DDR 1989/90Brandenburger Tor

Die DDR als Zuhause für unsere Gäste

Machen wir Schluss mit der Ausländerfeindlichkeit!

In der DDR leben gegenwärtig 150 000 Ausländerinnen. Sie kommen aus Vietnam, Polen, Mocambique, Kuba, Korea und anderen Ländern, um hier zu arbeiten, zu lernen und zu studieren. Diese Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt sind unsere MitbürgerInnen, die theoretisch die gleichen Rechte und Pflichten wie wir haben. (...) Jedoch statt Dank bringt man ihnen Hass und Diskriminierung entgegen.

- Täglich werden sie durch Beschimpfungen, Gaststättenverbote und tätliche Angriffe diskriminiert.

- In ghettoähnlichen Wohnblocks wohnen sie dicht an dicht ohne Kontakte zur Außenwelt. Dabei stehen ihnen laut Gesetz mindestens 5 m2 Wohnraum zu.

- Durch staatliche Verordnungen werden die Einkaufsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Es kommt sogar dazu, dass Ausländerinnen nicht bedient werden. Damit wird ihnen die Möglichkeit genommen, für ihr hart erarbeitetes Geld Güter zu erwerben, die sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer zur Verbesserung ihrer sozialen Situation verwenden können (Fahrräder, Nähmaschinen u. ä.).

- Auf Grund der ungenügenden Vorbereitung des Staates auf die Aufnahme von Ausländerinnen gibt es keinerlei Möglichkeiten für freie Ausübung ihrer Religion, keinen Raum für ihre kulturellen Bedürfnisse, keine Möglichkeiten, sich in den Medien zu artikulieren.

- Ausländerinnen sind drei bis zehn Jahre lang von ihrer Heimat, ihren Familien und ihren Freunden getrennt. In dieser Zeit haben sie nur einmal die Möglichkeit, kostenlos nach Hause zu fahren.

- Ausländische Frauen müssen vor ihrem Arbeitsaufenthalt in der DDR unterschreiben, dass sie in der DDR keine Kinder zur Welt bringen, dass sie bei einer Schwangerschaft sofort abbrechen bzw. in die Heimat zurückkehren.

- Es gibt keine Möglichkeiten für Ausländerinnen, dauerhaft in der DDR bleiben zu können.

Kennt ihr die Kulturen, die Lebensweisen, die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen der Heimatländer unserer ausländischen Mitbürgerinnen?

Habt ihr schon versucht, Kontakt aufzunehmen und mit ihnen zu reden, um bestimmte Verhaltensweisen zu deren Ursachen zu verstehen? Könntet ihr fünf Jahre ohne eure Familie und euren Freundeskreis in einem fremden Land mit anderer Kultur und anderen Bräuchen leben?

Macht aus der kalten DDR ein warmes Land, in dem auch Menschen anderer Nationen ein Zuhause finden können!

Autonome Antifa Gruppe Berlin

Junge Welt, Do. 11.01.1990

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