Kapitel 2 der NEUEN Frauenpolitik

Als am Runden Tisch des Bezirkes [Karl-Marx-Stadt] am 2. Februar zum 3. Mal der Antrag der "Frauen im Aufbruch" behandelt wurde, sahen sich die Vertreter der meisten Parteien vor ein schwerwiegendes Problem gestellt. Sollte man den parallel gestellten Antrag der SED-PDS, auch zwei Sitze für die DFD-Frauen zuzulassen, nachgeben? Oder könnte man beide Anträge zusammenlegen und auf zwei Stimmen reduzieren?

Den Frauen wurde eine Absage erteilt!

Der kritische Hinweis des Superintendenten Herrn Magirius, die Parteien könnten ja eine Quotierung durchsetzen, erscheint mir sehr angebracht angesichts dreier stimmberechtigter Frauen (2 Vereinigte Linke, 1 NDPD) im Gegensatz zu fast zwanzig stimmberechtigten Männern in diesem Gremium. Gerade unter den Bedingungen der Marktwirtschaft, die laut CDU-Teilnehmer "ein paar Opfer" verlangt, befürchte ich, dass diese Opfer zuallererst aus den Reihen der Frauen gebracht werden müssen (besondere ledige Mütter mit Kindern, Rentnerinnen, Ungelernte, oder auch Textilarbeiterinnen aus unrentablen Betrieben).

Es erhebt sich für mich zum wiederholten Mal die Frage, wie die Parteien, die sich für die sozial schwachen ja einzusetzen versprechen, diese Absage mit ihrem Parteiprogrammen vereinbaren können. Deshalb stellt die Vereinigte Linke erneut die Forderung um Zulassung der Vertreterinnen der "Frauen im Aufbruch"!

aus: freie presse, Nr. 34, 09.02.1990, 28. Jahrgang, Karl-Marx-Stadt