Do. 16. November 1989


Der Sprecher des Ministeriums des Innern teilte mit, dass seit dem 9. November bis Donnerstag früh, 8 Uhr, durch die Deutsche Volkspolizei 8 626 047 Visa für Privatreisen und 14 669 Genehmigungen zur ständigen Ausreise aus der DDR erteilt wurden.
(Neues Deutschland, Fr. 17.11.1989)

Die Zahl der polnischen Bürger, die sich um Übersiedlung oder Arbeitsaufnahme in der DDR bei der Botschaft in Warschau oder in den konsularischen Missionen der DDR in anderen Städten Polens bemühen, nimmt weiterhin zu. Wie der Leiter der Konsularabteilung der DDR-Botschaft, Dr. Peter Krause, gestern gegenüber ADN erklärte, haben allein in Warschau seit Anfang November rund 2 600 polnische Antragsteller entsprechende Formulare erhalten. Ähnliche Größenordnungen verzeichnen auch die Generalkonsulate der DDR in Wroclaw, Szczecin und Gdansk. Der Konsul teilte mit, dass jeder Antrag einzeln geprüft und zu diesem Zweck den zuständigen Organen in der DDR zur Entscheidung zugeleitet wird. Deshalb könnten bis auf weiteres keine derartigen Anträge entgegengenommen werden.
(Berliner Zeitung, Fr. 17.11.1989)

Die Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden fordern in einem Schreiben, das die Redaktion "Neues Deutschland" am Donnerstag erreichte, nachdrücklich, den Verkauf von "unersetzlichen Kunstgütern unseres Landes für Devisen" zu verhindern. Die Museumsmitarbeiter, die in dem Schreiben ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem ihnen anvertrauten kulturellen Volkseigentum bekunden, verlangen die "Offenlegung aller Fakten dieses traurigen Kapitels Kulturgeschichte der DDR".
(Neues Deutschland, Fr. 17.11.1989)

Wie die Pressestelle des Generalstaatsanwaltes gegenüber ADN mitteilte, erreichen den Generalstaatsanwalt der DDR zahlreiche Zuschriften aus dem In- und Ausland. In ihnen wird die Freilassung von Personen gefordert, die sich seit dem 7. bzw. 8. Oktober 1989 nach Festnahme aus Personenansammlungen noch immer in Haft befinden sollen. Der Generalstaatsanwalt der DDR weist zum wiederholten Male darauf hin, dass sich solche Personen weder in Untersuchungshaft noch im Strafvollzug befinden.
(Berliner Zeitung, Fr. 17.11.1989)

Am Abend sind die mehrtägigen Verhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung abgeschlossen.

In Dresden wird die SDP gegründet. Nach der Gründung werden Antrittsbesuche beim OB Wolfgang Berghofer und den Parteivorständen der "alten" Parteien absolviert.

Gründung der SDP in Plauen.

Demonstrationen finden in Ballenstedt, Erfurt, Gera, Großenhain, Jena, Löbau, Neustadt, Quedlinburg und Rostock statt.

Ein Konsultationszentrum des ZK der SED wird eröffnet. Auch bei anderen SED-Leitungen werden Konsultationszentren eröffnet.

SED-Mitglieder in Rostock sprechen auf einer Veranstaltung über die Erneuerung der Partei.

Der Rat des Kreises Luckau tritt zurück. Bleibt aber geschäftsführend bis zur Neuwahl im Amt.

Das U-Haftanstalt des MfS in Dresden wird von Journalisten besichtigt.

Die "Berliner Zeitung" und "Die Neue Zeit" veröffentlichen das Fernsehprogramm der Fernsehsender der BRD. Die Programmzeitschrift "FF dabei" will ab der Nr. 51/1989 folgen.

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