DDR 1989/90Brandenburger Tor


Demokratie Jetzt:

Für sozial fähige, selbstbewusste und kreative Menschen

Bildung und Erziehung bringen die allgemeinen Werte, Anliegen und Ziele einer demokratisch strukturierten Gesellschaft konkret zur Geltung. Für eine Umsetzung der Werte, Anliegen und Ziele der solidarischen Gesellschaft in den Bildungsbereich halten wir folgende bildungspolitischen Grundlegungen für erforderlich:

Wir halten an der Staatlichkeit und Unentgeltlichkeit der Schule fest. Es besteht ein lebenslanges Recht auf Bildung für alle BürgerInnen des Landes entsprechend ihren Möglichkeiten; für die Förderung mehr oder weniger Begabter stehen adäquate Ausbildungsformen zur Verfügung. Wir unterstützen die Integration Behinderter. Großes Gewicht legen wir auf die Verwirklichung der Glaubens- und Gewissensfreiheit auch im Bildungsbereich. Kinder- und Jugendorganisationen sowie die Kirchen einerseits und die Ausbildungseinrichtungen andererseits sollten unseres Erachtens institutionell getrennt werden. Die Verantwortung für die Gestaltung der Freizeit für Kinder sollte in die Kommunen verlagert werden.

Bildung und Erziehung nach unseren Vorstellungen setzt sich zum Ziel, den Prozess der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu sozial fähigen, selbstbewussten und kreativen Menschen zu unterstützen. Wir wollen die Auszubildenden befähigen, sich in einer komplizierter werdenden Gesellschaft zurechtzufinden und Verantwortung im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich zu übernehmen.

Wir befürworten eine prinzipielle Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Schule. Diese hat die Möglichkeit, selbständig ein fachliches und methodisches Profil auszuprägen. Letztens schließt unseres Erachtens die Einbeziehung "reformpädagogischer" Elemente ausdrücklich ein. Staatliche Rahmenprogramme garantieren ein vergleichbares Niveau der Ausbildung. Damit wird den Eltern die Wahl zwischen alternativen Schulprojekten ermöglicht.

Die Schule ist eine soziale Organisation und sollte demokratisch strukturiert sein. Das erfordert eine Veränderung des Verhältnisses zwischen den einzelnen Ebenen des Bildungswesens dahingehend, dass anstatt herkömmlicher Kommando- und Unterstellungsverhältnisse kooperative und schöpferische Beziehungen entstehen.

Im einzelnen bedeutet das: Es werden Interessenvertretungen für SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern sowie gemeinsame Räte der am Ausbildungsprozess Beteiligten gebildet. Diese Gremien ermöglichen neben dem Erlernen demokratischer Entscheidungsfindung (besonders für Auszubildende) gemeinsame Beratung und Mitbestimmung organisatorischer, fachlicher und methodischer Aspekte der Bildungsarbeit.

Susanne Galley

aus: Deutsche Lehrerzeitung, 09/90, 4. Februarausgabe