DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Resolution

Die Vollversammlung der Sektion Rock beim Komitee für Unterhaltungskunst versteht die schon seit langem fällige Erklärung des Politbüros der SED vom 11.10.89 als einen Schritt in den von uns vorgeschlagenen Dialog. Hiermit eröffnen wir unsererseits den Dialog durch konkrete Vorschläge und Forderungen.

Nachdrücklich bekennen wir uns zur Resolution der Unterhaltungskünstler vom 18.9.89 in ihrem vollen Inhalt und erklären zu ihrer Vervollkommnung folgendes:

Wir erwarten, dass alle Geldstrafen, Vertragskündigungen, verleumderischen Nachreden oder sonstigen Repressalien gegen unsere Kollegen wegen ihres Umganges mit der Resolution eingestellt bzw. rückgängig gemacht werden. Wir fordern, dass alle offiziellen und inoffiziellen Auftrittsverbote, die in diesem Zusammenhang in den Bezirken und Kreisen ausgesprochen wurden, aufgehoben werden. Wir bilden eine komiteeinterne Kommission zur Erfassung und Klärung derartiger Vorgänge.

Des Weiteren fordern wir die Annullierung der ausgesprochenen Ordnungsstrafmaßnahmen, die Zurücknahme ungerechtfertigter gerichtlicher Urteile und Geldstrafen gegen alle Personen, die mit friedlichen Mitteln und gewaltfrei in der Vergangenheit demonstriert haben. Wir solidarisieren uns mit allen Bürgern und Institutionen, die sich im Sinne unserer Resolution und dieser Erklärung engagieren.

Wir erwarten die Öffentlichmachung und Bestrafung aller Personen, auch auf Seiten der Ordnungs- und Sicherheitskräfte, die für die Eskalation der Gewalt verantwortlich sind.

Wir appellieren an alle Beteiligten zukünftiger Demonstrationen, egal auf welcher Seite, zivilisiert und grundsätzlich gewaltfrei miteinander umzugehen.

Wir bestehen nach wie vor auf der in unserer Resolution geforderten Presse- und Medienfreiheit, auf der Zulassung basisdemokratisch orientierter Gruppen und fordern uneingeschränkte Reisefreiheit für alle Bürger der DDR und darüber hinaus das bedingungslose Rückkehrrecht für die ehemaligen DDR-Bürger, die legal, halblegal oder illegal die DDR verlassen haben. Wir sind der Meinung, dass viele von ihnen einer Ausreisehysterie zum Opfer gefallen sind, und wir erwarten von unseren Staatsorganen ein eindeutiges Angebot an rückkehrwillige Bürger.

Davon ausgehend, dass die Zuspitzung der jetzigen Situation mit dem Umgang der letzten Wahlergebnisse [gemeint ist die Kommunalwahl vom 07.05.1989] begann, fordern wir, dass für zukünftige Wahlen Bedingungen geschaffen werden, bei denen das Wahlergebnis die wirkliche Befindlichkeit der Bevölkerung in diesem Land reflektiert.

Abschließend erklären wir, dass wir die in unserem kulturellen Bereich anstehenden und auf dem Kongress für Unterhaltungskunst angemahnten Veränderungen offensiv vorantreiben werden.

Vollversammlung der Sektion Rock beim Komitee für Unterhaltungskunst am 16.10.1989