DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Neues Forum

Den politischen Dialog auf allen Ebenen zu führen, Ausgangspunkt und selbst gestellte Aufgabe des Neuen Forums. Wer konnte ahnen, dass unser Dialogpartner Staat nach vier Wochen ohnmächtig wird und das Gespräch wiederum zum Erliegen kommen würde. Jetzt heisst unsere vorrangige Aufgabe: Erstellung eines neuen Gesellschaftskonzepts für die DDR. Wir wussten doch immer so gut, was im Westen alles unmenschlich und schlecht ist. Der Zeitpunkt, es besser zu machen, ist für uns gekommen, und das früher als erwartet. Soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Vernunft und eine lebenswerte Umwelt sind die Ziele, für die wir kämpfen werden und die mit einer Übernahme der DDR durch die Bundesrepublik (im Volksmund auch "Wiedervereinigung" genannt) mit Sicherheit nicht erreicht werden können. Wir sind bereit und in der Lage, Mitverantwortung in unserem Lande zu übernehmen.

Wie können wir das tun? Durch unser breites Netz an Basisgruppen und Fachgruppen, in denen unabhängige Bürger und Fachleute über alle Themen der Veränderung und Erneuerung der DDR miteinander beraten, besteht für uns die Möglichkeit, das zu tun, was die SED zu tun nicht in der Lage war: die ganze Bevölkerung der DDR an unserem politischen Handeln zu beteiligen und so eine echte Basisdemokratie zu praktizieren. Diese Form der Politik ist in unseren Augen der einzig mögliche Weg, sowohl eine Parteienherrschaft als auch eine Kapitalherrschaft dauerhaft zu verhindern. Wirtschaftlicher Aufschwung tut uns allen not, und wir alle wollen ihn. Der Bumerang der ökologischen Katastrophe und der politischen Folgen der Schuldenkrise wird zurückkommen, wenn es uns an der Bereitschaft mangelt, gute und menschliche Lösungen zu finden.

M(...) D(...),
Kontaktbüro Neues Forum
Hegelstraße 28

aus: MZ am Wochenende, Nr. 50, 14.12.1989, Herausgeber: Stadtleitung Magdeburg der SED und Stadtausschuss der Nationalen Front