DDR 1989/90Brandenburger Tor

Verband demokratischer WisenschaftlerInnen

Der Verband demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurde am 6. Januar 1990 von einer Initiativgruppe jüngerer und nicht etablierter Leute gegründet. Stark vertreten in der landesweit ambitionierten Vereinigung sind ehemalige Mitglieder des Leipziger Klubs Junger Wissenschaftler, dessen Rechtsnachfolge der VdWi anstrebt.

Über ihr Selbstverständnis gibt eine programmatische Erklärung Auskunft. Wir verstehen uns als eine freie Vereinigung demokratisch gesinnter WissenschaftlerInnen, mit der diese ihre politischen, fachlichen, aber auch sozialen Interessen gegenüber der Gesellschaft vertreten.

Der Verband demokratischer WissenschaftlerInnen ist unabhängig. Er ordnet sich keiner Partei unter - ist aber nicht unparteiisch, was politische und gesellschaftliche Probleme der Zeit betrifft. Besonders verpflichtet fühlt er sich dabei den Fragen der Wissenschaftspolitik.

Der VdWi ist keine Gewerkschaft und kann sie auch nicht ersetzen. Er sucht die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und tritt für eine aktive gewerkschaftliche Interessenvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein.

Die Ziele des VdWi sind geprägt von den humanistischen Traditionen und dem internationalen Charakter der Wissenschaften. In ihnen widerspiegelt sich das Streben, wissenschaftliches Denken und Handeln nicht allein in einem engen nationalen, sondern in einem weltweiten Kontext zu stellen. In diesem Sinne soll der VdWi ein Forum sein, durch dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer fachlichen Kompetenz und ihrem Denken in die Gesellschaft ein bringen können.

Über ein gemeinsames solidarisches Handeln der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler will er dazu beitragen, dass ihr Wort bei den politischen und wissenschaftsstrategischen Entscheidungen Gehör findet. Wir müssen in demokratischer Weise über die Bedingungen unserer wissenschaftlichen Arbeit bestimmen können. Gleichzeitig will der VdWi mit dafür Sorge tragen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Verantwortung für die gesellschaftlichen Wirkungen der Wissenschaften sehen und wahrnehmen.

Zu diesem Zweck setzt sich der VdWi für einen internationalen und interdisziplinären Austausch von Personen und Meinungen frei von bürokratischen Hemmnissen ein.

Es geht ihm um die Entwicklung des kreativen Meinungsstreites und des Denkens in Alternativen.

Der VERBAND DEMOKRATISCHER WISSENSCHAFTLERINNEN UND WISSENSCHAFTLER tritt an, verantwortungsbewusstes Denken für die Zukunft der Menschheit zu befördern.

DAZ, Die Leipziger Andere Zeitung Nr. 1, 01.02.1990

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