DDR 1989/90Brandenburger Tor

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DIE NELKEN, Suhl

Eine ehrliche Partei mit klarem Programm

Am 13. 1. 1990 fand der Gründungskongress der marxistischen Partei DIE NELKEN In Berlin statt. Der offizielle Gründungstermin ist der 15. 1. 1990, der Todestag Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Die Gründungsversammlung der Bezirksorganisation Suhl erfolgt am 4. Februar, 9 Uhr, im Haus der Grenztruppen in Suhl.

Der Gründungskongress in Berlin, an dem rund 100 Delegierte teilnahmen, diskutierte vor allem Programm und Statutenentwurf, der von der Gründungsgruppe vorgelegt wurde. Der Entwurf wurde als vorläufige Arbeitsgrundlage und zur Diskussion in den Basisgruppen mehrheitlich angenommen. Das endgültige Programm und Statut werden auf dem ersten ordentlichen Parteitag im Frühjahr 1990 beschlossen.

Was wollen DIE NELKEN?

"Gescheitert ist nicht der Sozialismus. Seine Einführung in die Menschheitsgeschichte steht noch aus .... DIE NELKEN wollen keine Experimente mit Sozialismusmodellen. Sie lehnen es ab, die Gesellschaft stalinistischer Prägung als ein Modell des Sozialismus zu betrachten. DIE NELKEN setzen sich das Ziel, über die von der Führung der SED zu verantwortende, verbrecherische Diskreditierung der sozialistischen Idee hinweg eine sozialistische Alternative mit dem deutschen Volk in der DDR zu schaffen. Sie sind konsequent gegen all jene Strukturen, die zu den Verbrechen am Volk geführt haben. DIE NELKEN wollen, dass die Macht dort liegt, wo sie hingehört: bei den Werktätigen, bei den Produzenten ..." (Auszug aus dem Programmentwurf)

DIE NELKEN wollen eine souveräne DDR. Sie wollen die Herstellung und Sicherung gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln der Groß- und Grundmittelindustrie bei gewinnorientierter Eigenverantwortung. DIE NELKEN unterstützen jede ökonomische Maßnahme, die der Stabilisierung der Volkswirtschaft dient und die Überführung des Staatseigentums an der Groß- und Grundmittelindustrie in gesellschaftliches Eigentum nicht verhindert. Nur eine starke Volkswirtschaft garantiert die Lebensfähigkeit des Staates. Dafür bedarf es praxisfähiger und begründeter Konzepte.

DIE NELKEN sind für die rasche Bildung von Betriebsräten, um die demokratische Mitbestimmung der Werktätigen zu sichern. Sie fordern Streikrecht.

Sie treten ein für die Herstellung der Gleichberechtigung von Mann und Frau.

DIE NELKEN fordern eine Jugendvertretung in der Volkskammer.

DIE NELKEN verlangen die Verankerung der unmittelbaren Einflussnahme da Volkes auf Politik und Wirtschaft in der Verfassung. Dazu fordern und unterstützen sie eine umfassende gesellschaftliche Kontrolle von unten und die Aufnahme der Institution des Volksentscheides und des Volksbegehrens in der Verfassung der DDR.

DIE NELKEN grenzen sich zur SED-PDS ab. Sie betonen: "DIE NELKEN streben keine Spaltung an. Aber sie führen auch keine Einheit um jeden Preis herbei. Wir brauchen eine Partei, die sich zu Marx, Engels, Lenin bekennt und sie von den Bedingungen der Gegenwart ausgehend kritisch aufarbeitet" (aus dem Programmentwurf).

Vorstand der Bezirksbasisgruppe
DIE NELKEN

aus: Freies Wort, Nr. 21, 25.01.1990, 39. Jahrgang, Unabhängige Tageszeitung für Südthüringen