DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Gewerkschafter zur neuesten Erfindung der Westmedien:

Das ist eine faustdicke Lüge!

BGL-Vorsitzender Wolfgang W(...): Es gibt keine neue Gewerkschaft in Teltow

Am Montag lief eine Meldung über Rundfunk und Fernsehen der BRD, nach der im VEB Geräte- und Reglerwerke Teltow eine "unabhängige Gewerkschaft" gegründet worden sei. Wir fragten den BGL-Vorsitzenden des Betriebes, Wolfgang W(...), was an der Meldung wahr ist.

Nichts. Sie ist eine glatte Lüge. Ich kann hier verbindlich mitteilen: In unserem Betrieb hat es keine solche Gründungsversammlung gegeben. Ein einzelner Kollege rief zu Beginn der vorigen Woche Mitglieder seines Arbeitskollektivs zu einer Zusammenkunft, auf der er seinen Austritt aus dem FDGB erklärte. Danach verlas er ein von ihm verfasstes Manuskript, in dem er zur Bildung solch einer neuen Gewerkschaft aufruft.

Fand er aufnahmebereiten Boden bei seinen Kollegen?

Nein, wie er selbst beklagte. Nur wenige hätten Verständnis für seine Ziele gehabt.

Worin gipfelten sie?

Darin, alles aufzulösen, was bisher gut und richtig war.

Wie ging diese Zusammenkunft auseinander?

Von unseren 7 236 Gewerkschaftsmitgliedern erklärten an diesem Tag 12 ihren Austritt aus dem FDGB. Das betrübt uns, weil manches bei ordentlicher Leitungstätigkeit nicht erst hätte entstehen müssen. Wir werden das zum Anlass nehmen und am Dienstag in einer Gewerkschaftsversammlung des Bereichs mit den Mitgliedern besprechen, wie die angestauten Probleme aus der Welt zu schaffen sind.

Geht es dabei um Dinge, für die der FDGB, oder exakt die IG Metall, nicht die genügende Autorität hätte?

Ich will es deutlich sagen: Es geht um den Umgang mit Vorschlägen, Hinweisen und Kritiken im Betrieb, um Versorgungsprobleme sowie Fragen der Reisetätigkeit und des Leistungsprinzips. Also um Fragen, die derzeit überall in unserer Gewerkschaftsorganisation debattiert werden und die dort zu stellen sind, wo sie gelöst werden können.

R. W.

aus: Tribüne, Nr. 209, 24.10.1989, 45. Jahrgang, Organ des Bundesvorstandes des FDGB

zur Erwiderung