DDR 1989/90Brandenburger Tor


Marxistische Partei DIE NELKEN:

Wir wollen das Bündnis

In einer Erklärung des Hauptvorstandes der marxistischen Partei DIE NELKEN heißt es:

Die Lehre für die deutsche Linke aus 1945 ist die Notwendigkeit ihrer Einheit; die Lehre aus 1989, dass diese Einheit nicht in einer Partei hergestellt werden kann. Der Traum einer linken Einheitspartei ist ausgeträumt, ob sie nun KPD, SED, PDS oder SPD heißen möge. Die Linke steht vor der Aufgabe, ein neues Konzept ihres Zusammengehens zu entwickeln. Und zwar vor Ablauf der nächsten zwei Monate!

Wir schlagen folgende Schritte vor:

1. Bildung von Koordinationsräten auf zentraler wie regionaler Ebene aus führenden Vertreterinnen und Vertretern aller Parteien, Organisationen und Gruppen, die sich links und bündnisfähig verstehen.

2. Die Aufstellung eines Arbeitsplanes für wöchentliche Sitzungen mit der Zielrichtung gemeinsamer Aktionen zur Wahrnähme sozialer, materieller und kultureller Interessen der Bevölkerung, der Ausarbeitung einer gemeinsamen Programmatik und einer gemeinsamen Wahlplattform.

3. Entwicklung gemeinsamer Vorstellungen über die Verbindung parlamentarischer mit außerparlamentarischer Arbeit.

4. Herstellung einer Linken Liste für die anstehenden Wahlen. Diese Liste muss so gestaltet sein, dass als oberstes Prinzip die Kompetenz der Kandidaten gilt, darüber hinaus möglichst eine Vertreterin oder ein Vertreter jeder der beteiligten Parteien, Organisationen und Gruppen auf einen aussichtsreichen Platz gesetzt wird.

5. Es muss von Anfang an klar sein und nach außen deutlich, dass die Herstellung eines solchen Bündnisses nicht der Selbstzweck irgendwelcher Linken ist, sondern der gezielten Wahrnahme von Interessen dienen soll.

Neues Deutschland, Do. 19.07.1990, Jahrgang 45, Ausgabe 166