DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Rat und Tat von IGM zu IGM

Erstes "Sofortprogramm" für eine deutsch-deutsche Gewerkschaftskooperation von der IG Metall vorgestellt / Steinkühler: "Wir wollen vor den Unternehmern da sein."

Die Industriegewerkschaft Metall für die Bundesrepublik Deutschland und die Industriegewerkschaft Metall der DDR haben folgende Formen der Zusammenarbeit vereinbart:

1. Zwischen den Belegschaftsvertretern vergleichbarer Betriebe in der Bundesrepublik und der DDR werden Betriebspartnerschaften angestrebt. In einem ersten Schritt werden 25 Partnerschaften gegründet. Ziel ist ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch und konkrete praktische Hilfe für die Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der DDR.

2. Es finden gemeinsame Schulungen und Lehrgänge zu konkreten betriebsbezogenen Themen statt. Gewerkschaftsvertreter und Gewerkschaftsvertreterinnen aus der Metallwirtschaft der DDR erhalten die Möglichkeit, an Seminaren der IG Metall in der Bundesrepublik teilzunehmen. Außerdem werden Seminare entwickelt, die den spezifischen Bedürfnissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der DDR Rechnung tragen. Die IG Metall in der Bundesrepublik wird die Möglichkeiten schaffen, dass Belegschaftsvertreter der DDR an Seminaren zur Arbeitsgestaltung (zum Beispiel Refa-Lehrgänge) und anderen Lehrgängen teilnehmen können.

3. Zwischen den beiden Gewerkschaften werden Experten ausgetauscht zu Fragen der Organisationspolitik wie beispielsweise der Finanzhoheit, der Mitgliederbetreuung, des Beitragswesens und der Qualifizierung hauptamtlicher Funktionäre.

4. Von besonderem Interesse sind Fragen der Tarifpolitik. Zu diesem Zweck findet im Januar 1990 eine Expertentagung statt.

5. Die IG Metall für die Bundesrepublik Deutschland bietet ein Traineeprogramm für Vertreter und Vertreterinnen der IG Metall aus der DDR an. In diesem Programm werden alle Ebenen der beiden Organisationen einbezogen.

6. Bei Lehrgängen in der IG-Metall-Bildungsstätte Pichelsee (Berlin-West) werden künftig Lehrgangsteilnehmer zu Betriebsbesuchen in Metallbetriebe der DDR eingeladen.

Dieses Programm ist ein erster Einstieg zur konkreten Hilfe und Zusammenarbeit zwischen den beiden Arbeitnehmer-Organisationen. Im Lichte dieser Erfahrungen und vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung in der DDR soll dieses Programm weiterentwickelt und konkretisiert werden.

Berlin/Frankfurt, den 6.12.1989

Industriegewerkschaft Metall für die Bundesrepublik Deutschland
gez. Franz Steinkühler

Industriegewerkschaft Metall für die DDR
gez. Hartwig Bugiel

Bekannt gegeben auf der IGM-Beiratssitzung am 12.12.1989

taz, 15.12.1989