet, Zug um Zug, ausreisen dürften, antwortete er: 'Nein. Erst müssen sich die BRD und die DDR darüber einigen.' (...) Der Schlüssel liege in Bonn und Ost-Berlin, sagte Horvath. 'Zuerst muß die Bundesrepublik mit der DDR verhandeln und eine Einigung finden. Das ist nicht die Aufgabe Ungarns. Nicht wir sollen die DDR überreden, einer Lösung zuzustimmen, sondern die Bundesrepublik sollte das tun.' Die Ausreise der DDR-Bürger mit bundesdeutschen Pässen, die von der Bonner Botschaft in Budapest ausgegeben werden, sei 'vorläufig nicht' möglich. 'Denn dann würden wir anerkennen, dass Bonn die DDR-Bürger als eigene Staatsangehörige behandelt. Wir haben eine Vereinbarung mit der DDR. Für uns hat die DDR die Souveränität über ihre eigenen Staatsbürger.' Auch die Ausreise mit Papieren des Roten Kreuzes, wie bei den 104 Besetzern der bundesdeutschen Botschaft in Budapest, stellt laut Horvath keine Lösung dar. 'Was sich bei zehn, zwanzig oder hundert Leuten bewährt, kann man nicht für Tausende oder Zehntausende anwenden.'"
(ND, 5.9.1989)

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 1. Folge 2. Auflage Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0582-4

Da nicht alle Bürgerinnen und Bürger in der Gitterseer Kirche platz finden, wird die Veranstaltung über Lautsprecher für die außerhalb versammelten übertragen. Protestiert wird gegen den beabsichtigten Bau eines Reinstsiliziumwerk in Dresden-Gittersee. Um die Konfrontation mit den staatlichen Organen zu vermeiden, wird von einem Protestmarsch zum Werksgelände abgesehen. Von Rat des Bezirks Dresden wird ein Gespräch zugesagt. Die Beteiligung von Basisgruppen wird von staatlicher Seite ausgeschlossen.