Mo. 20. November 1989


Seit dem 20. November leisten etwa 25 junge Männer in einem Pilotprojekt beim Dresdner "Bezirkskrankenhaus Friedrichstadt" freiwillig Zivildienst.

Es handelt sich größtenteils um sogenannte "Totalverweigerer", die in der vergangenen Zeit trotz der Ablehnung des Wehrdienstes von strafrechtlichen Konsequenzen verschont geblieben sind. Ein anderer Teil der Zivildienstleistenden sind Bausoldaten, die ihren Einberufungsbefehl zurückgegeben haben. Sie alle wollen mit diesem Einsatz zeichenhaft bekräftigen, dass die Einführung eines gesetzlich geregelten Zivildienstes dringend notwendig ist.

Der Chefarzt des Dresdner Krankenhauses bezeichnete den Einsatz, der mit Zustimmung des Wehrbezirkskommandos und des Rates des Bezirks Dresden erfolgte, als einen Erfolg für die Bemühungen der Kirche. Benötigt werde jedoch ein Gesetz, das den zivilen Wehrersatzdienst klar regelt. Dies müsse sofort geschehen und nicht erst im Frühjahr.

Der sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider, von dem die Initiative für die in Dresden-Friedrichstadt gefundene Regelung ausging, hat bereits im Gespräch mit jungen Leuten und sachkundigen Juristen eine entsprechende Vorlage erarbeitet, die der Volkskammer als Vorschlag unterbreitet wurde und auch in Friedensgruppen diskutiert wird.
(Neue Zeit, Sa. 25.11.1989)

350 Westberliner Ärzte haben in den vergangenen vier Tagen ihr Interesse bei der Ärztekammer der Stadt bekundet, in der DDR zu arbeiten. Wie der Sprecher der Ärztekammer, Roland Bersdorf, weiter mitteilte, habe man Anfang der Woche an 1 800 der 12 000 Ärzte in der Stadt geschrieben, die arbeitslos sind oder nicht in ihrem Beruf arbeiten.
(Neue Zeit, Mo. 20.11.1989)

Ein Podiumsgespräch zur Wirtschaftsreform findet im Haus des ZK der SED statt.

Im Peter Kast Club findet die Gründungsversammlung Berlin-Adlershof der SDP statt.

Bei einem Gespräch zwischen Egon Krenz und Hans Modrow mit Kanzleramtsminister Rudolf Seiters, wurde Änderungen in der Verfassung der DDR angekündigt. Dies betreffe nicht nur den Artikel 1. Die SED beanspruche kein Monopol. Die SED trete für eine grundsätzliche Änderung der Wirtschaftspolitik verbunden mit einer Wirtschaftsreform ein. Es gehe um eine an den Marktbedingungen orientierte sozialistische Planwirtschaft.

Die Wiedervereinigung stehe nicht auf der Tagesordnung. Die Position der BRD sei gekannt. Die Geschichte wird zeigen, wer Recht behält.

Rudolf Seiters teilt auf einer Pressekonferenz in Berlin mit, der Termin für den Besuch des Bundeskanzlers Helmut Kohl in der DDR steht noch nicht fest. Der Besuch wird im Dezember erfolgen, voraussichtlich nach dem Parteitag der SED.

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