DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Aufruf des Neuen Forum
Leipzig

Ermutigt durch die große Zahl von Sympathieerklärungen aus allen Teilen der Bevölkerung, legitimiert durch die tausendfachen Rufe nach Zulassung des Neuen Forum und aus tiefer Sorge um die weitere Entwicklung unseres Landes wiederholen wir heute:

1. Wir fordern sofort, jetzt und hier den öffentlichen, gleichberechtigten Dialog mit allen mit Vertretern des Staates, der Kirchen, der Parteien, Organisationen und basisdemokratischen Gruppen.

2. Wir fordern eine Öffnung der Medien und eine wahrheitsgemäße Berichterstattung.

3. Wir rufen wiederum und eindringlich zur Gewaltlosigkeit aller Seiten auf. Wir distanzieren uns in aller Eindeutigkeit von rechtsradikalen ebenso wie von antikommunistischen Tendenzen. Wir fordern zugleich: keine Kriminalisierung der Demonstranten und Andersdenkender, denn das schürt Gewalt.

4. Wir fordern eine umfassende Information über die in den letzten Wochen Inhaftierten, über die Zahl und Haftgründe. Unerlässlich ist die sofortige Freilassung der Inhaftierten, die sich gewaltfrei an Demonstrationen beteiligt haben.

5. Als ersten vertrauensbildenden Schritt zur Eröffnung des Dialogs schlagen wir vor, umgehend zu veröffentlichen: den Gründungsaufruf des Neuen Forum und die Aufrufe des Neuen Forum vom 4. und 12. Oktober '89.

6. Wegen der nicht kalkulierbaren Risiken der spontanen Massendemonstrationen montags in Leipzig erwarten wir bald, aber bis spätestens 15. Oktober Antwort der dialogbereiten Kräfte.


Wir sind bereit
Neues Forum,
Sprecher:
Michael Arnold
Edgar Dusdal
Jochen Läßig
Martin Kind
Petra Lux
Rainer Pietsch
Dirk Michael Grötzsch

[12.10.1989]