Und wieder ist es Herbst: Am 4. 11. erneut auf dem Alex?
Fragen an Ruth Martin, Mitinitiatorin "Runder Tisch von unten"
• Wer sitzt an diesem "Tisch von unten"?
Ich müsste da über 14 Verbände und Gewerkschaften nennen. Vielleicht genügt ein zusammenfassender Begriff: Wir verstehen uns als Sammlungsbewegung vereinigter Kräfte von unten, um nach oben etwas zu bewegen.
• Mit welchen Inhalten?
Als wir im September begannen, war es doch so, dass die Kräfte der Parlamentarier nicht ausreichten, soziale Ungerechtigkeiten auch nur zu behandeln, aufgebrochene Probleme gar zu lösen. Am 4. November 1989 hat das Volk begonnen, politische Rechte durchzusetzen. Seitdem wurde viel verändert. Soziale Rechte aber sind altes andere als gesichert.
• Demnach ist am 4. November nicht an eine Nostalgie- oder Tränen-Demo gedacht?
Um Himmels willen, kein Gedanke daran. Uns sollten Furcht und Tatsachen, an den Rand der Gesellschaft gestellt zu werden, vereinen. Versprochen wurde doch viel, von Parteien, alten und neuen, aber wenig gehalten.
• Inzwischen haben wir eine föderalistische Struktur nach dem Muster der Alt-Bundesländer, haben neue Parlamentarier ...
In Berlin ist dem nicht so. Unsere Initiative beschränkt sich deshalb auf diese Stadt, denn hier sind es noch dieselben parlamentarischen Kräfte; und der Senat hat gegenüber dem Magistrat das Sagen.
• Wird diese Demo zur Wahlkampfaktion der Parteien?
Nein und nochmals nein! Eine Wahlkampfaktion werden wir nicht zulassen. Teilnehmen kann natürlich jeder, das ist gewollt. Vertreter von Parteien werden keine Reden halten.
• Mit einer Ausnahme, wenn unsere Information stimmt ...
Die Ist richtig, wenn sie sich auf Dr. Ullmann bezieht. Diese Ausnahme tragen alle Beteiligten des Runden Tischs von unten. Wir meinen, dass er wie kein anderer bemüht ist, parteiübergreifend zu wirken. Darauf setzen wir bei der Demo, die hoffentlich eine wird.
• Warum zweifeln Sie?
Ein ganz leiser Zweifel und ausschließlich bei mir. Ich sehe in den Ergebnissen der . Landtagswahlen ein großes Votum für soziale Streichungen. Sollte das in Berlin ähnlich sein Wirkungen auf die Hauptstadt sind ja nicht ausgeschlossen -, dann können wir zwar viele, doch für unser Anliegen zu wenig sein.
• Worin besteht das Anliegen?
Wir werden auf den Alexanderplatz gehen, um die Macht dieser Sammlungsbewegung von unten zu demonstrieren, um Parteien, Parlamente und Regierungen nachdrücklich auf nötige Investitionen in die Zukunft und ihrer sozialen Ausgestaltung hinzuweisen.
M. K.
Tribüne, Nr. 210, Do. 01.11.1990
