DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Erklärung der BGL an die Vorsitzende des Bundesvorstandes des FDGB, Annelis Kimmel

Wie es im Betrieb weitergehen sollte

Kolleginnen und Kollegen, sagt dazu Eure Meinung!

Wir, die Mitglieder der BGL sowie der 7 AGLs des VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna wollen unverzüglich, bestärkt durch den geführten Dialog über die Gewerkschaftsgruppen, unseren Standpunkt zu den Fragen unserer Zeit darlegen.

Wir unterstützen die kritischen Hinweise und stimmen mit der Belegschaft darin überein, dass wir gemeinsam, auch in unserem Betrieb keine leichte Wegstrecke vor uns haben. Sie verlangt von allen Ehrlichkeit, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, sich den neuen Erfordernissen durch eine neue Qualität der gewerkschaftlichen Interessenvertretung zu stellen.

Mit der Erklärung unterbreitet die Betriebsgewerkschaftsleitung einen ersten Standpunkt zur grundlegenden Verbesserung der Gewerkschaftsarbeit in unserem Betrieb. Wir legen großen Wert auf die Meinung unserer Vertrauensleute und Mitglieder in den Gewerkschaftsgruppen, darüber zu diskutieren und ihren Standpunkt darzulegen. Wir erwarten dazu Eure Vorschläge. Sagt, was Ihr befürwortet, sagt unverblümt aber auch, was nicht Eure Zustimmung findet.

Was wollen wir?

Von Seiten des Betriebsdirektors sind Maßnahmen einzuleiten und mit der zuständigen Gewerkschaftsleitung zu vereinbaren, dass Lohn nach Leistung zur Einstufung für die Meisterbereiche festgelegt wird. (durch den Bundesvorstand FDGB sind Festlegungen zu treffen, um das vorhandene AGB diesbezüglich zu ändern);

3 Jahre Betriebszugehörigkeit 1 Tag

5 Jahre Betriebszugehörigkeit, 2 Tage

10 Jahre Betriebszugehörigkeit 3 Tage;

- Im Ergebnis der geführten und noch zu führenden Dialoge sind in der Breite und Vielfalt der Gewerkschaftsarbeit solche demokratischen Prinzipien wieder Herzustellen, die die volle Einbeziehung der Werktätigen garantieren und deren Einflugnahme auf alle entscheidenden Prozesse in unserem Betrieb sichern.

Unter anderen verstehen wir darunter:

Gewerkschaftliche Standpunkte und Forderungen sind nur das Ergebnis einer kollektiven Meinungsbildung. Zur Durchsetzung der kollektiven Meinung sind die Rechte der Mitglieder der BGL, AGL und Vertrauensleute verbindlicher zu gestalten und der Schutz ihrer Person aus den Aufgaben der gewerkschaftlichen Interessenvertretung zu gewähren.

Danach ist wie folgt zu verfahren:

Die Betriebsgewerkschaftsleitung und ihre Mitglieder des VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna fordern die Einberufung des FDGB-Kongresses zum Frühjahr 1990 möglichst vor dem XII. Parteitag der SED.

Die Belegschaft des VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna stellt den Antrag an die Vorsitzende des Bundesvorstandes des FDGB, Annelies Kimmel, zum nächsten FDGB-Kongress folgende Änderung der jetzigen Satzung des FDGB vorzunehmen:

- Seite 1. Abschnitt 2. Passus "Unter Führung der SED wird die Gewerkschaft..."

bitte streichen und den gesamten Abschnitt 2 dementsprechend zu ändern.

An den Minister für Glas und Keramik und den Generaldirektor des Kombinates Zellstoff und Papier wird der Antrag gestellt, kurzfristige Maßnahmen des Investvorhabens in Pirna, was die Umweltbedingungen betrifft, festzulegen und im Jahr 1990 bereits mit den vorgesehenen Objekten zu beginnen, die eine Verbesserung der Umweltbedingungen, bezogen auf die jetzige starke Verunreinigung der Luft und des Vorfluters der Elbe und Müglitz bewirken.

Gewerkschaftsmitglieder unseres Betriebes!

Solltet Ihr mit verschiedenen Punkten bzw. Ausführungen nicht einverstanden sein, findet Ihr Vorschläge noch nicht berücksichtigt, so sind wir jederzeit zur Entgegennahme Eurer Meinungen bereit.

aus: neuer Zellstoffwerker, Nr. 22, 21.11.1989, 38. Jahrgang, Organ der BPL VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna, Herausgeber: SED-Betriebsparteileitung des VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna

[Der XII. Parteitag der SED sollte im Mai 1990 stattfinden. Dazu kam es aber nicht mehr.]

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