DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Berliner Appell !
Frieden schaffen ohne Waffen!

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Wenn es in Europa Krieg geben wird, kann dieser Krieg nur ein Atom-Krieg sein. Es wird Europa in eine Wüste verwandeln. Die in Europa in Ost und West angehäuften Waffen aller Art werden uns nicht schützen, sondern uns töten. Das ist ihre einzige Bestimmung.

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Die Soldaten in den Panzern und Raketen-Basen und die Generäle und Politiker in den Schutzbunkern werden die letzten sein, die sterben. Die Menschen, die sich ihrem Schutz anvertrauen, werden vor ihnen sterben.

3

Der Krieg, der Europa auslöschen soll, wird von den Europäern selbst und den USA vorbereitet. Weil die USA jenseits des Atlantik liegen, haben sie eine Chance den Krieg zu überleben. Der europäische Teil der Sowjet-Union und die übrigen Staaten Europas haben diese Chance nicht.

4

Wenn wir den Krieg verhindern wollen, weil wir leben wollen, müssen wir die Kriegswaffen vernichten. Darum fordern wir als ersten Schritt: Fort mit den Atomwaffen. Ganz Europa muss zur atomwaffenfreien Zone werden.

5

Das geteilte Deutschland ist zur Aufmarschbasis der beiden großen Atommächte geworden. Deshalb fordern wir den Abzug der sowjetischen und der amerikanischen und auch der britischen und französischen Besatzungstruppen aus den beiden deutschen Staaten. Wir fordern die Entmilitarisierung und Neutralisierung Deutschlands entsprechend den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens von 1945.

6

Wir schlagen die Einberufung einer Friedenskonferenz vor, auf der die Regierungen der beiden deutschen Staaten mit den Siegermächten des 2. Weltkriegs über den Abschluss der Friedensverträge und den Abzug der Besatzungstruppen sowie über die Garantie der Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten beraten.

7

Wir fordern jetzt schon das Verbot und die Beendigung jeder Art von psychologischer und materieller Kriegsvorbereitung und jeder Art von militärischer Propaganda.

Demnach fordern wir:

1.Verbot des Verkaufs, der Produktion und der Einfuhr von Kriegsspielzeug jeglicher Art.

2. Einstellung des Wehrkunde-Unterrichts und stattdessen Einführung eines Unterrichts über Fragen des Friedens.

3. Einrichtung eines sozialen Friedensdienstes für Wehrdienstverweigerer, solange noch die Wehrpflicht besteht.

4. Einstellung aller Maßnahmen und aller organisierten Formen der so genannten Zivil-Verteidigung. Da es im Atomkrieg keine Möglichkeit einer sinnvollen Zivilverteidigung gibt, ist die so genannte Zivilverteidigung nur ein Mittel zur Überwindung der Furcht vor einem Atomkrieg. Das ist aber nichts anderes als psychologische Kriegsvorbereitung.

5. Einstellung aller Art von Demonstrationen militärischer Macht und Waffen anlässlich staatlicher Feiertage und aus anderen Anlässen.

6. Durchführung einer Volksabstimmung über die Abschaffung der Wehrpflicht.

8

Wir wenden und an die Bürger der DDR und fordern sie auf, ihre Zustimmung zu diesem Appell durch ihre Unterschrift zu bekräftigen.

Berlin, den 15. Dezember 1981

[R. Havemann Rainer Eppelmann]

"Berliner Appell - Frieden schaffen ohne Waffen"

1. Es kann in Europa nur noch einen Krieg geben, den Atomkrieg. Die in Ost und West angehäuften Waffen werden uns nicht schützen, sondern vernichten. Wir werden alle längst gestorben sein, wenn die Soldaten in den Panzern und Raketenbasen und die Generäle und Politiker in den Schutzbunkern, auf deren Schutz sie vertrauen, noch leben und fortfahren zu vernichten, was noch übrig geblieben ist.

2. Darum: Wenn wir leben wollen, fort mit den Waffen! Und als Erstes: Fort mit den Atomwaffen! Ganz Europa muss atomwaffenfreie Zone werden. Wir schlagen vor: Verhandlungen zwischen den Regierungen der beiden deutschen Staaten über die Entfernung aller Atomwaffen aus Deutschland.

3. Das geteilte Deutschland ist zur Aufmarschbasis der beiden großen Atommächte geworden. Wir schlagen vor, diese lebensgefährliche Konfrontation zu beenden. Die Siegermächte des 2. Weltkrieges müssen endlich die Friedensverträge mit den beiden deutschen Staaten schließen, wie es im Potsdamer Abkommen von 1945 beschlossen worden ist. Danach sollen die ehemaligen Alliierten ihre Besatzungstruppen aus Deutschland abziehen und Garantien über die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der beiden deutschen Staaten vereinbaren.

4. Wir schlagen vor, in einer Atmosphäre der Toleranz und der Anerkennung des Rechts auf freie Meinungsäußerung die große Aussprache über die Fragen des Friedens zu führen und jede spontane Bekundung des Friedenswillens in der Öffentlichkeit zu billigen und zu fördern.

Wir wenden uns an die Öffentlichkeit und an unsere Regierung, über die folgenden Fragen zu beraten und zu entscheiden:

a) Sollten wir nicht auf Produktion, Verkauf und Einfuhr von so genanntem Kriegsspielzeug, verzichten?

b) Sollten wir nicht anstelle des Wehrkundeunterrichts an unseren Schulen einen Unterricht über Fragen des Friedens einführen?

c) Sollten wir nicht anstelle des jetzigen Wehrersatzdienstes für Kriegsdienstverweigerer auch sozialen Friedensdienst zulassen?

d) Sollten wir nicht auf alle Demonstrationen militärischer Machtmittel in der Öffentlichkeit verzichten und unsere staatlichen Feiern stattdessen dazu benutzen, den Friedenswillen des Volkes kundzutun?

e) Sollten wir nicht auf die Übungen zur so genannten Zivilverteidigung verzichten? Da es im Atomkrieg keine Möglichkeit einer sinnvollen Zivilverteidigung gibt, wird durch diese Übungen nur der Atomkrieg verharmlost. Ist das nicht womöglich eine Art psychologischer Kriegsvorbereitung?

5. Frieden schaffen ohne Waffen das bedeutet nicht nur: Sicherheit zu schaffen für unser eigenes Überleben. Es bedeutet auch das Ende der sinnlosen Verschwendung von Arbeitskraft und Reichtum unseres Volkes für die Produktion von Kriegswerkzeug und die Ausrüstung riesiger Armeen junger Menschen, dir dadurch der produktiven Arbeit entzogen werden. Sollten wir nicht lieber den Hungernden in aller Welt helfen, statt fortzufahren, unseren Tod vorzubereiten?

Bekräftigt Eure Zustimmung zum "Berliner Appell" durch Eure Unterschrift.

Berlin, den 25. Januar 1982

[Robert Havemann und Rainer Eppelmann]

[Nach Angaben von Rainer Eppelmann ging er mit dem Entwurf zu Manfred Stolpe, der Verbesserungen vorschlug, die eingearbeitet wurden. Der Leiter des Sekretariats des DDR-Kirchenbundes, Christoph Demke, regte an, die Hauptinhalte in Frageform zu kleiden.
Christoph Wonneberger verlas am 14.02.1982 während eines Jugendgottesdienstes in Dresden den Appell. Woraufhin er zur Befragung festgenommen wurde. Erst als er sich bereit erklärte alle gesammelten Unterschriften für den Berliner Appell zu verbrennen, wird er freigelassen.]

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