DDR 1989/90Brandenburger Tor

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AN ALLE BÜRGER VON ARNSTADT !!!!!

KOMMT ALLE AM 30.09.1989 um 14.00 UHR ZUR FRIEDLICHEN KUNDGEBUNG

GEGEN DIE WILLKÜRLICHE POLITIK DER SED !!! Treffpunkt - HOLZMARKT

WAS FÜR EIN LEBEN ?

was für ein leben?
wo die wahrheit zur lüge wird,
wo der falsche das zepter führt.

was für ein leben?
wo die freiheit tot geboren,
wo schon scheint alles verloren.

was für ein leben?
wo alte männer regieren,
wo noch menschen an grenzen krepieren.

was für ein leben,
wo die angst den alltag bestimmt,
wo das ende kein ende nimmt.

was für ein leben?
wo man seinen nachbarn nicht mehr traut,
wo man nicht mehr aufeinander baut.

was für ein leben?
wo man nicht sein kann, der man ist,
wo man so schnell vergisst.

was für ein leben?
wo träume sterben,
wo es nichts mehr gibt zum vererben, außer scherben

was für ein leben?
wo es für wenige alles gibt,
wo der kleine, keinen ausweg sieht.

was für ein leben?
wo liebe nicht existiert,
wo man langsam erfriert.

WAS FÜR EIN LEBEN? FÜHREN WIR???? ABER LEBEN MUSS MAN DOCH UND ZWAR HIER !!

wir fordern :MEINUNGSFREIHEIT
:REFORMEN
:POLITISCHE SOWIE WIRTSCHAFTLICHE
:SCHLUSS MIT DER SCHLUDERWIRTSCHAFT ÜBERALL
:REISEFREIHEIT FÜR ALLE
LASST EUCH NICHT MEHR EINSCHÜCHTERN? SAGT EUERE MEINUNG !!!!

Der Aufruf zur Kundgebung wurde von Günther Sattler im Alleingang verfasst und geklebt. Den Aufruf verfasste er auf einer Schreibmaschine, die er sich von einem Freund geliehen hatte. Er wollte erreichen, dass die Lügerei aufhört und dass man seine Gedanken frei äußern kann, ohne dafür bestraft zu werden, sagte er später.

Nach dem Auftauchen des Aufrufs wurde nach dem oder den Verfassern gesucht. U.a. wurden Schreibmaschinen dahingehend untersucht, ob auf ihr der Aufruf getippt wurde.

Die ersten auf dem Platz am 30.09. war die Staatssicherheit. Nach und nach fanden sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger ein. Nach Schätzungen sollen es rund 150-200 gewesen sein.

Günther Sattler war selber über die große Resonanz auf seinen Aufruf überrascht. Er gab sich als Verfasser des Aufrufs auf der Kundgebung nicht zu erkennen. Da auf der Kundgebung keine Ansprache erfolgte, begannen die Teilnehmer untereinander zu diskutieren und sie verabredeten sich in einer Woche wieder an selber Stelle zusammenzukommen.

Eine Woche später, der 07.10.1989, hatte sich die Teilnehmerzahl verdoppelt. Diesmal setzten sich die Menschen zu einer Demonstration in Bewegung. Auf dem ersten sichtbare Transparent stand: "Wir wollen Reformen". Der Rufe "Gorbi hielf", "Gorbi" "Gorbi" erschallten.

Diesmal kam es zur Gewalt und Zuführungen gegen die Demonstrationsteilnehmer.

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