Mi. 22. November 1989


Der Sprecher des Ministeriums für Innere Angelegenheiten teilte mit, dass seit dem 9. November bis Mittwoch früh, 8.00 Uhr, durch die Deutsche Volkspolizei 10 971 171 Visa für Privatreisen und 19 982 Genehmigungen zur ständigen Ausreise aus der DDR erteilt wurden.
(Neues Deutschland, Do. 23.11.1989)

Die Zahl der Eigentumsdelikte ist in Westberlin in den letzten Tagen sprunghaft gestiegen, berichtete am Mittwoch das "Volksblatt". Viele Gäste aus der DDR würden Opfer von Taschendieben. Bei der Polizei sei die Zahl der gemeldeten Taschendiebstähle pro Tag von einem Dutzend Fälle auf derzeit etwa 50 gestiegen. Andererseits seien DDR-Bürger bei Ladendiebstählen gestellt worden. Allein am vergangenen Wochenende sind nach Angaben der Polizei mehrere hundert DDR-Bürger beim Entwenden von Transistorradios, Kosmetika oder Textilien erwischt worden.
(Neues Deutschland, Do. 23.11.1989)

Eine gezielte Anwerbung von Arbeitskräften unter ehemaligen DDR-Bürgern empfiehlt eine Studie der schwedischen Svenska Enskilda Bank als Rezept zur Minderung der Lohnkosten in dem nordeuropäischen Land, meldete die Nachrichtenagentur TT. Wirtschaftsvertreter werden aufgefordert, in Flüchtlingslagern und Unterkünften nach Arbeitskräften mit Berufen zu suchen, die in Schweden gefragt sind. Wohnungen seien kein großes Problem, erklärten gegenüber TT die Autoren der Studie lakonisch. In Schweden gebe es genügend gut ausgerüstete Baracken.
(Neues Deutschland, Do. 23.11.1989)

In einem Fernschreiben an die 1. Sekretäre der SED-Kreisleitung gibt Egon Krenz Neuerungen für die Kampfgruppen vor. Beim Gelöbnis entfällt, "die Weisungen der Partei zu erfüllen".

Die Ausfuhr von Antiquitäten und Gebrauchtwaren aus der DDR wurde verboten, teilt ADN mit.

In Eisenach ziehen Demonstranten mit Kerzen und Transparenten vor das Stasigebäude.

Demonstriert wird in Dippoldiswalde, Freital, Großenhain und Herzberg.

Auf der 2. Mitgliederversammlung der SDP in der Evangelischen Studentengemeinde in Halle wird eine Jugendgruppe gebildet.

Stefan Heym signiert sein Buch "Fünf Tage im Juni", das erstmals in der DDR erscheinen konnte, in der Galerie Prisma in Berlin.

Zwischen dem Berliner Bezirksvorstand des DTSB und dem Landessportbund Berlin wird eine engere Zusammenarbeit vereinbart.

In Berlin konstituiert sich die "Arbeitsgemeinschaft Berliner Architekten". Sie will sich einsetzen für grundlegende Reformen in Architektur und Städtebau.

Den Studenten aus der KDVR wird mitgeteilt, sie müssen zwei Tage später ihre Heimreise antreten. Als Grund wird "politische Schulung" angeben. Zunächst hieß es noch alle Studenten können ihr Studium planmäßig beenden. Später "kein Rückflug". Am 24.02.1990 wird auf einer Kundgebung vor der Botschaft der KDVR dagegen protestiert.

Δ nach oben