DDR 1989/90Brandenburger Tor


Do. 5. Oktober 1989


Die rund 600 DDR-Flüchtlinge, die sich in Warschau aufhalten, gelangen mit einem Sonderzug der Deutschen Reichsbahn nach Hannover.

Die etwa 200 DDR-BürgerInnen, die in der Prager BRD-Botschaft Zuflucht gefunden haben, nachdem tags zuvor die Sonderzüge in die BRD abgefahren waren, kehren in die DDR zurück mit der Zusicherung, dass sie innerhalb der nächsten zwei Monate ausreisen dürfen. Die DDR-Medien informieren:

"Von DDR-Bürgern wird die Frage gestellt, was mit den freigewordenen Wohnungen geschieht, deren bisherige Bewohner illegal die DDR verlassen haben. Gelegentlich wird verbreitet, dass derartige Wohnungen etwa für einen Zeitraum von einem Jahr freigehalten würden. Wie von zuständiger Stelle verlautet, gibt es eine solche Regelung nicht. Den örtlichen Organen wird anheim gestellt, freigewordene Wohnungen umgehend an neue Mieter, die daran Interesse haben, zu übergeben."
(ND, 5.10.1989)

Von einer Demonstration mit rund 800 Teilnehmern in Magdeburg werden etwa 250 Demonstranten den Sicherheitsbehörden zugeführt.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 1. Folge 2. Auflage Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0582-4

Auf einer von aber 1 500 Menschen besuchten Versammlung von Bürgerrechtlern aller politischen Schattierungen in der Ost-Berliner Gethsemane-Gemeinde wurde am Donnerstagabend vor Eskalation während der 40-Jahr Feier gewarnt. Gewalt wurde das ganze Land nur zurückwerfen hieß es.

Pfarrer Bernd Albani ermunterte dazu den Festveranstaltungen der DDR-Führung fernzubleiben. Wahrend der Andacht für die politischen Gefangenen sagte Albani, "er fände es schön wenn die alten Herren am Feiertag unter sich wären, allein mit ihren Ritualen".

Ferner verlangten die Bürgerrechtler, die Freilassung der rund 70 Menschen die in den vergangenen Wochen nach den Leipziger Friedensgebeten und bei den anschließenden Demonstrationen festgenommen worden waren.
(Frankfurter Rundschau, Sa. 07.10.1989)

Seit der Aussetzung des Pass- und visafreien Reiseverkehrs von DDR Bürgern in die ČSSR durch Ost-Berlin an, Dienstag Nachmittag versuchen immer mehr Menschen illegal in die ČSSR zu gelangen. Bisher wurden nach einer Meldung der Prager Nachrichtenagentur CTX vorn Donnerstag rund 400 Bewohner der DDR beim illegalen Grenzüberritt ertappt. Sie seien angehalten und in die DDR zurückgeschickt worden, berichtete CTK.

Unablässig hielt auch der Zustrom von DDR Flüchtlingen über Ungarn und Osterreich in die Bundesrepublik an. Nach Angaben der bayerischen Grenzpolizei trafen allein am Donnerstag morgen bis 10 Uhr wieder 400 DDR Flüchtlinge aus Ungarn hier ein. Seit Beginn der DDR Fluchtwelle über Ungarn Anfang August seien damit bereits 32 025 Übersiedler via Österreich in Bayern eingetroffen.
(Frankfurter Rundschau, Sa. 07.10.1989)

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, hat im Namen des Staatsrates, der Regierung und der Bürger der Deutschen Demokratischen Republik dem in Hiroshima tagenden 9. Weltkongress der Vereinigung "Internationale Ärzte zur Verhütung eines Nuklearkrieges" (IPPNW) herzliche Grüße übermittelt und eine erfolgreiche Arbeit gewünscht.
(Neue Zeit, Fr. 06.10.1989)

Laut Information Nr. 441/89 des Ministeriums für Staatssicherheit verlassen bis 1 Uhr 8 270 Personen der BRD-Botschaft in Prag das MfS befördert sie mit Bussen zum Bahnhof Praha-Liben. Dort steigen sie in Sonderzüge der Deutschen Reichsbahn.

90 Bürger verbleiben in der Botschaft. Sie wollen in ihre Heimatorte zurückkehren und mit ihrem Anliegen bei den zuständigen Organen für Inneres vorsprechen.

Die vorgesehene Route der Züge ist Bad Schandau – Dresden – Reichenbach – Gutenfürst.

Nur noch ein Zug passiert den Dresdner Hauptbahnhof. Und dort auch nur auf einem Nebengleis. Die anderen Züge werden nicht mehr über diese Strecke geleitet.

Es kommt wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen am Dresdner Hauptbahnhof. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen.

In der Leipziger Nikolaikirche findet eine Mahnwache für die politisch Inhaftierten statt.

In der Rostocker Petrikirche findet die erste Fürbittandacht für inhaftierte Demonstranten aus Leipzig statt.

In Kühlungsborn findet ein Treffen zur Gründung des Neuen Forum in Rostock statt.

Die Abteilung XX der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Dresden spricht sich dafür aus, alle Antragstellungen, bei denen keine Versagungsgründe vorliegen, zu genehmigen.

Medizinstudenten der Karl-Marx-Universität Leipzig übergeben dem Rektor eine Stellungnahme, in der sie sich für die Möglichkeit des öffentlichen Meinungsaustausches, den Dialog mit allen Bürgern und gegen Polizeigewalt und Kriminalisierung aussprechen.

Am Schauspielhaus in Karl-Marx-Stadt wird eine Protestresolution verabschiedet und eine Sprechergruppe gewählt.

Wegen des großen Andrangs muss in der Markuskirche in Plauen zwei Friedensandachten abgehalten werden.

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