DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Unabhängiger Frauenverband

1. Welche staatliche Leistungen für Frauen oder Eltern, wie z. B. kürzere Arbeitszeit für Mütter, Babyjahr, sollten auch in Zukunft erhalten bleiben?

1. Wir gehen davon aus, dass soziale Leistungen, wie z.B. das Babyjahr, kürzere Arbeitszeit und andere staatliche Unterstützungsmaßnahmen nicht nur für Mütter gelten sollten. Kindererziehung heißt für uns, dass die sozialpolitischen Maßnahmen in die Verfügung der Partnerschaft gestellt werden. Der Frauenverband fordert nicht nur den Erhalt des Bestehenden, sondern wendet sich vor allem gegen den bereits sichtbaren Sozialabbau.

2. Frauen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen waren immer die ersten, die arbeitslos wurden. Was wollen Sie dagegen tun?

2. Marktwirtschaft muss demokratisch kontrolliert werden, damit sie wirklich sozial und ökologisch verträglich ist. Wir setzen also auf eine Wirtschaftsdemokratie, die sowohl durch starke Gewerkschaften als auch durch starke Betriebsräte verwirklicht wird. Diese Interessenvertretungen der Werktätigen müssen auch dafür sorgen, dass wirtschaftliche Veränderungen nicht wieder in erster Linie zu Lasten von Frauen gehen. Wichtig ist dabei, dass in den wirtschaftsdemokratischen Gremien Beauftragte dafür sorgen, dass hinsichtlich der Situation von Männern und Frauen keine Ungerechtigkeiten entstehen.

3. Beinhaltet Ihr Konzept Unterstützungsmaßnahmen für allein stehende Mütter?

3. Unser Verband heißt zwar Unabhängiger Frauenverband, das heißt jedoch nicht, dass wir ausschließlich die Interessen von Frauen vertreten. Unser Ziel ist die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen der Gesellschaft. Daraus folgt, dass wir uns für allein erziehende Mütter und Väter einsetzen. Wir fordern u. a. den Erhalt des Rechts auf Arbeit gerade für diese Gruppe, Kündigungsschutz in den ersten drei Lebensjahren des Kindes und vor allem ein ausgebautes und qualitativ gutes Netz von staatlichen Kinderbetreuungseinrichtungen (auch alternative Betreuungsformen). Das Recht auf eine ökonomisch selbständige Existenz, insbesondere für Alleinerziehende, darf nicht angetastet werden!

4. Wenn Subventionen bei Mieten, Tarifen und bei Grundnahrungsmitteln wegfallen, wie soll dann ein Ausgleich stattfinden?

4. Wir halten es auf der einen Seite für richtig und wichtig, dass Subventionen abgebaut werden, denn dies wird uns an den tatsächlichen Wert der Dinge erinnern und entsprechend vernünftige Verbrauchsgewohnheiten zur Folge haben. Gleichzeitig fordern wir aber auch, dass eine Umverlagerung von den produktgebundenen Subventionen zu personengebundenen Zuschlägen erfolgt - und zwar so, dass es keine Verringerung des Lebensstandards zur Folge hat. Das setzt voraus, dass die Ausgleichszahlungen sehr differenziert und unter Berücksichtigung der spezifischen Situation bestimmter Bevölkerungsgruppen, z. B. der sozial Schwachen, stattfindet.

5. Wie sollen die Renten den steigenden Lebenshaltungskosten angepasst werden?

5. Zunächst sollte die Berechnungsgrundlage für die Rentenhöhe verändert werden: Nicht die letzten 15 Jahre, sondern die Zeit des höchsten Einkommens müsste Berücksichtigung finden, und außerdem sollte die Zahl der Kinder weitaus stärker in die Rentenberechnung eingehen. Angesichts der sich verändernden Lebenshaltungskosten fordern wir eine Garantie dafür, dass die Renten dem ständig angepasst werden, so dass gerade die Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, ihren Lebensabend nicht bedroht sehen müssen. Die Mindestrenten dürfen nicht unter dem Existenzminimum liegen.

6. Wie stehen Sie zum Schwangerschaftsabbruch?

6. Der Unabhängige Frauenverband sieht im Recht auf unentgeltlichen Schwangerschaftsabbruch ein wesentliches Element der Selbstbestimmung der Frau und fordert, dass dieses Recht nicht angetastet wird. Allerdings ist der Schwangerschaftsabbruch keine geeignete Methode der Familienplanung. Deshalb sollte das Angebot qualitativ guter Verhütungsmittel wesentlich erweitert werden.

aus: Für Dich, 11/90

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