DDR 1989/90Brandenburger Tor

Hilfe für Gefangene

Am vergangenen Wochenende gründete sich Amnesty International in der DDR

Seit der Wende gibt es in der DDR keine politischen Gefangenen mehr. Trotzdem gründete sich am Sonnabend in Berlin die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International in der DDR. JW sprach mit Martin Hoffmann, Vorsitzender des Vorstandes.

Hat Amnesty International in des DDR als Organisation für politische Häftlinge überhaupt noch einen Sinn?

Amnesty International ist nie in dem Land, wo es angesiedelt ist, tätig. Die Aktivitäten richten sich immer noch außen. Insofern ist es notwendig, dass sich Amnesty International in der DDR für die Betrauung politische, Gefangenen in anderen Ländern verantwortlich fühlt, gegen Folter, Todesstrafe, außergerichtliche Inhaftierungen und für Asylrecht auftritt.

Welche konkreten Aufgaben verbindet sich damit für Amnesty International in der DDR?

In vielen Ländern sind nationale Sektionen und Gruppen von Amnesty International angesiedelt. Deren Mitglieder üben eine Kontroll- und Hilfsfunktion aus. Sie schauen sich dafür die Lage in bestimmten Ländern ganz genau an. Soweit sind wir natürlich noch nicht. Wir wollen erst eine eigene nationale Sektion aufbauen. Wir können aber bereits an Eilaktionen teilnehmen. Das heißt, wir kümmern uns beispielsweise um Häftlinge, die keinen Kontakt zur Außenwelt haben, suchen noch Verschwundenen.

Wer kann bei Ihnen mitmachen?

Jeder volljährige Bürger der DDR, der bereit ist, in der Gruppe zu arbeiten, und schreibgewandt ist.

Warum schreibgewandt?

Unser Ziel ist es, mit möglichst vielen Briefen an die entsprechenden Regierungen zu zeigen. dass die Weltöffentlichkeit von den Ungerechtigkeiten und oftmals sogar Folterungen gegenüber Gefangenen weiß. Durch den Druck der Weltöffentlichkeit könnte man vielleicht die entsprechenden Regierungen zu mehr Menschlichkeit Andersdenkenden gegenüber zwingen.

Wo können sich Interessenten melden?

Bei Amnesty International in der DDR, Memhardstraße 3, Berlin 1020.

Interview: Simone Schmollack

Junge Welt, Mo. 02.04.1990

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